Losyco setzt auf industrielle 5G-Alternative mit latenzfreiem Roaming

Bild1 Losyco Bullipark Rendering

Für die Produktionslinie des Automobilherstellers setzte Losyco auf Rail-Guided Vehicles (RGVs), die auf Schienen die Fahrzeuge Takt für Takt durch die einzelnen Fertigungsschritte bewegen. Dabei müssen nicht nur Steuerungs- und Sensordaten, sondern auch sicherheitsrelevante Informationen (Profisafe) in Echtzeit übertragen werden. Da sich die RGVs ihren Arbeitsbereich mit Menschen teilen, sieht das Safety-Konzept einen zentralen Nothalt aller Fahrzeuge innerhalb von 200ms vor – eine echte Herausforderung für jedes Funksystem.

 RGV mit integriertem BlitzFunk Client.
RGV mit integriertem BlitzFunk Client.Bild: fünfeinhalb Funksysteme GmbH

Warum klassisches WLAN versagt

„Normales WLAN ist dafür nicht gemacht“, sagt Jochen Heidbrink, Projektleiter bei Losyco. „Safety-Daten müssen immer rechtzeitig ankommen – sonst steht die Produktion, und Mitarbeiter müssen manuell quittieren. Das gilt es unbedingt zu vermeiden.“ Bei bisherigen Systemen kam es immer wieder zu Stillständen, vor allem beim Roaming – unvermeidlich auf großen Fertigungsflächen. Klassisches WLAN bindet jeden Client an genau einen Access Point. Verlässt er dessen Reichweite, muss die Verbindung getrennt und mit dem nächsten Access Point neu aufgebaut werden. „Manche Hersteller haben diesen Prozess verbessert, aber kurze Aussetzer bleiben – und das war für uns nicht akzeptabel“, so Heidbrink. Um solche Probleme zu umgehen, werden normalerweise aufwändige Funkplanungen durchgeführt, um Übergänge zwischen Access Points zu minimieren. Oft kommen auch Leckwellenleiter zum Einsatz – spezielle, strahlende Kabel entlang der Strecke. Das bedeutet jedoch zusätzliche Bodenarbeiten, hohe Kosten und Zeitaufwand.

 Die RGVs stehen in den Fertigungstakten und werden über BlitzFunk gesteuert. Ehemals herausfordernde Ausbreitungsbedingungen (Lichttunnel) stellen kein Problem mehr dar.
Die RGVs stehen in den Fertigungstakten und werden über BlitzFunk gesteuert. Ehemals herausfordernde Ausbreitungsbedingungen (Lichttunnel) stellen kein Problem mehr dar.Bild: fünfeinhalb Funksysteme GmbH

Echtzeit-WLAN für OT: Latenzfreies Roaming ohne Unterbrechung

Das Echtzeit-WLAN BlitzFunk der Dresdner Fünfeinhalb Funksysteme arbeitet grundlegend anders als herkömmliche WLANs. Die Access Points koordinieren sich selbstständig und ermöglichen so ein vollständig latenzfreies Roaming – ohne Verbindungsabbrüche und ohne aufwändige Funknetzplanung. Da das Roaming in diesem System keinerlei negative Auswirkungen hat, sind Überlappungen zwischen Access Points kein Problem. BlitzFunk überträgt Daten mit garantierter, vorhersehbarer Verzögerung im ms-Bereich – auch bei zahlreichen mobilen Teilnehmern. Die maximale Einweglatenz liegt bei nur 4ms, für jedes weitere Gerät kommen 2ms hinzu. Diese Zusage gilt ausdrücklich auch beim Roaming, was den zuverlässigen Echtzeitbetrieb selbst hochdynamischer Fertigungssysteme ermöglicht.

„Nachdem wir im November 2024 auf Fünfeinhalb aufmerksam geworden sind, dauerte es keine 24 Stunden bis zur ersten Projektbesprechung und keine sechs Tage, bis die Funkprofis beim Kunden vor Ort waren“, erinnert sich Heidbrink. „Die Lösung wurde eindrucksvoll demonstriert, alle Fragen fundiert beantwortet – besser hätte es nicht laufen können.“ Losyco konnte die Leihgeräte kostenfrei für eigene Tests behalten – inklusive vertraglich zugesicherter Funktionsgarantie: Innerhalb eines Jahres wäre sogar eine Rückabwicklung möglich gewesen. „Ein solches Commitment habe ich bislang noch nie erlebt“, so Heidbrink. „Andere Anbieter wiesen darauf hin, dass Unterbrechungen nie ganz auszuschließen seien – was bei uns bedeutet hätte, die Not-Aus-Verkettung zu deaktivieren oder die RGVs eigensicher auszulegen. Allein das hätte über 30.000 Euro pro Plattform gekostet.“

 BlitzFunk Client.
BlitzFunk Client.Bild: fünfeinhalb Funksysteme GmbH

Ausfallsicherheit in anspruchsvollen Industrie-Umgebungen

In der Fertigungslinie des Automobilherstellers stellen ein Lichttunnel mit zahlreichen Stahlelementen und ein Schallschutzraum besondere Herausforderungen an jedes Funksystem. Während der Produktion öffnen und schließen sich die Tore im Sekundentakt – äußerst schwierige Bedingungen für klassisches WLAN. Für BlitzFunk hingegen kein Problem: Das System kombiniert mehrere Frequenzen und Antennen, um selbst unter schwierigen Bedingungen stabile Verbindungen zu gewährleisten. Das latenzfreie Roaming ermöglicht eine beliebig dichte Platzierung von Access Points, sodass selbst beim Ausfall eines Access Points die Kommunikation nicht unterbrochen wird.

 Produktionslinie der 
mobilen Plattformen/RGVs.
Produktionslinie der mobilen Plattformen/RGVs.Bild: Losyco

Schnelle Installation ohne Funkfeldplanung

Entlang der Produktionslinie installierte Losyco zwölf Access Points – ganz ohne aufwändige Funkfeldplanung oder Simulationen. Statt komplizierter Messkampagnen reichte es, die Access Points an möglichst unverdeckten Positionen zu montieren und metallische Abschirmungen zu vermeiden. Das Ergebnis: Eine garantierte Einweglatenz von nur 48ms – selbst wenn alle 23 Plattformen gleichzeitig Daten übertragen und sich zwischen den Access Points bewegen. „In unseren Tests reichten bereits acht Access Points für eine lückenlose Abdeckung“, berichtet Jochen Heidbrink. „Für maximale Ausfallsicherheit haben wir schließlich zwölf installiert, um kritische Bereiche wie den Lichttunnel und den Schallschutzraum noch besser auszuleuchten.“ Für die Installation hatten die Projektpartner ursprünglich zwei Tage eingeplant – basierend auf früheren Erfahrungen mit anderen Systemen. „Am Ende war BlitzFunk nach zwei Stunden in der gesamten Halle betriebsbereit. Den Rest der Zeit nutzten wir für Tests“, so Heidbrink. „Rückblickend hätten wir die Installation sogar selbst übernehmen können.“

Höchste Sicherheit und volle Kontrolle

Bereits kurz nach der Installation konnte Losyco mit dem neuen Funknetz produktiv arbeiten. Selbst das testweise Abschalten einzelner Access Points hatte erst nach dem vierten von zwölf Geräten Auswirkungen auf die Kommunikation. Als weiterer Test wurde die Datenmenge pro Nachricht um den Faktor 4 auf über 500Byte erhöht, was ebenfalls problemlos funktionierte. „Dass das System so reibungslos läuft, ist großartig – aber noch wichtiger ist, dass wir so viel Leistungsreserve haben. Das lässt uns ruhig schlafen“, sagt Jochen Heidbrink. Ein weiteres Plus ist das integrierte Monitoring: Es ermöglicht, das Funksystem bei eventuellen Störungen eindeutig als Ursache zu identifizieren oder auszuschließen – etwa bei Überlastung. Auch in puncto IT-Sicherheit überzeugt BlitzFunk mit geräteindividueller, quantensicherer Verschlüsselung und Authentifizierung.

Für Losyco bedeutet das: ein stabiles Funksystem mit garantierter Performance, hoher Frequenzvielfalt und einfacher Integration. Es verhält sich wie ein verteilter Ethernet-Switch und arbeitet Plug&Play mit allen Ethernet-basierten Protokollen. Trotz der proprietären Funkschnittstelle bleibt das System offen – ein Umstieg auf ein anderes WLAN wäre prinzipiell möglich. „Die Option, im Bedarfsfall auf einen anderen Hersteller wechseln zu können, hat uns die Entscheidung leicht gemacht“, erklärt Heidbrink. „Und mit Fünfeinhalb haben wir zudem einen Partner aus Deutschland, schnell erreichbar, verlässlich und im gleichen Rechts- und Kulturraum. Das hat das Vertrauen zusätzlich gestärkt.“

Premium-Hardware: Preiswerter als gedacht

Für die Fertigungsstraße bei dem Automobilhersteller wurden zwölf Access Points und 23 Clients installiert. Die PoE-fähigen Access Points sind über zwei Gigabit-Switches angebunden – Supportkosten fielen keine an. Zwar liegt BlitzFunk preislich im oberen Segment, vergleichbar mit Enterprise-Infrastrukturen, doch unterm Strich erwies sich das System als überraschend wirtschaftlich. „Die Komponenten anderer Anbieter waren zwar nur etwa halb so teuer“, erklärt Heidbrink, „doch durch den Wegfall von Bodenarbeiten, Funkfeldplanung und aufwändiger Inbetriebnahme kostete das BlitzFunk-Netzwerk insgesamt nur rund ein Drittel des nächstgünstigeren Angebots. Gegenüber eigensicheren Plattformen konnten wir sogar über 80 Prozent einsparen.“ Hinzu kommt die Alltagstauglichkeit: „In keinem anderen Projekt hat uns das WLAN so wenig Kopfzerbrechen bereitet. Mein Gefühl für mögliche Folgekosten während des Betriebs war noch nie so positiv“, so Heidbrink weiter.

Fazit und Ausblick

Mit BlitzFunk hat Losyco ein Funksystem für seine Schienenfördertechnik gefunden, das ohne aufwändige Funkfeldplanung oder langwierige Nachbesserungen sowohl Steuer- als auch Safety-Daten zuverlässig und zeitgenau überträgt – selbst unter schwierigen Roaming-Bedingungen. Die Inbetriebnahme verlief schnell, unkompliziert und kosteneffizient. Die Architektur ist einfach skalierbar und damit bestens geeignet für zukünftige, größere Projekte. „Wir sind mit der Zusammenarbeit so zufrieden, dass BlitzFunk künftig unser Standard für Intralogistiklösungen werden soll“, betont Heidbrink. „Ich wünsche mir, dass sich Fünfeinhalb Funksysteme schnell im Markt etabliert – damit viele Kunden schnell Vertrauen gewinnen. Ich bin überzeugt: Diese Lösung wird langfristig Bestand haben.“