In zyklisch verlaufenden Systemen wie der Wirtschaft sind Vorhersagen eigentlich ganz einfach. Auf Krise folgt Boom, auf Boom folgt Krise – variiert von Phasen der Stagnation. Wenn man sich so umschaut, ist die Lage eindeutig: Es boomt. Nach der Regel \’auf Boom folgt Krise\‘ ist schon klar, was als nächstes passiert… Noch ist davon allerdings nichts in Sicht. Offensichtlich können hohe Rohstoffpreise – allen voran der hohe Ölpreis – der exportfeindliche Wechselkurs gegenüber dem Dollar oder die amerikanische Immobilienkrise der robusten Konjunktur nichts anhaben. Der Auftragseingang im deutschen Maschinen- und Anlagenbau lag aktuell für den Monat August um real 14% über dem Ergebnis des Vorjahres. Das Inlandsgeschäft stieg um sieben Prozent. Bei der Auslandsnachfrage gab es ein Plus von 18% im Vergleich zum Vorjahresniveau. Und das ist durchaus kein statistischer Ausreißer: In dem von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflussten Dreimonatsvergleich Juni bis August 2007 ergibt sich insgesamt ein Zuwachs von 17% im Vorjahresvergleich, bei den Inlandsaufträgen ein Plus von zwölf Prozent und bei den Auslandsaufträgen ein Plus von 20%. Für die ersten acht Monate – also Januar bis August 2007 – ergibt sich beim Auftragseingang insgesamt ein Plus von 18%. Die Inlandsorders wuchsen in den ersten acht Monaten um 15%, die Bestellungen aus dem Ausland um 19%. Das war vor nicht allzu langer Zeit noch ganz anders: Vor ziemlich genau fünf Jahren titelten wir hier an gleicher Stelle: \“Lage besser als Stimmung\“ und konstatierten, dass es vielen Unternehmen auf hohem Niveau schlecht ginge, sich die Hersteller jedoch schon wieder auf die Zeit nach der Krise vorbereiteten. Den Luxus des Fachkräftemangels, den wir uns derzeit leisten, mag uns heute im Wachstum etwas beeinträchtigen. In Zeiten der Krise wird er uns hingegen teuer zu stehen kommen, denn wenn man aus der letzten Krise etwas gelernt haben könnte, dann doch, dass die Innovationen im Maschinen- und Anlagenbau deutsche Produkte zu den erfolgreichsten im globalen Wettbewerb gemacht haben und damit Schlimmeres verhindert werden konnte. Die rückläufige Zahl der Studienanfänger insbesondere in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen ist ein alarmierendes Signal. Und schon 2005 ging es dort bergab. -Informatik: -5,0% (Männer -6,1% /Frauen +0,1%) -Maschinenbau/Verfahrenstechnik: -7,5% (Männer -6,2% /Frauen -13,6%) -Elektrotechnik: -15,1% (Männer -15,1% /Frauen -15,3%) -Bauingenieurwesen: -5,2% (Männer -7,2% /Frauen +0,9%) (Stand: Nov. 06, Quelle: Statistisches Bundesamt) Hier muss dringend gegengesteuert werden. Viele Automatisierungsfirmen beteiligen sich an Initiativen der Verbände oder haben eigene Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten. Die Breitenwirkung fehlt aber noch. Der ZVEI hat daher die Nachwuchsinitiative \’Superstudium\‘ (www.superstudium.de) aufgelegt, die das Interesse der jungen Leute schon in einem sehr frühen Stadium auf die technischen Studiengänge richten soll. Dabei ist der Verband auf Unterstützung angewiesen. Unternehmen können Patenschaften für Wettbewerbe übernehmen, Praktikumsstellen zur Verfügung stellen und die Arbeitswelt der technischen Berufe in Schulen vorstellen. Die nächste Krise kommt. Die Frage ist dabei allerdings nicht nur, wann sie kommt, sondern auch, wie gut wir darauf vorbereitet sind. Viel Spaß beim Lesen der vorliegenden Ausgabe wünscht
Wirtschaftsboom und Bildungskrise
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