Warum Offenheit die Automatisierung neu schreibt

 Phoenix Contact setzt mit PLCnext Technology auf vollständige Transparenz. Die Basis bildet das eigene, echtzeitfähige Linux-System.
Phoenix Contact setzt mit PLCnext Technology auf vollständige Transparenz. Die Basis bildet das eigene, echtzeitfähige Linux-System.Titelbild-Sponsor: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Was steckt hinter PLCnext Technology – einer Plattform, die in wenigen Jahren vom Newcomer zur Basis zahlreicher Automatisierungslösungen wurde? „Wir sprechen nicht mehr von einer Steuerung – wir sprechen von einem Ökosystem“, stellt Dr. Tobias Frank, Vice President Automation Systems bei Phoenix Contact, gleich zu Beginn klar: Die Steuerung der Zukunft muss mehr können als nur Echtzeit-Logik abbilden. Sie muss offen sein für neue Programmiersprachen, skalierbar über verschiedene Hardware-Generationen hinweg, anschlussfähig an IT-Systeme und gleichzeitig robust für industrielle Dauerbelastung. „Wir haben die PLCnext Technology als offenes Automatisierungssystem von Grund auf neu gedacht“, so Frank. Gemeint ist ein völlig neues Systemverständnis: weg vom isolierten SPS-Gerät, hin zu einem modularen Ökosystem, das Steuerungstechnik, Engineering-Software, App-Store und eine wachsende Entwickler-Community vereint. Alles mit dem Ziel, Automatisierung technisch flexibler, zugänglicher und zukunftssicherer zu machen. „Wir haben ein eigenes Linux aufgesetzt mit Echtzeiterweiterung und eigene Laufzeitumgebungen geschaffen“, erläutert Frank dazu.

Wichtig war von Beginn an, die klassische Automatisierung nicht über Bord zu werfen. PLCnext Technology unterstützt weiterhin IEC-61131-konforme Programmierung, ist aber gleichzeitig offen für Hochsprachen wie C++, C#, Python oder Matlab/Simulink. „So schlagen wir eine Brücke zwischen klassischer SPS-Welt und moderner IT-Logik“, erklärt Frank. Und das nicht nur für den Programmierer, sondern für ganze Teams, die heute interdisziplinär arbeiten – vom Mechatroniker bis zum Cloud-Architekten. Ziel war es also, Offenheit zu schaffen – technologisch wie strukturell. Statt eines geschlossenen Systems setzt Phoenix Contact auf vollständige Transparenz: Offenlegung von Schnittstellen, Quellcode-Zugriff für Partner, offene APIs und einen App Store für Automatisierungssoftware.

Neue Partnerstrukturen: Entwicklungsoffenheit schafft Wettbewerb

Heute sind in der Industrie Alleingänge keine Option mehr – das zeigen Kooperationen wie die mit Yaskawa und Festo. Ein Beispiel dieser Offenheit ist die Zusammenarbeit mit Yaskawa. Der Spezialist für Antriebstechnik und Robotik war einer der ersten Industriepartner, der PLCnext Technology als Basis für seine Steuerungsplattform nutzte. „Wir standen vor der Frage: Wie soll unsere nächste Steuerungsplattform aussehen?“, erinnert sich Tobias Unger, General Manager European Technology Center. „Nach intensiver Evaluierung fiel die Entscheidung auf PLCnext Technology – weil wir hier Zugriff auf jeden Aspekt der Technologie erhalten. Es war ein bewusster Schritt Richtung Co-Creation. Wir sind Partner. Wir entwickeln mit, gestalten mit, bringen unsere Motion- und Safety-Kompetenz ein.“ Dabei war der Maßstab hoch. Yaskawa betreibt komplexe Motion-Control-Anwendungen, darunter auch funktionale Sicherheit (FSoE) über Ethercat. „Wir mussten sicherstellen, dass PLCnext Technology diesen Anforderungen gerecht wird – und das hat es“, so Unger und fasst zusammen: „Wir erleben eine neue Form der Kooperation. Offen, transparent, zielgerichtet. Das war vor zehn Jahren in unserer Branche undenkbar.“

 Die Redaktion des SPS-MAGAZINs unterhält sich mit Tobias Unger von Yaskawa, Dr. Tobias Frank von Phoenix Contact und Helmut Deichert von Festo über die Zusammenarbeit der Unternehmen, die die PLCnext Technologie von Phoenix Contact nutzen und welche Vorteile das bringt (v.l.n.r.).
Die Redaktion des SPS-MAGAZINs unterhält sich mit Tobias Unger von Yaskawa, Dr. Tobias Frank von Phoenix Contact und Helmut Deichert von Festo über die Zusammenarbeit der Unternehmen, die die PLCnext Technologie von Phoenix Contact nutzen und welche Vorteile das bringt (v.l.n.r.).Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Kundenzentrierung durch Technologieoffenheit

Auch Festo setzt auf die offene Plattform – aus einem ganz klaren Grund: Der Markt verlangt es. „Unsere Kunden fordern heute Offenheit. Das hören wir auf Messen, in Gesprächen, in Projekten“, betont Helmut Deichert, Head of Product Line Controls. „Sie wollen Hardware kombinieren, eigene Software nutzen, bestehende Engineering-Umgebungen weiterverwenden – und trotzdem alles sicher und echtzeitfähig betreiben.“ Das Unternehmen nutzt die Plattform für seinen CEPE Edge Controller. „Das ist ein PC-basiertes Steuerungssystem mit Ethercat und eigener Runtime. Doch das ist erst der Anfang – weitere Geräte werden folgen.“ Zugleich bringt Festo seine Expertise in das Gesamt-Ökosystem ein: „Wir arbeiten aktiv in den Roadmaps mit, gestalten Prioritäten mit, bringen Anforderungen ein. Und das funktioniert, weil die Plattform offen ist – und das auch gelebt wird.“

Tobias Unger, Yaskawa:
"PLCnext trägt unsere anspruchsvollsten Anwendungen."
Tobias Unger, Yaskawa: „PLCnext trägt unsere anspruchsvollsten Anwendungen.“Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Technische Architektur: Modular, sicher, zukunftsfähig

Die technische Architektur von PLCnext Technology ist so ausgelegt, dass klassische Automatisierungsanforderungen ebenso abgedeckt werden wie moderne Softwarebedürfnisse. „Wir sprechen oft vom Lego-Baukasten“, sagt Frank. „Je nach Anwendung kann der Anwender aus bestehenden Modulen neue Lösungen bauen – schnell, effizient und zukunftssicher.“ Die Basis bildet das eigene, echtzeitfähige Linux-System. Darauf laufen verschiedene Laufzeitumgebungen parallel. Ein zentrales Variablenmodell sorgt dafür, dass alle Tasks synchron auf Prozessdaten zugreifen können. „Damit sind wir in der Lage, klassische Steuerungslogik mit KI-Algorithmen, Bildverarbeitung oder Datenanalyse zu kombinieren – ohne Systembrüche“, erklärt Frank. Auch Kommunikationsprotokolle wie OPC UA, MQTT, Profinet, Ethercat oder REST lassen sich modular integrieren. Ein Highlight: Die Plattform unterstützt Docker-Container. So können Anwender eigene Softwaremodule kapseln und auf der Steuerung betreiben.

Containerisierung und Virtualisierung: Steuerung ohne Grenzen

Ein bedeutender Entwicklungsschritt war die Virtualisierung der PLCnext Control. Damit lässt sich die Laufzeitumgebung nicht nur auf dedizierter Phoenix Contact-Hardware nutzen, sondern auch als Softwarelösung auf IPCs, Edge-Devices oder Servern installieren – containerisiert und lizenzierbar. Für Festo und Yaskawa ist diese Virtualisierung ein Gamechanger – vor allem im Kontext von Edge-Computing, Datenanalyse und KI. „Wir können Edge-Algorithmen lokal ausführen, Daten vorverarbeiten und gezielt an die Cloud übergeben“, so Deichert. „Das eröffnet völlig neue Anwendungsmöglichkeiten.“

Ein entscheidendes Kriterium für die Akzeptanz der Plattform war die Fähigkeit, harte Echtzeitanforderungen und Safety-Konzepte zu erfüllen. Und das auf einer offenen, Linux-basierten Plattform – ein Widerspruch? Offenbar nicht. „Wir haben gemeinsam mit Yaskawa ein vollständiges System aufgebaut: Ethercat, FSoE, Motion Control, Safety-Funktionen – alles integriert in die PLCnext-Plattform“, berichtet Frank. Die Ergebnisse wurden getestet, zertifiziert und in reale Anwendungen überführt. „Für uns war das ein Lackmustest“, sagt Unger. „Wenn wir PLCnext Technology als Plattform nutzen, muss sie auch unsere anspruchsvollsten Anwendungen tragen – und das tut sie.“ Auch Deichert bestätigt: „Echtzeit war für uns eine der kritischen Funktionen – und sie wurde erfolgreich implementiert. Gemeinsam, auf Augenhöhe, mit beidseitigem Vertrauen.“

Der PLCnext Store: Innovation und Monetarisierung

Dr. Tobias Frank, Phoenix Contact: 
"Offenheit ist kein Feature - sie ist unser Architekturprinzip."3c
Dr. Tobias Frank, Phoenix Contact:
„Offenheit ist kein Feature – sie ist unser Architekturprinzip. – Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Ein integraler Bestandteil des Ökosystems ist der PLCnext Store – ein offener Marktplatz für industrielle Software. Dort finden Anwender Apps, Tools, Bibliotheken, Visualisierungspakete oder KI-Modelle – bereit zur Installation auf kompatiblen Geräten im Engineering-Tool oder auf einem PC. „Der Store ist für uns mehr als ein Distributionskanal – er ist ein Ort der Zusammenarbeit“, betont Frank. Drittanbieter können eigene Anwendungen veröffentlichen, Partnerfirmen ihre Software monetarisieren, Kunden auf geprüfte Funktionalitäten zugreifen. „Wir planen, unser Festo AX Motion Insights Tool dort bereitzustellen“, sagt Deichert. „Damit können Kunden Anlagen analysieren, Anomalien erkennen und vorausschauende Wartung umsetzen – ohne eigene Entwicklung.“ Yaskawa verfolgt eine ähnliche Strategie: „Wir sehen großes Potenzial, unser Motion-Knowhow über den Store zu skalieren – und gleichzeitig Zugang zu neuen Kunden zu erhalten.“

Cybersecurity: Sicherheit gemeinsam denken

Mit zunehmender Vernetzung steigt der Handlungsdruck in puncto Cybersicherheit. Phoenix Contact verfolgt daher seit Jahren einen strukturierten Security-by-Design-Ansatz – zertifiziert nach IEC 62443-4-1. „Security ist nicht verhandelbar“, stellt Frank klar. „Und sie ist teuer, aufwendig und komplex – deshalb ist es sinnvoll, dass wir unser Knowhow teilen.“ „Der Cyber Resilience Act wird alle treffen – Hardwarehersteller, Softwareentwickler, Integratoren. Wer da allein unterwegs ist, verliert Zeit und Ressourcen“, so Deichert. Unger stimmt zu: „Kooperation in der Security ist keine Schwäche – sie ist eine Stärke. Und die PLCnext-Plattform lebt genau das.“

Die Community: Innovationsmotor und Talentmagnet

Ein weiteres Element des PLCnext-Ansatzes ist die aktive Entwickler-Community. Von Beginn an hat Phoenix Contact darauf gesetzt, die Plattform nicht nur technisch, sondern auch kulturell offen zu gestalten. „Wir wollten keine Blackbox liefern – sondern ein System, das von außen mitgestaltet wird“, so Frank. Diese Offenheit zeigt sich unter anderem in der PLCnext Community, die inzwischen über mehrere tausend Mitglieder weltweit zählt. „Wir sehen, dass dort echte Innovation passiert“, sagt Deichert. „Start-ups, Forschungsinstitute, Anwender – sie alle bringen Ideen ein, die die Plattform erweitern.“ Für Yaskawa ist die Community auch ein Weg, neue Talente zu erschließen: „Wer heute in der Softwareentwicklung arbeitet, erwartet offene Systeme, moderne Tools und Teilhabe. Genau das bietet PLCnext Technology“, stellt Unger zufrieden fest.

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Helmut Deichert, Festo: „Offene Plattformen bündeln Kräfte
und beschleunigen Innovation.
– Bild: Phoenix Contact Deutschland GmbH

Auf der kommenden SPS-Messe in Nürnberg wollen die Partner ihre gemeinsame Vision greifbar machen. „Wir präsentieren nicht nur Produkte, sondern zeigen, wie sich mit PLCnext Technology neue Lösungsansätze umsetzen lassen“, kündigt Frank an. Auch Yaskawa und Festo setzen auf Lösungen statt Einzelkomponenten. Ob Kinematik, Robotik oder intelligentes Motion Sizing – immer steht der konkrete Kundennutzen im Vordergrund.

Zukunftsperspektive: Warum Offenheit gewinnt

Alle Gesprächspartner sind überzeugt: Die Zukunft gehört den offenen Plattformen. „Time to Market, technische Skalierbarkeit, Erweiterbarkeit – das sind heute zentrale Erfolgsfaktoren“, so Unger. „Und die erreicht man nur mit Offenheit.“ Deichert ergänzt: „Die Zukunftsthemen KI, IT/OT-Konvergenz, TSN – niemand kann alles selbst abdecken. Offene Plattformen bündeln Kräfte und beschleunigen die Innovation.“ Und Frank bringt es auf den Punkt: „Offenheit aus Anwendersicht heißt: bessere und schnellere Lösungen. Aus Herstellersicht: neue Geschäftsmodelle, Wachstum und Wettbewerb.“

Damit steht PLCnext Technology exemplarisch für den Wandel der Branche: Vom Anbieterdenken zum digitalen Ökosystem. Vom Produkt zur Partnerschaft. Vom Steuergerät zum Plattformansatz.