PwC-Studie: Digitale Angebote schon heute wichtiger Standortfaktor/Fehlender Breitband-Ausbau hemmt Entwicklung der Kommunen/Digitale Städte wirtschaftlich besser aufgestellt. Laut einer aktuellen PWC-Studie sind Köln, Hamburg und München die digitalen Zentren Deutschlands. Anhand von 20 Kriterien, die die Bereiche Verwaltung und Politik, Kommunikation, Infrastruktur und Energie abdecken, hat PWC in Kooperation mit dem Geographischen Institut der Universität Bonn untersucht, wie digital die 25 bevölkerungsreichsten Städte Deutschlands bereits sind. Maximal konnten dabei 20 Punkte erreicht werden. \“Eine entwickelte digitale Infrastruktur ist für die Kommunen schon heute ein zentraler Standortfaktor. Ihre Attraktivität für Bewohner, Arbeitnehmer und Unternehmen hängt entscheidend von ihrem Digitalisierungsfortschritt ab\“, sagt Alfred Höhn, Partner bei der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PWC und Leiter des Bereichs Öffentlicher Sektor in Deutschland. Die Top-10 des Rankings weisen durchschnittlich deutlich bessere Kennzahlen auf als die Städte auf den übrigen Plätzen. Das gilt beispielsweise für das Gewerbesteueraufkommen (+30% im Vergleich zu +21% 2009-2013) wie auch für die Beschäftigungszahlen. Auch der Anteil der Hochqualifizierten ist in der Spitzengruppe deutlich höher (20,2 gegenüber 14,7%). Die Bevölkerung der Städte auf den Plätzen eins bis zehn wuchs durchschnittlich um 3,9% und damit fast doppelt so stark wie in den anderen Städten (2,0%). Im Auftrag von PWC wurden außerdem mehr als 200 Städte und Landkreise zur Bedeutung und zum Stand der Digitalisierung befragt. Dabei gaben 70% an, die Digitalisierung spiele eine große oder sehr große Rolle in der Entwicklungsstrategie ihrer Kommune. \“Obwohl Städte und Gemeinden die Digitalisierung als wichtige Zukunftsaufgabe erkannt haben, werden heute vor allem solche Online-Dienste angeboten, die vergleichsweise leicht zu etablieren sind\“, sagt Felix Hasse, Partner bei PWC und Experte für die Digitalisierung von Kommunen. An vielen Orten in Deutschland ist es zum Beispiel möglich, online einen Termin für das Bürgeramt zu vereinbaren oder per Handy ein Busticket zu kaufen. Auch eine Präsenz in den sozialen Medien ist inzwischen bei den großen Städten weitgehend Standard. Seltener sind dagegen komplexere Serviceleistungen. \“Nur in neun der 25 von uns im Detail untersuchten Städte können Bürger zum Beispiel einen Anwohnerparkausweis online beantragen. Online-Gewerbeanmeldungen, die etwa in den Vereinigten Staaten seit Jahren zum Standard zählen, bietet nur Bremen an\“, sagt Hasse. \“Vor allem die Chance, Bürger online an kommunalen Entscheidungen teilhaben zu lassen, bleibt vielfach ungenutzt.\“ 64% der befragten Kommunen nennen die angespannte Haushaltslage als wesentliches Hindernis für eine weitere Digitalisierung. Auch der Ausbau des Breitbandnetzes ist ein zentrales Problem. Deutschland liegt im internationalen Vergleich in diesem Punkt deutlich zurück. Von den im Detail untersuchten Städten halten lediglich Köln und Bonn für 95% der Haushalte ein Breitbandnetz von mindestens 50Mbit/s vor. \“Es besteht die Gefahr, dass sich der digitale Graben zwischen den fortschrittlichen Kommunen und denjenigen weiter vertieft, die die Digitalisierung nicht systematisch in Angriff nehmen\“, sagt Prof. Claus Wiegandt, Geographisches Institut der Universität Bonn, Co-Autor der Studie. Noch fehlt den meisten Kommunen ein klares Konzept, um das Thema Digitalisierung anzugehen. Meist wird Digitalisierung als Querschnittthema, nicht aber als eigenständiger Sachbereich verstanden. 20 der 25 im Detail untersuchten Städte verfügen weder über einen Digitalisierungsbeauftragten noch über eine entsprechende Strategie. \“Um bestehende Verwaltungsvorgänge effizienter zu machen, genügt es nicht, dass man einen Termin im Bürgeramt online vereinbaren kann. Digitalisierung muss als Organisationsaufgabe verstanden und Verwaltungsvorgänge aus Sicht des Bürgers völlig neu gedacht werden. Ziel sollte es dabei sei, den Gang zur Behörde vollständig digital zu ersetzen\“, sagt Felix Hasse.
Köln, Hamburg und München sind digitale Hauptstädte Deutschlands
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