um neue Trends und Entwicklungen zum Thema Effizienz in der Antriebstechnik aufzuzeigen, hat das SPS-MAGAZIN die Expertenrunde \’Effizienz ist mehr als Verbrauch\‘ initiiert. Unter der Moderation von Kai Binder, Chefredakteur, sprachen sechs Experten aus der Antriebstechnik über die Möglichkeiten, effiziente Anlagen umzusetzen. Im Bereich des Engineerings gibt es ganz unterschiedliche Ansätze, Steuerungs- und Antriebstechnik in einem Tool zu integrieren. Ralf Henkel von B&R vertritt hierbei den Ansatz, eine Programmierplattform für sämtliche Steuerungs- und Antriebsysteme und Visualisierung anzubieten. Ralf Henkel: Der Maschinenbau braucht ein Software-Tool, das vollständig vom Automatisierungslieferanten entwickelt und auf alle Hardware-Komponenten abgestimmt ist. Alle Editoren dieses Tools nutzen eine gemeinsame Datenbank. Damit ist es z.B. möglich, Motorkenndaten direkt in einer Visualisierung anzuzeigen oder mit Steuerungsaufgaben zu verknüpfen. Die Editoren für die einzelnen Automatisierungsfunktionalitäten sind komplett integriert, sodass kein zusätzlicher Engineeringaufwand – z.B. für den internen Datenaustausch – entsteht. Ralf Henkel: Dabei muss das Software-Tool so gut sein, dass auch das Software-Konzept optimal umgesetzt werden kann. So muss es einfach für den Anwender sein, hydraulische Achsen, Robotikfunktionen oder eine CNC in dieser Projektierungsumgebung optimal zu implementieren. Dr. Edwin Kiel: Natürlich braucht man heute ein Werkzeug für alle Aufgaben. Dieses muss verschiedene Editoren für ein Mehrachssystem enthalten, um damit die gesamte Automatisierung von einem zentralen Werkzeug aus gestalten zu können. Für die Frage, ob sich ein zentrales oder dezentrales Konzept besser eignet, ist es entscheidend, wo die Bewegungsführung des Antriebes durchgeführt wird. Oft erfolgt sie im Antrieb und in einigen Fällen in einer zentralen Bewegungssteuerung. Die übergeordnete Ablaufsteuerung gibt es schon häufig zentral für mehrere Achsen oder eine ganze Maschine. Dann ist es nicht so wichtig, wie die Funktionalitäten verteilt sind, sondern dass sie durchgängig realisiert werden. So bieten sie eine zentrale Sicht auf die Gesamtfunktionalität und erhöhen die Effizienz. Wie Dr. Edwin Kiel weiter erklärte, sei der nächste Schritt beim Engineering, vorgefertigte Lösungen anzubieten. So können die Anbieter das Engineering effizienter gestalten. Auch bei Bosch Rexroth sitzt die Steuerungstechnik wahlweise im PC, in der SPS?oder im Antrieb. Gerhard Kobs: Wir haben ebenfalls ein Tool für alle Aufgaben. Da dieses Tool den vollen Funktionsumfang mit kompletter Programmierung der Steuerungstechnik beinhaltet, ist es sehr mächtig. Für einfache Applikationen gibt es daher auch abgespeckte Versionen, die beispielsweise nur die Projektierung und Inbetriebnahme der Antriebe ermöglichen. Claus Wieder stimmt seinen Vorrednern zwar zu, verweist jedoch auch auf die Skalierbarkeit, die das Engineering realisieren muss. Hierfür eignen sich die von Dr. Kiel angesprochenen Module, die einen weiteren Vorteil bieten: Claus Wieder: Wenn Kunden ein solches Modul einsetzen, dann können wir auch einen besseren Service zusichern als bei selbst programmierten Elementen. Denn unsere Servicetechniker können diese fertigen Module analysieren und eine Fehlerkorrektur durchführen. Bei einem eigenen programmierten System wäre das nicht möglich. Deshalb setzen wir auf vorgefertigte Module als Basis und Freiheit in Details. Jochen Luik bezieht sich ebenfalls auf die Durchgängigkeit der Software und weist auf ein Problem aus Entwicklersicht hin: Jochen Luik: Ich empfehle allen Entwicklern, die interne Kommunikation und die Softwareschnittstellen über ihre Produkt-/Baureihen zu harmonisieren. Ansonsten ist das nicht mehr überschaubar. So arbeitet Festo intern mit einem eigenen Bus und richtet sich bei der Kommunikation nach außen nach den Marktgegebenheiten. Kai Binder: Einfache Robotikfunktionen rutschen immer mehr ins Blickfeld der Automatisierer. Welche Effizienzpotenziale bieten die Robotikfunktionen? Jochen Luik: Hierbei sind vor allem die Effizienzpotenziale interessant, sobald eine Kommunikation oder Abhänigkeit zwischen verschiedenen, artikulierten Robotikkinematiken vorhanden ist. Da wird sich noch einiges verändern. Hierbei denke ich an Plattformen, die nicht nur eine Kinematik, sondern vielleicht mehrere Kinematiken umfassen. Denn bei einem Roboter gibt es mindestens fünf bis sieben artikulierte Positionen und Bahnen, die miteinander interpoliert werden müssen. Erneut kommt an diesem Punkt die All-in-One-Funktion der Systeme zur Sprache: Ralf Henkel: Dabei wird es entscheidend sein, verschiedene Verfahren und Abläufe in ein gemeinsames System zu integrieren. Das wird die Energieeffizienz erhöhen. Jochen Luik: Das gilt auch für die gesamte Mensch/Maschine-Bedienbarkeit bzw. die Unterstützung des Werkers vor Ort durch intelligente Geräte. In diesem Bereich befinden wir uns im Moment noch in den Anfängen. Gerhard Kobs weist im Anschluss auf eine Fähigkeit der Steuerung hin, Prozesse nicht nur zu steuern, sondern auch zu analysieren. Gerhard Kobs: Bei unserer Steuerung für koordinierte Bewegungen gibt es eine Takt-Zeit-Analyse für die Produktivität. Der Anwender kann hier zwei Zeitstempel für eine koordinierte Bewegung setzen. Im Anschluss werden verschiedene Prozessgrößen angezeigt, z.B. die Gesamtenergieaufnahme für diese Bewegung. Zur Optimierung von diesen Prozessgrößen kann z.B. die Verfahrensgeschwindigkeit oder Beschleunigung in der Steuerung verändert werden. Läuft der Prozess dann noch einmal ab, ist ein Vergleich beider Werte möglich. Kai Binder: Aufgrund der großen Bedeutung der Energieeffizienz ist die Betrachtung der Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership – TCO) wichtig. Doch diese Art der Kostenbetrachtung ist noch nicht weit verbreitet. Dominieren die Anschaffungskosten das Geschäft immer noch? Claus Wieder: Noch vor drei, vier Jahren standen dabei die Wartungs- und Instandhaltungskosten im Vordergrund. Zwischenzeitlich hat sich das Thema Energieeffizienz herausgelöst, die anderen Faktoren fast schon überdeckt. Die Bereitschaft, energiesparende Konzepte zu verwenden, ist groß. Deshalb ist die Grundlagenberatung zur Energieeffizienz derzeit so gefragt. Gerhard Kobs: Wir haben kürzlich einen Auftrag gewonnen – aufgrund der Ernergieeinsparungen, die wir dem Kunden aufzeigen konnten. Dabei handelte es sich um eine Paketausschleusungsanlage eines Logistikunternehmens. Unser Konzept beinhaltete vierzig autarke Motor-Wechselrichter, wobei wir die Zwischenkreise verbunden haben. Alle Antriebe bewegen sich asynchron. Während ein Antrieb beschleunigt, bremst der andere und beide können Energie austauschen. Außerdem haben wir einen Rückspeiseversorger eingesetzt. Damit konnten wir 35% Energieeinsparung nachweisen. So offen wie im Beispiel von Gerhard Kobs scheinen nicht alle Kunden mit der Total Cost of Ownership umzugehen. Wie Ralf Henkel berichtet, entscheidet häufig noch der Anschaffungspreis über die Investition. Ralf Henkel: Für den Maschinenbauer ist häufig noch entscheidend, ob er günstiger oder teurer als sein Wettbewerber ist. Aus diesem Grund werden noch passive Leistungsversorgungsmodule angefragt, obwohl durch die Antriebsbetriebsart ausreichend Potenzial für eine Energierückspeisung und dadurch Kosteneinsparung vorhanden ist. Viele Betreiber entscheiden sich noch für niedrigere Anschaffungskosten und gegen aktive Versorgungsmodule mit Rückspeisefähigkeit, obwohl ihnen dadurch höhere Stromkosten entstehen. Würde sich der Betreiber für die aktive Leistungsversorgung entscheiden, könnte dieser nach nur zwei bis drei Jahren Amortisierungsphase mit jeder weiteren Betriebsstunde Stromkosten sparen. Wer leichter von energieeffizienten Konzepten zu überzeugen ist, fasst Jochen Luik zusammen: Jochen Luik: Da zeigt sich, dass die Maschinen- oder Anlagenbetreiber solchen effizienten Lösungen offener gegenüberstehen als der OEM. Der Maschinenbauer steht immer vor dem Konflikt der Mehrfachverwendung einer Anlage für verschiedene Applikationen. Neben dieser Auslegung muss er auf seine Herstellungskosten achten, um an seinem Maschinenmarkt einen attraktiven Einstiegspreis anbieten zu können. Kai Binder: Inwieweit beeinflussen das Ökogewissen und eigene Vorteile wie z.B. die Kosten die Debatte um die Energieeffizienz? Claus Wieder: Wenn unsere Endkunden dieses Ökoprinzip vertreten, ist es natürlich leichter, effiziente Anlagen zu vertreiben. Dann sind sie offen für neue Konzepte. Wie Dr. Axel Gomeringer vermutet, ist die Bedeutung gewachsen, da die Menschen auch persönlich stärker mit Energieeffizienz konfrontiert werden. Dr. Axel Gomeringer: Wir sind einerseits persönlich davon betroffen und beschäftigen uns andererseits im professionellen Umfeld mit diesem Thema. Ich glaube, dass deshalb auch die Bereitschaft höher ist, das Thema anzunehmen. Dr. Edwin Kiel stützt diese These und ist überzeugt, dass sich effiziente Konzepte im Maschinen- und Anlagenbau durchsetzen werden. Dr. Edwin Kiel: Ich glaube, wir können hier optimistisch sein. Denn das Thema trifft bei den meisten Menschen auf eine positive Grundtendenz. Zeigt man ihnen die entsprechenden Wege auf, wollen sie auch etwas verändern. Auch Jochen Luik kann ihm nur zustimmen, die Kundenberater treffen derzeit auf eine positive Resonanz mit ihren energieeffizienten Konzepten. Jochen Luik: Natürlich stellt sich immer die Frage: Ändere ich ein funktionierendes System, oder führe ich einen Retrofit durch? Aber auf jeden Fall sollten wir die positive Grundstimmung für neue, effiziente Antriebskonzepte nutzen. (afs)
Teil 3 von 3: Effizienz ist mehr als Verbrauch Auslegung und Engineering in der Antriebstechnik
-
Retrofit für die Industrie 4.0
So lassen sich alte Steuerungen wirtschaftlich OPC-UA-fähig machen
Viele Produktionsanlagen arbeiten noch mit Steuerungen, die seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst verrichten. Für Industrie-4.0-Anwendungen müssen diese Systeme jedoch zunehmend in moderne Datenarchitekturen eingebunden werden. Retrofit-Lösungen ermöglichen es,…
-
KI perfektioniert Phishing-Angriffe – von personalisierten Mails bis zu Voice Cloning
Wenn Maschinen Vertrauen imitieren
Die KI generiert nicht nur immer neue Hacker-Tools, sondern verbessert die Glaubwürdigkeit von Phishing Mails durch perfide Tricks. Doch auch die Gegenseite rüstet sich mit KI-Tools gegen digitale…
-
Interview: Wie neue EU-Regularien Maschinenbauer zu sicheren Kommunikationsarchitekturen zwingen
„Cybersecurity ist heute keine Option mehr“
Mit neuen regulatorischen Vorgaben wie dem Cyber Resilience Act steigt der Druck auf Maschinenbauer und Gerätehersteller, Cybersecurity systematisch in ihre Produkte zu integrieren. Gleichzeitig eröffnet eine sichere Kommunikationsinfrastruktur…
-
IO-Link-Safety-Lösungen
Mit der Kombination robuster Sicherheitskomponenten und IO-Link Safety ermöglicht Euchner eine durchgängige, sichere Kommunikation in der Automatisierung – auf dem gesamten Weg von der Steuerung bis zum Sensor…
-
Im Interview: Wie NI und DataTec den europäischen Testmarkt neu denken
Vom Messgerät zur Datenplattform
Beim Besuch von National Instruments bei DataTec tauschten sich Ritu Favre, President Test & Measurement bei Emerson, und Markus Kohler, Vorstand DataTec, über aktuelle Entwicklungen im europäischen Test-…
-
Skalierbare IPC-Plattform
Spectra bietet mit der MD-3000-Serie von Cincoze eine modulare Embedded-Computer-Plattform an, die speziell…
-
ABB Robotics ernennt neuen Cluster-Manager für DACH-Region
ABB Robotics hat Marc-Oliver Nandy zum Cluster-Manager für die DACH-Region ernannt.
-
Für sichere Maschinennetzwerke
Industrial Security-Gateway und Maschinenfirewall
Sichere Maschinennetzwerke werden mit den aktuellen Vorgaben der Europäischen Maschinenverordnung und der IEC62443…
-
Spürbarer Dämpfer in den Bestellungen
Maschinenbau-Auftragseingang im Februar
Der Auftragseingang im Maschinenbau ist im Februar abermals gesunken und die Stimmung der…
-
Für die DACH-Region
Schneider Electric: Neuer Vice President Secure Power
Schneider Electric hat Marco Geiser zum neuen Vice President Secure Power DACH ernannt.
-
Yaskawa strukturiert Führungsspitze in Europa um
Yaskawa hat eine Neustrukturierung der Geschäftsführung in seiner europäischen Zentrale vorgenommen.
-
Ifo-Konjunkturumfrage
Unternehmen planen mit höheren Preisen
Deutlich mehr Unternehmen in Deutschland planen mit höheren Preisen.
-
Ann Fairchild neue CEO
Siemens USA unter neuer Leitung
Siemens hat Ann Fairchild zur neuen Geschäftsführerin von Siemens USA ernannt.
-
IO-Link Safety: Sicherheit vernetzt im Feld
Die Automation ändert sich rasant – sicherheitstechnische Anforderungen ebenso. Mit IO-Link Safety entsteht…
-
Mit integrierter Sicherheitstechnik
MDR-Controller für die Intralogistik
Die IP54-geschützten MDR-Controller EP741x von Beckhoff sind je nach Bedarf mit und ohne…
-
Lebensmittelkonformer Oberflächenschutz
Aluminium-Antriebe
Mit NXD Tuph von Nord Drivesystems können Anwender auch in hygienesensiblen Applikationen von…
-
Für datenintensive Industrieumgebungen
1HE-Rack-PC
Für PXI-Testsysteme, Echtzeitanwendungen und die Industrieautomation sind hohe Datenraten, geringe Latenzen und flexible…
-
Gemeinsam zum vollständig integrierten Automatisierungs-Stack
Salz Automation und Tele vereinbaren Partnerschaft
Salz Automation und Tele Haase Steuergeräte gehen in ihrer Partnerschaft einen entscheidenden Schritt…
-
3D-Druck
Harting eröffnet Zentrum für 3D-Druck
Harting hat in seinem Werk Rahden ein „Center of Competence Additive Manufacturing“ eröffnet.
-
Mikko Soirola
Neuer CEO für Elisa Industriq
Mikko Soirola startet als neuer CEO bei Elisa Industriq.
-
Drehkreuz in Südamerika
Wika eröffnet neues Werk in Brasilien
Wika hat Mitte März ein neues Werk am Standort Boituva in Brasilien eröffnet.
-
Feldbuskoppler
Feldbus und Anzeige konsequent integriert
In Profinet-basierten Anlagen übernimmt das PN220 von Motrona die Funktion eines Feldbuskopplers und…
-
Seit März
Hannover Messe erhält eigenen Geschäftsbereich
Zum 1. März hat die Deutsche Messe einen eigenständigen Geschäftsbereich eingerichtet, der sich…
das könnte sie auch interessieren
-
Miniatur-Sensoren realisieren hohe Reichweiten
So weit, so klein
-
Dank Binnenmarkt
Deutsche Elektroexporte mit Plus auch zum Jahresbeginn
-
















