Steuerung, Visualisierung und Feldbus-Kommunikation

Die HMI-Familie VT verfügt neben reinen Anzeige- und Bedienfunktionen auch über Steuerungsfunktionalität. Vor allem aber punkten die HMIs mit ihren überdurchschnittlichen Kommunikationseigenschaften. Zur SPS/IPC/Drives wurde zunächst das erste Familienmitglied VT250 vorgestellt, das mittlerweile lagermäßig verfügbar ist. Nun folgen weitere Geräte. VT250-Steckbrief Das VT250 kommt mit einem 5,7\“-QVGA-TFT-Touchscreen, also einer Auflösung von 320x240Pixel. Mit seinen Gehäusemaßen von 212mm x 156mm und einer Einbautiefe von 50mm entspricht das System einem marktüblichen Quasi-Standard, so dass es ohne großen konstruktiven Aufwand in zahlreichen Applikationen eingesetzt werden kann. Auch die Geräterückseite zeugt davon, wie sehr sich die Turck-Entwickler über den praktischen Einsatz ihres Produkts Gedanken gemacht haben. So ist beispielsweise nicht nur wie üblich die SD-Memory-Card von außen zugänglich, sondern im Gegensatz zu vielen Wettbewerbsgeräten auch die Halterung für die Pufferbatterie. Die Anschlussebene an der Unterseite bietet neben der 24V-Spannungsversorgung einen COM-Port, der so belegt ist, dass er sich sowohl für RS232 als auch für RS485 nutzen lässt. So kann der Anwender über die Schnittstelle beispielsweise einen Barcode-Leser, ein Lichtgitter oder ähnliches anbinden. Daneben findet sich noch ein USB-Device-Port, über den eine PC-Verbindung hergestellt werden kann, um beispielsweise ein Firmware-Update einzuspielen. Auf der Geräte­rückseite haben die Turck-Entwickler den Feldbus-Port positioniert, der entweder als CAN-Port mit DeviceNet oder CANopen konfiguriert werden kann oder als Profibus-Port. Die Anordnung an der Rück- statt der Geräteunterseite sorgt dafür, dass das Kabel eines neunpoligen Sub-D-Steckers exakt in dieselbe Richtung läuft wie alle übrigen Kabel. Zudem ist der Anschluss im Gehäuse versenkt, was die Steckverbindung zusätzlich mechanisch schützt. Multitalent netX Mit seinen zwei Realtime-Ethernet-Ports bietet das VT250 die Möglichkeit, das System auch in einer Linientopologie zu installieren. Damit das funktioniert, werkelt hinter den RJ45-Buchsen ein Chip aus der netX-Familie von Hilscher. Der Controller bietet die Möglichkeit, die Kommunikation von nahezu allen Feldbussen und Realtime-Ethernet-Systemen auf einem einzigen Chip zu realisieren und hier sowohl als Master als auch als Slave zu fungieren. Das erlaubt theoretisch die unterschiedlichsten Kombinationen aus Profibus, Profinet, DeviceNet, Ethernet/IP, Modbus-TCP, CANopen und Ethercat, selbst Ethernet Powerlink oder Sercos ließen sich, wenn nötig, über den netX realisieren. Auch bei der Visualisierungslösung vertraut Turck auf das Angebot aus dem Hause Hilscher, denn mit der QVIS-Software steht eine Visualisierung zur Verfügung, die auf die Hardwareumgebung zugeschnitten ist und die Ressourcen damit voll ausschöpfen kann. QVIS ermöglicht das freie Gestalten von graphischen Bedienoberflächen und beinhaltet alle Funktionen eines modernen Visualisierungssystems wie etwa Alarmhandling, Rezepturverwaltung, Passwortschutz, History, Trending und Simulation. Bewährte Steuerungslösung Bei der neuen HMI-Lösung setzt Turck die weit verbreitete CoDeSys-Plattform erstmals in der Version 3 ein. CoDeSys V3 vereint die Funktionalität der Version 2 mit den Möglichkeiten neuester Technologie und bietet jetzt echte objektorientierte SPS-Programmierung. Als Betriebssysteme stehen Windows CE und Hilschers rcX zur Verfügung. Während für reine Visualisierungsanwendungen das Microsoft-Betriebssystem ausreicht, stellt rcX die für Steuerungsapplikationen erforderliche höhere Performance zur Verfügung. Fazit Mit der neuen HMI-Familie hat Turck sein Portfolio um einen Zweig erweitert, der den Anspruch des Unternehmens, seinen Kunden zunehmend Lösungen statt Komponenten zu bieten, deutlich unterstreicht. Bereits das jetzt vorgestellte erste Modell VT250 bringt überdurchschnittliche Kommunikationsfähigkeiten mit. So bietet Turcks HMI abhängig von den Anforderungen der jeweiligen Applikation nicht nur Visualisierung oder Steuerung, sondern auch Gateway-Funktionialität zwischen Feldbussen und Realtime-Ethernet. Dabei kann das VT250 in jeder Richtung sowohl als Master wie auch als Slave konfiguriert werden. Partner wie Hilscher sowie Defacto-Standards wie CoDeSys und in Kürze auch FDT/DTM sorgen für technisch ausgereifte Lösungen mit hoher Zukunftssicherheit – made in Germany. (Kasten) \“Passt für 90% aller Anwendungen\“ Das SPS-MAGAZIN im Gespräch mit Jörg Kuhlmann von Turck Herr Kuhlmann, sind die VT-Geräte eher Visualisierungs-Panels mit Steuerungsfunktionen oder eher Steuerungs-Panels mit Visualisierungsfunktionen? Die VT-Geräte sind komplette Automatisierungssysteme, also im Kern ganz klar Steuerungen, aus meiner Sicht sogar Hardware-SPSen. Durch das grafische Touchdisplay haben wir die Möglichkeit eine komfortable Visualisierung zu erstellen, mit allen Fähigkeiten einer ausgewachsenen Visualisierung. Zudem haben wir umfassende Kommunikationsmöglichkeiten eingebaut. Alle Komponenten sind über die Codesys-Software eng miteinander verzahnt. Welche Zielbranchen adressieren Sie mit den Panels? Das Panel eignet sich natürlich wunderbar für Maschinenbauer, insbesondere für Serienmaschinenbauer. Der \’Idealkunde\‘ baut kleinere Maschinen, die durch diese Panel zu 100% automatisierbar sind. Wer dann noch umfassende Kommunikationsmöglichkeiten benötigt, für den sind die Turck-Visualisierungsgeräte optimal geeignet. Denn diese Kunden bekommen bei uns alles aus einer Hand, was für ihre Automatisierungslösung erforderlich ist. Es gibt ja bereits zahlreiche Visualisierungsgeräte am Markt. Warum hat sich Turck entschlossen, auch ein solches Produkt auf den Markt zu bringen? Wenn man nur den Punkt der Visualisierung betrachtet, so gibt es sicherlich eine riesige Auswahl und wenige Unterschiede zwischen den Geräten am Markt. Das ändert sich allerdings schon, wenn über die reinen HMI-Funktionen hinaus noch Steuerungsmöglichkeiten gefordert sind: Dort fallen schon 70% der Panels raus. Bei den restlichen 30% sind dann für Steuerungs- und Visualisierungsfunktionen häufig zusätzliche Module erforderlich. Zudem nutzen wir CoDeSys als Programmierumgebung, das sich mittlerweile als Quasi-Standard etabliert und verbreitet hat. Wenn man dann noch die Kommunikationsmöglichkeiten der Geräte sieht, also die Feldgeräteintegration, aber auch die Kommunikation mit überlagerten Systemen via Ethernet und OPC, dann ist ein Panel mit diesen Merkmalen gar nicht so leicht zu finden am Markt, ehrlich gesagt kenne ich kein anderes. Sie haben die Kommunikationsfähigkeit der Geräte bereits betont. Können Sie diese etwas näher beschreiben? Gerade das ist der Clou an den VT-Panels: Sie bringen die Kommunikationsfähigkeit bereits mit, und zwar ohne Zusatzmodule erwerben zu müssen. Sie basieren auf dem netX-Chip von Hilscher, genauer gesagt dem leistungsfähigsten dieser Reihe, dem netX500. Dieser Chip mit dem RCX-Betriebssystem liefert genügend Rechenpower, um die Steuerungsfunktionen in anständiger Zeit zu meistern, gleichzeitig z.B einen Profibus-Master darzustellen und noch ein Display anzusteuern. Was bedeutet \’anständige Zeit\‘ für die Steuerungsperformance? Ein normaler Ausbau mit Visualisierung, Kommunikation und SPS erlaubt typischerweise Zykluszeiten von 2ms in der Steuerung, konservativ gerechnet. Das passt für 90% aller Anwendungen in unseren Zielbranchen.