\’Polymorphie\‘ – was sich für Menschen ohne Kenntnisse der Hochsprachenprogrammierung erst einmal anhört wie eine seltene Erkrankung, ist eine nützliche Eigenschaft der objektorientierten Programmierung. Sie ermöglicht das dynamische Binden von Programmcode. Im ersten Teil der Artikelserie wurde diese Eigenschaft bereits kurz angerissen, deren Nutzen nachfolgend erläutert wird. Liefervarianten einer Maschinenreihe per Interface Ein Applikationsprogrammierer entwickelt ein SPS-Programm, das ohne große Änderungen auf verschiedenen Liefervarianten einer Maschinenserie verwendet werden soll. In allen Varianten werden Antriebe von der SPS angesteuert. Allerdings entscheidet der Endkunde z.B. aufgrund von Leistungsdaten oder Kenntnisstand seines Wartungspersonals, welche Antriebsmodelle letztlich eingesetzt werden. Trotz der Unterschiede verfügen alle Antriebe über Funktionen wie \’HomePosition\‘, \’HasError\‘ oder \’MoveAbsolute\‘. Schreibt der Applikationsprogrammierer sein Programm wie bisher funktional, so muss er für jede Variante der Maschine sämtliche Funktionsaufrufe anpassen, die auf die Antriebe zugreifen. Mit den Möglichkeiten der OOP kann er jedoch Arbeit und Fehlerquellen reduzieren. Dazu definiert er alle einheitlichen Aufruf-Funktionen für die verwendeten Antriebe als Methoden in einem Interface. Das Interface enthält für jede Methode nur dessen Aufrufschnittstelle, also Inputs und Outputs, aber keine lokalen Variablen und keinen Code. Mit spezifischem Programmcode füllen wird der Programmierer die Methoden, wenn er sie in einem Funktionsbaustein mit dem neuen Schlüsselwort Implements einbindet. Der Funktionsbaustein wird damit zur \’Klasse\‘ im Sinne der OOP. Die erforderliche Instanziierung der Funktionsbausteine nimmt der Programmierer typischerweise in einem übergeordneten Baustein vor, der diese Instanzen zentral verwaltet. Dynamisches Binden über ein Array Wie in Bild 1 können mehrere solche Instanzen (\’Objekte\‘) in einem Array zusammengefasst werden. Überraschend dabei: Der Datentyp des Arrays muss nicht mehr BOOL, INT bzw. ein Funktionsbaustein, sondern kann jetzt ein Interface sein – im Beispiel das Interface iDrive. Somit kann das Array faktisch mit ganz unterschiedlichen Inhalten gefüllt werden – je nach instanziiertem Funktionsbaustein. In Bild 1 werden die einzelnen Felder des Arrays gleich bei der Deklaration gefüllt – mit Instanzen unterschiedlicher Funktionsbausteine für die verschiedenen Antriebe. Über das Array kann der Programmierer indiziert per Schleife auf die Methoden in den FB-Instanzen zugreifen. Dabei ist es erst einmal egal, welche Methoden letztlich wirklich aufgerufen werden – die Zuordnung erfolgte über die Füllung des Array. Damit wird der eigentliche Methoden-Aufruf dynamisch gebunden. Verwendet die nächste Maschinenvariante andere Antriebe als die in Bild 1 definierten, so muss der Applikationsprogrammierer im Deklarationsteil des Hauptbausteins nur die verwendeten FB-Instanzen für die neu einzusetzenden Funktionsbausteine deklarieren. Eine Änderung der Methoden-Aufrufe ist nicht mehr erforderlich! Dynamisches Binden über einen Funktionsbaustein Statt die Methoden über ein Array dynamisch aufzurufen, kann der Programmierer auch einen weiteren Funktionsbaustein erstellen. Dieser bekommt als Eingangsparameter ein Interface übergeben. So weiß der FB CheckDriveError in Bild 3, dass er die Methode HasError aufrufen wird. Den gewünschten FB bzw. die Klasse, in der die Methode aufgerufen wird, übergibt der Programmierer als Instanz des Antriebs, z.B. wiederum bei Aufruf aus dem Hauptbaustein. Auch bei dieser Vorgehensweise kann der Programmierer die verwendeten Antriebe zentral an einer Stelle ändern, ohne dass er sämtliche Aufrufe im Projekt mühsam durchforsten muss. Wiederverwenden von Methoden – Vererbung Betrachten wir noch einmal die Funktionsbausteine für die spezifischen Funktionen der Antriebe. Je nach den Antriebseigenschaften muss der Applikationsentwickler alle erforderlichen Methoden einzeln ausprogrammieren. Oftmals haben ähnliche Antriebe vom gleichen Hersteller jedoch identische Basis-Funktionen, z.B. zur Fehlerabfrage oder Homing. Ist das der Fall, so möchte man diese identischen Funktionen auch weiterverwenden. In der OOP wird genau dieser Wunsch durch die Vererbung erfüllt. Dazu legt der Programmierer einen neuen Funktionsbaustein an, der einen bestehenden Baustein (eine \’Basisklasse\‘) mit dem neuen Schlüsselwort Extends erweitert. Dieses neue Objekt verfügt damit sofort über alle Methoden der Basisklasse, ohne dass sie noch einmal im Objektbaum als Kind angezeigt werden. Das Objekt kann seinerseits weitere Interfaces implementieren bzw. eigene Methoden zugewiesen bekommen. Typischerweise werden aber nicht alle Methoden von CANopen_DriveC identisch mit CANopen_DriveA sein. So muss z.B. die Methode \’MoveAbsolute\‘ anders ausgeführt werden. Dazu kann der Applikationsentwickler für CANopen_DriveC die Methode \’MoveAbsolute\‘ anlegen, die ursprünglich bereits durch die Vererbung definiert war, und sie entsprechend ausprogrammieren. Die ursprünglich geerbte Methode wird damit überschrieben und ist für diesen Funktionsbaustein nicht mehr gültig. Geerbten und spezifischen Programmcode kann der Programmierer elegant miteinander verknüpfen: Wie in Bild 4 legt er dazu eine neue Methode an und überschreibt damit die geerbte. Im Programmcode der neuen Methode ruft er aber mit dem Befehl Super^.MoveAbsolute(); zunächst einmal den Code der überschriebenen Methode auf. Anschließend erweitert er die Abarbeitung um den spezifischen Programmcode. Fazit Diese einfachen Beispiele machen deutlich: Die OOP ist nützlich, um Applikationssoftware modular und wiederverwendbar zu gestalten. Das gilt für die Programmierung in Hochsprachen genauso wie für die Programmierung von Steuerungen in der Automatisierungstechnik. Automatisierer können mit CoDeSys ihre SPS-Applikationen heute schon objektorientiert in IEC61131-3 programmieren – wenn sie das wollen. Es bleiben jedoch Fragen: Wie kann man Daten und Funktionen so kapseln, dass sie nicht versehentlich verändert werden? Wie kann man den Code im Rumpf eines Funktionsbausteins innerhalb einer Methode verwenden? Fortsetzung folgt.
Von der OOP in der IEC61131-3 profitieren
-
Automatica findet 2027 erstmals in China statt
Die Automatica, die Leitmesse für intelligente Automation und Robotik, wird vom 8. bis 10. März 2027 erstmals in China im Shanghai New International Expo Centre(SNIEC) stattfinden.
-
Modularer Differenzdrucksensor
Der Sensor MUDS von Müller ist zur Erfassung von Differenzdrücken in flüssigen und gasförmigen Medien ausgelegt.
-
… RFID bei Turck?
Vor zehn Jahren präsentierte Turck in der Titelstory des SPS-MAGAZINs einen wegweisenden Ansatz: RFID-Lösungen direkt ins Feld zu bringen, Daten dezentral vorzuverarbeiten und ohne zusätzlichen Aufwand an ERP-,…
-
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die…
-
MX-System: Goodbye Schaltschrank
Mit dem MX-System hat Beckhoff einen Systembaukasten entwickelt, der dem Schaltschrank konstruktiv überlegen ist. Das MX-System ermöglicht die schaltschranklose Automatisierung von Maschinen und Anlagen und eröffnet so neue…
-
Mobiler Flugzeugsimulator ermöglicht realistische Trainingseinsätze direkt am Flughafen
Realistische Feuerwehr-Simulation steigert Sicherheit am Flughafen
Das Unternehmen Fire Go setzt auf Automatisierungslösungen von Mitsubishi Electric zur Steuerung ihrer mobilen Flugzeugbrandsimulatoren. Mit dieser Technologie schafft der deutsche Hersteller eine Umgebung für realistische Brandschutzübungen für…
-
Automationsbaukasten beschleunigt die Entwicklung additiver Fertigungsanlagen bei SBI
Vier Monate bis zur Serienmaschine
In wenigen Monaten zur erfolgreichen Gesamtmaschinen-Automation: SBI, Spezialist für Plasmaschweißen, realisiert auf dieser Basis auch Anlagen für die additive Fertigung von Metallteilen. Für die Maschinenautomatisierung nutzt das Unternehmen…
-
Anzeige
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei…
-
Aimtec beruft Bohuslav Dohnal in den Aufsichtsrat
Das Pilsener Technologie- und Beratungsunternehmen Aimtec hat mit Bohuslav Dohnal ein neues Mitglied…
-
All About Automation Friedrichshafen mit Besucher- und Ausstellerzuwachs von 20%
Persönliche Gespräche, kurze Wege, konkrete Lösungen und eine gute Messeatmosphäre prägten die All…
-
Anzeige
MX-System: Goodbye Schaltschrank
Mit dem MX-System hat Beckhoff einen Systembaukasten entwickelt, der dem Schaltschrank konstruktiv überlegen…
-
Elektro- und Digitalindustrie: Stabiler Start ins Jahr 2026
Mit Beginn des laufenden Jahres hat sich das Auftragswachstum in der deutschen Elektro-…
-
Präzise Positionieren
Wenn Anwendungen sicher stillstehen, exakt anlaufen und dauerhaft zuverlässig arbeiten sollen, zählt jeder…
-
Temperatursensoren für die Elektromobilität
Delta-R hat sich auf die Entwicklung und Fertigung kundenspezifischer Temperatursensoren spezialisiert und produziert…
-
Teststation mit 3D-Scanning-Laservibrometern
Mit RoboVib Bench präsentiert Polytec eine optische Teststation, die die experimentelle Modalanalyse von…
-
Optische Sensoren im Miniformat
Mit den Modellen OTQ80470, OTQ80475 und OTQ80477 erweitert IPF sein Portfolio optischer Sensoren…
-
Robuster Durchflusssensor mit IO-Link
Turck ergänzt seine Fluidsensor-Serie FS+ um den Durchflusssensor FS501.
-
Glasfaser-Steckverbinder für präzise Feldterminierungen
Panduit stellt mit OmniSplice eine neue Generation fusionsgespleißter Glasfaser-Steckverbinder vor, die u.a. in…
-
de Jonge zeigt Inline-KI EdgeBrain auf der Hannover Messe 2026
Retrofit ohne Stillstand: KI direkt im Datenpfad
De Jonge präsentiert auf der Hannover Messe 2026 (Halle 11, Stand B41) sein…
-
Pyrometer-Serie erweitert
Optris kündigt die Erweiterung ihres CTi-Pyrometer-Portfolios mit der Einführung der neuen Modelle CTi…
-
Intelligente Mehrkomponentenaufnehmer
Um den Umgang mit immer komplexer werdenden Systemen zu erleichtern, arbeitet GTM daran,…
-
Bosch Rexroth zeigt Batterierecycling im Application Park der Hannover Messe 2026
Vernetzte Wertschöpfungskette von der Zelle bis zum Recycling
Bosch Rexroth präsentiert auf der Hannover Messe 2026 (Halle 26, Application Park –…
-
iTac zeigt KI-basierte Entscheidungsintelligenz auf der Hannover Messe 2026
KI bringt Entscheidungsintelligenz in die Fabrik
iTAC Software präsentiert auf der Hannover Messe 2026 (Halle 15, Stand E18) KI-gestützte…
-
German Edge Cloud zeigt KI-Assistenz für Industrial Engineering auf der Hannover Messe 2026
Wissen sichern und Entscheidungen beschleunigen
German Edge Cloud präsentiert auf der Hannover Messe 2026 (Halle 16, Stand A16)…





















