Von der Vorentwicklung über die Serienentwicklung bis zur Produktion – das Werk in Landshut ist im Entwicklungs- und Produktionsnetzwerk der BMW Group immer mit dabei, wenn ein neues Fahrzeug entsteht. Im Werk selbst fertigen über 3.300 Mitarbeiter auf über 300.000 Quadratmetern neben Zylinderköpfen weitere Leichtmetall-Gussteile, beispielsweise Kurbelgehäuse, sowie Kunststoffkomponenten und Austauschmotoren für nahezu alle Fahrzeuge der BMW Group von BMW Automobilen über die Motorräder bis hin zu den Formel 1 Boliden. Für die Herstellung der Gussteile in Serienproduktion beherrschen die Mitarbeiter im Landshuter BMW Werk fünf verschiedene Gießverfahren: Sandguss, Lost-Foam-Guss, Druckguss, Niederdruck- und Schwerkraft-Kokillenguss. Kokillenguss-Umgebung und Prozess In einer mehrstöckigen Halle befinden sich 30 Kokillengießanlagen (Bilder 1 und 2), die im Drei-Schicht-Betrieb laufen. Im Erdgeschoss erhitzt pro Anlage ein etwa 2m hoher Ofen die Schmelze. Darüber, sozusagen im ersten Stock, befindet sich die etwa 6m hohe Kokillenanlage mit dem Einlauf für das flüssige Aluminium in der Nähe des Bodens (Bild 3). Auf diesem Stockwerk transportieren Gabelstapler die so genannten Pfannen, wobei eine Pfanne etwa 600kg des flüssigen Leichtmetalls enthält. Nach dem Entleeren in den Einlass gelangt die Schmelze nach unten in den Ofen. Druckluft mit 0,6bar (typisch für das Niederdruckverfahren) lässt das flüssige Aluminium durch ein Tauchrohr, das sich am unteren Ende in der Schmelze befindet, aufsteigen. So gelangt die Schmelze nach oben in die Kokille (eine wiederverwendbare Gießform), wo sie erstarrt. Nachdem die von Auswerferzylindern angetriebenen Seitenteile der Kokille ausgefahren wurden, kann das Gussteil entnommen werden. Ein Auslenkarm entnimmt das noch heiße, je nach Modell 20 bis 40kg schwere Gussteil aus der Gießform. Ein Bediener greift mit speziellen Hebegriffen das Werkstück vom Auslenkarm, unterzieht es einer ersten Sichtprüfung und stellt es auf Paletten zum Abtransport bereit. Später werden die Bauteile im Rahmen einer umfassenden Qualitätssicherung noch zu 100% nach dem Röntgenverfahren auf Einschlüsse und Lunker geprüft. Sicherheitsgerichtete Aspekte Der Bediener startet den Gießprozess durch das Betätigen einer Starttaste außerhalb des durch die optoelektronische Schutzeinrichtung abgesicherten Kokillenbereichs (Bild 4). Die Taktzeit beträgt etwa 5min. In dieser Zeit darf sich in der Anlage kein Bediener aufhalten. Insbesondere zwei Gefahrstellen sind zu beachten: der Auswerferzylinder bewegt die Seitenteile der Kokille und gibt damit das Gussteil frei. Aus dieser horizontalen Bewegung resultieren für den Bediener Verletzungsgefahren durch Quetschstellen. Zudem entnimmt ein seitlich zur Kokille positionierter Auslenkarm die Gussteile und fördert sie über eine Schwenkbewegung zur Bedienerentnahmestelle. Auch im Schwenkbereich dieses Auslenkarms könnten schwerwiegende Verletzungen für den Bediener auftreten. Bereits aus diesen Gründen muss gewährleistet sein, dass sich innerhalb der Taktzeit und speziell während der automatischen Entnahme des Gussteils kein Bediener im Gefahrenbereich aufhält und auch kein Zutritt durch Bedienpersonal stattfinden kann. Die Sachverständigen im BMW Werk konnten mit dem Compact Sicherheits-Lichtvorhang von Leuze electronic eine Sicherheitslösung integrieren, die die Anforderungen erfüllt und einen zuverlässigen Schutz ermöglicht (Bild 5). Der gesamte Kokillenbereich wurde mit Compact Sicherheits-Lichtvorhängen abgesichert. Generell kommt dieser Sicherheits-Lichtvorhang mit einer Auflösung von 30mm und einer Reichweite von 18m häufig bei horizontalen Gefahrbereichssicherungen, etwa an Schweiß- und Montagelinie oder an Roboterzellen, zum Einsatz. Auch sind Auflösungen von 14mm für den Hand- und Fingerschutz verfügbar, beispielsweise an Pressen oder Stanzen. Die Sicherheits-Lichtvorhänge entsprechen Typ 4 gemäß IEC/EN 61496. Sie zeichnen sich neben der zuverlässigen Erkennung von Schutzfeldunterbrechungen vor allem durch ihre Störsicherheit und damit durch ihre hohe Verfügbarkeit aus. Ein integriertes Selbstdiagnosesystem ermöglicht eine einfache und effiziente Diagnose vor Ort. Anlage mit Absicherung Aus sicherheitsgerichteten Erwägungen und aus Umgebungsbedingungen wie Fahrgassenverlauf oder Palettenabstellplatz ergibt sich bei der Absicherung des Kokillenbereichs im BMW Werk ein trapezförmiger Grundriss. Diese Geometrie wird realisiert durch einen Compact Sender, einen Compact Empfänger und zwei UMC Umlenkspiegel, wobei der eine einen Reflexionswinkel von über 90° und der andere einen Reflexionswinkel von unter 90° hat. Die beiden Spiegel sichern im Abstand von etwa 3m den Bereich zwischen Kokille und Fahrgasse. Sowohl der Sender als auch der Empfänger befinden sich im Abstand von etwa 4m gegenüber den Spiegeln auf der anderen Anlagenseite in der Nähe des Schaltkastens. Damit ergibt sich eine trapezförmige Zugangssicherung. Der Lichtstrahl muss auf seinem Weg über die Spiegel bis hin zum Empfänger knapp 12m zurücklegen. Auf diese Länge ist die Justage schwierig, da bereits eine kleine Abweichung im Winkel dazu führen würde, dass der Lichtstrahl nicht auf den Empfänger trifft. Da die optoelektronischen Sicherheitssensoren mit infrarotem, also nicht sichtbarem Licht arbeiten, kommen bei der Justage Laserausrichthilfen von Leuze electronic zum Einsatz. Die Laserausrichthilfe wird direkt am Sender angebracht und markiert mit einem Rotlichtlaser gut sichtbar den Auftreffpunkt der Sensorstrahlen. Damit können solche Anordnungen wie in der BMW Kokillengießanlage sehr einfach und effizient von nur einer Person eingerichtet werden. Zuverlässigkeit durch Dämpfung und Umhausung Sender, Empfänger und Umlenkspiegel befinden sich in freistehenden UDC Gerätesäulen, die fest im Boden verankert sind (Bild 6). Die UDC Säulen ermöglichen eine exakte vertikale und axiale Ausrichtung. Umherfahrende Gabelstapler, die Pfannen mit etwa 600kg Schmelzegewicht anfördern, verursachen Erschütterungen im Fundament, die ebenfalls über die Federelemente im Fuß ausreichend gedämpft werden. Die UDC Gerätesäulen werden im BMW-Werk nochmals von einer massiven Stahlsäule umhaust, um auch bei einem direkten Stoß zuverlässige Sicherheit zu gewährleisten, aber auch als Schutz gegen Schmelzespritzer. Diese Umhausung ist ebenfalls federnd im Boden verankert, um die auftretenden Erschütterungen und Schwingungen zu dämpfen. Fazit Durch die Ausstattung der Kokillengießanlage im BMW-Werk Landshut mit Compact Sicherheits-Lichtvorhängen erfüllt das Unternehmen alle Anforderungen, die sich aus einer Gefahrenanalyse und der Konformitätserklärung ergeben. Regelmäßige Überprüfungen durch BMW Sicherheitsingenieure ergaben bislang keine Beanstandung der Vorrichtung. Hannover Messe 2008: Halle 9, Stand D54
Sicherheits-Lichtvorhänge im BMW Werk Landshut: Kokillenguss auf sichere Weise
-
Retrofit für die Industrie 4.0
So lassen sich alte Steuerungen wirtschaftlich OPC-UA-fähig machen
Viele Produktionsanlagen arbeiten noch mit Steuerungen, die seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst verrichten. Für Industrie-4.0-Anwendungen müssen diese Systeme jedoch zunehmend in moderne Datenarchitekturen eingebunden werden. Retrofit-Lösungen ermöglichen es,…
-
KI perfektioniert Phishing-Angriffe – von personalisierten Mails bis zu Voice Cloning
Wenn Maschinen Vertrauen imitieren
Die KI generiert nicht nur immer neue Hacker-Tools, sondern verbessert die Glaubwürdigkeit von Phishing Mails durch perfide Tricks. Doch auch die Gegenseite rüstet sich mit KI-Tools gegen digitale…
-
Interview: Wie neue EU-Regularien Maschinenbauer zu sicheren Kommunikationsarchitekturen zwingen
„Cybersecurity ist heute keine Option mehr“
Mit neuen regulatorischen Vorgaben wie dem Cyber Resilience Act steigt der Druck auf Maschinenbauer und Gerätehersteller, Cybersecurity systematisch in ihre Produkte zu integrieren. Gleichzeitig eröffnet eine sichere Kommunikationsinfrastruktur…
-
IO-Link-Safety-Lösungen
Mit der Kombination robuster Sicherheitskomponenten und IO-Link Safety ermöglicht Euchner eine durchgängige, sichere Kommunikation in der Automatisierung – auf dem gesamten Weg von der Steuerung bis zum Sensor…
-
Im Interview: Wie NI und DataTec den europäischen Testmarkt neu denken
Vom Messgerät zur Datenplattform
Beim Besuch von National Instruments bei DataTec tauschten sich Ritu Favre, President Test & Measurement bei Emerson, und Markus Kohler, Vorstand DataTec, über aktuelle Entwicklungen im europäischen Test-…
-
Skalierbare IPC-Plattform
Spectra bietet mit der MD-3000-Serie von Cincoze eine modulare Embedded-Computer-Plattform an, die speziell…
-
ABB Robotics ernennt neuen Cluster-Manager für DACH-Region
ABB Robotics hat Marc-Oliver Nandy zum Cluster-Manager für die DACH-Region ernannt.
-
Für sichere Maschinennetzwerke
Industrial Security-Gateway und Maschinenfirewall
Sichere Maschinennetzwerke werden mit den aktuellen Vorgaben der Europäischen Maschinenverordnung und der IEC62443…
-
Spürbarer Dämpfer in den Bestellungen
Maschinenbau-Auftragseingang im Februar
Der Auftragseingang im Maschinenbau ist im Februar abermals gesunken und die Stimmung der…
-
Für die DACH-Region
Schneider Electric: Neuer Vice President Secure Power
Schneider Electric hat Marco Geiser zum neuen Vice President Secure Power DACH ernannt.
-
Yaskawa strukturiert Führungsspitze in Europa um
Yaskawa hat eine Neustrukturierung der Geschäftsführung in seiner europäischen Zentrale vorgenommen.
-
Ifo-Konjunkturumfrage
Unternehmen planen mit höheren Preisen
Deutlich mehr Unternehmen in Deutschland planen mit höheren Preisen.
-
Ann Fairchild neue CEO
Siemens USA unter neuer Leitung
Siemens hat Ann Fairchild zur neuen Geschäftsführerin von Siemens USA ernannt.
-
IO-Link Safety: Sicherheit vernetzt im Feld
Die Automation ändert sich rasant – sicherheitstechnische Anforderungen ebenso. Mit IO-Link Safety entsteht…
-
Mit integrierter Sicherheitstechnik
MDR-Controller für die Intralogistik
Die IP54-geschützten MDR-Controller EP741x von Beckhoff sind je nach Bedarf mit und ohne…
-
Lebensmittelkonformer Oberflächenschutz
Aluminium-Antriebe
Mit NXD Tuph von Nord Drivesystems können Anwender auch in hygienesensiblen Applikationen von…
-
Für datenintensive Industrieumgebungen
1HE-Rack-PC
Für PXI-Testsysteme, Echtzeitanwendungen und die Industrieautomation sind hohe Datenraten, geringe Latenzen und flexible…
-
Gemeinsam zum vollständig integrierten Automatisierungs-Stack
Salz Automation und Tele vereinbaren Partnerschaft
Salz Automation und Tele Haase Steuergeräte gehen in ihrer Partnerschaft einen entscheidenden Schritt…
-
3D-Druck
Harting eröffnet Zentrum für 3D-Druck
Harting hat in seinem Werk Rahden ein „Center of Competence Additive Manufacturing“ eröffnet.
-
Mikko Soirola
Neuer CEO für Elisa Industriq
Mikko Soirola startet als neuer CEO bei Elisa Industriq.
-
Drehkreuz in Südamerika
Wika eröffnet neues Werk in Brasilien
Wika hat Mitte März ein neues Werk am Standort Boituva in Brasilien eröffnet.
-
Feldbuskoppler
Feldbus und Anzeige konsequent integriert
In Profinet-basierten Anlagen übernimmt das PN220 von Motrona die Funktion eines Feldbuskopplers und…
-
Seit März
Hannover Messe erhält eigenen Geschäftsbereich
Zum 1. März hat die Deutsche Messe einen eigenständigen Geschäftsbereich eingerichtet, der sich…
das könnte sie auch interessieren
-
Miniatur-Sensoren realisieren hohe Reichweiten
So weit, so klein
-
Dank Binnenmarkt
Deutsche Elektroexporte mit Plus auch zum Jahresbeginn
-
















