Muss ein Betriebssystem für Embedded Systeme gewählt werden, werden zunächst die Hardware-Bedingungen und die Kosten, z.B. für Lizenzen, Software-Entwicklung und Wartung, betrachtet. Hinzu kommen der Einarbeitungsaufwand bzw. vorhandene Erfahrung der Mitarbeiter im Unternehmen. Zudem muss sich der Anwender genau überlegen, wie stark er sich an einen Softwarehersteller, seine Softwareaktualisierungen und Hardwaretreiber oder an einen Software-Dienstleister binden möchte. Eine neue Open Source-Version hingegen kann der Anwender dann einsetzen, wenn er es wünscht. Zudem können Treiber für neue Hardware selbst entwickelt werden. Schließlich ist der Source Code frei verfügbar. Wer den Support eines Dienstleisters nutzen möchte, ist jedoch auch abhängig von dessen Entwicklungen. Anforderungen der Embedded Systeme Bei industriellen Embedded Systemen muss das Betriebssystem meist multitasking- und echtzeitfähig sein. Daher finden Sie in unserer Tabelle nur Embedded Betriebssysteme für Echtzeitanwendungen. Zunächst muss das Embedded Betriebssystem den richtigen Prozessor unterstützen. Weitere Anforderungen sind, dass die Systeme offen für unterschiedliche Erweiterungen sind und entsprechend an die jeweilige Aufgabe angepasst werden können. Außerdem ist hier zu erwähnen, dass das eingesetzte System eine hohe Langzeitverfügbarkeit bieten muss (mindestens fünf Jahre) und durch ein Software-Image reproduzierbar sein sollte. Beschränkt sich das Embedded Betriebssystem nur auf seine notwendigen Anwendungen (also Software-Pakete) und Treiber, ist es so klein skaliert, dass auf eine Festplatte verzichtet werden kann, dann benötigt das System keinen Lüfter; unnötige Erschütterungen sowie Lärm werden vermieden. Verbreitung von Linux Linux bietet als Embedded Betriebssystem den Vorteil, dass keine Lizenz- und Laufzeitkosten anfallen. Seine größte Schwäche für den Einsatz in der Automatisierung, die fehlende Echtzeitfähigkeit, hat das Open Source Betriebssystem inzwischen überwunden: der Linux RT_Preempt Patch sorgt seit vergangenem Jahr mit verringerten Latenzzeiten für die notwendige Geschwindigkeit. Aufgrund dieser Entwicklung erwartet beispielsweise Dr. Carsten Emde, Geschäftsführer der Open Source Automation Development Lab e.G. (OSADL), in der Automatisierung bis 2010 eine Linux-Verbreitung von 60%. Derzeit schätzt er, verfügt das Open Source Betriebssystem bereits über eine Verbreitung von 20-25%. Und die Entwicklung schreitet weiter voran: Anfang Februar 2007 hat der Linux-Entwickler Linus Torvalds den Linux Kernel 2.6.20 freigegeben. Linux ist also eine ernst zu nehmende Option für die Automatisierung und wird im Embedded-Bereich als \’Quasi-Standard\‘ angesehen, nicht zuletzt weil es so flexibel skalierbar ist und Netzwerke gut unterstützt. Soft Skills beachten Neben den genannten \’harten Bedingungen\‘ an das Embedded Betriebssystem muss auch beachtet werden, dass jedes Unternehmen die Entscheidung ganz individuell für oder wider ein System fällt. So sollte bedacht werden, welche Erfahrungen bisher mit welchen Systemen gemacht wurden, wie die Instandhaltung und Wartung realisiert werden soll und wer letztendlich mit dem Embedded System arbeiten soll. Um Ihnen diese Entscheidung zu erleichtern, finden Sie die vollständige Tabelle wie gewohnt im Internet. (afs)
Marktübersicht: Embedded Betriebssysteme
Stand in Ausgabe 1&2 des SPS-MAGAZINs Embedded Hardware im Mittelpunkt, so stellen wir Ihnen diesmal in unserer Marktübersicht die entsprechenden Betriebssysteme vor.
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