Wie erneuerbare Energien die Kabelproduktion dekarbonisieren

 Nachhaltige Kabelproduktion: 
Effizientere Prozesse und 
erneuerbare Energien sind zentrale Hebel, um Energieverbrauch und 
CO2-Emissionen zu senken.
Nachhaltige Kabelproduktion: Effizientere Prozesse und erneuerbare Energien sind zentrale Hebel, um Energieverbrauch und CO2-Emissionen zu senken. – Bild: TeDo Verlag GmbH (KI-generiert)

Die Herstellung von Kabeln ist ein essenzieller Bestandteil moderner Infrastruktur. Insbesondere der weltweite Ausbau erneuerbarer Energien und der dafür erforderlichen Stromnetze lässt den Bedarf an leistungsfähigen Kabeln steigen. Gleichzeitig ist ihre Herstellung energieintensiv. Über die gesamte Produktionskette hinweg werden für die Herstellung eines typischen Kabels etwa 10 bis 30kWh Energie pro Meter benötigt. Ein großer Anteil davon entfällt auf vorgelagerte Prozesse wie die Gewinnung und Verarbeitung der benötigten Rohstoffe, beispielsweise Kupfer oder Aluminium.

Daraus ergibt sich eine Diskrepanz: Einerseits sind Kabel unverzichtbar für den Ausbau erneuerbarer Energien, andererseits verursacht ihre Herstellung selbst erhebliche CO2-Emissionen. Steigende und volatile Energiepreise, regulatorische Anforderungen zur Dekarbonisierung sowie die wachsende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten erhöhen zusätzlich den Handlungsdruck. Kabelhersteller stehen damit vor der Aufgabe, ihre energieintensive Produktion nachhaltiger zu gestalten, ohne Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit zu gefährden.

 Doppelte Rolle: Kabel sind ein wichtiger Bestandteil von Windenergieanlagen - zugleich stellt ihre energieintensive Herstellung die Kabelindustrie vor die Aufgabe, die eigene Produktion nachhaltiger zu gestalten.
Doppelte Rolle: Kabel sind ein wichtiger Bestandteil von Windenergieanlagen – zugleich stellt ihre energieintensive Herstellung die Kabelindustrie vor die Aufgabe, die eigene Produktion nachhaltiger zu gestalten. – Bild: HEW-Kabel GmbH / Habia Cable

Effizienz und erneuerbare Energien

Eine nachhaltige Weiterentwicklung der Kabelproduktion erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die Reduktion des Energieverbrauchs als auch die Umstellung der Energieversorgung umfasst. Im Fokus steht dabei die gesamte Wertschöpfungskette – von der Rohstoffverarbeitung bis zur finalen Fertigung. Ein wesentlicher Hebel liegt in der Steigerung der Energieeffizienz innerhalb der Produktionsprozesse. Moderne Maschinen können dazu beitragen, den Stromverbrauch zu senken. Gleichzeitig lassen sich Prozesse wie Extrusion und Verlitzung gezielt verbessern, um Wärmeverluste zu verringern und Energie effizienter einzusetzen. Zusätzlich kann anfallende Abwärme beispielsweise zur Vorwärmung von Materialien oder zur Beheizung von Produktionsstätten genutzt werden.

Neben der Effizienzsteigerung spielt die Herkunft der eingesetzten Energie eine entscheidende Rolle. Eine Möglichkeit ist die Eigenstromerzeugung aus erneuerbaren Energien, insbesondere durch Photovoltaikanlagen. Sie kann einen Teil des Energiebedarfs decken, die Abhängigkeit vom Strommarkt reduzieren und zur Erreichung unternehmerischer Klimaziele beitragen.

Für energieintensive Produktionsbetriebe stößt die Eigenversorgung jedoch an Grenzen. Hohe Anfangsinvestitionen und eine begrenzte Flächenverfügbarkeit treffen auf eine wetter- und tageszeitabhängige Stromerzeugung. Photovoltaik kann deshalb häufig nur einen Teil des Gesamtbedarfs abdecken. Eine weitere Möglichkeit bieten langfristige Stromlieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA). Dabei vereinbaren Unternehmen mit Betreibern von Wind- oder Solarparks die Lieferung von Strom zu festgelegten Konditionen über einen längeren Zeitraum. Für industrielle Anwendungen können insbesondere PPAs mit Windenergie interessant sein, da sich deren Erzeugungsprofil von dem der Photovoltaik unterscheidet und Windstrom auch in den Wintermonaten einen relevanten Beitrag zur Versorgung leisten kann. PPAs bringen allerdings auch Risiken mit sich. Die langfristige vertragliche Bindung kann die Flexibilität einschränken, etwa wenn die Marktpreise für Strom deutlich sinken. Bei einem konstant hohen Energiebedarf und klar definierten Nachhaltigkeitszielen können die langfristige Planbarkeit und die Versorgung mit erneuerbarer Energie diese Nachteile jedoch aufwiegen.

Umstellung in der Praxis

Wie sich Effizienzmaßnahmen und der strategische Bezug erneuerbarer Energien kombinieren lassen, zeigt das Beispiel eines international tätigen Spezialkabelherstellers. Durch den schrittweisen Umstieg auf ein Windenergie-PPA konnte das Unternehmen seine Stromversorgung innerhalb von drei Jahren vollständig auf erneuerbare Quellen umstellen. Seit 2024 erfolgt die Kabelproduktion ausschließlich mit Grünstrom. Parallel dazu gelang es, den Stromverbrauch zu reduzieren. Im Jahr 2022 benötigte der Kabelhersteller insgesamt 8.227.024kWh Mischstrom. 2025 waren es noch 7.473.683kWh – nun vollständig aus erneuerbaren Quellen. Das entspricht einer Verringerung des Stromverbrauchs um rund neun Prozent. Gleichzeitig konnten durch die Umstellung auf Grünstrom innerhalb von drei Jahren insgesamt 8.513,23t CO2 eingespart werden. Ein weiterer wirtschaftlicher Effekt ergibt sich daraus, dass der Hauptstromlieferant des Unternehmens für die Einspeisung von Grünstrom eine entsprechende Vergütung bzw. Gutschrift gewährt. Das Beispiel verdeutlicht, dass nachhaltige Kabelproduktion nicht auf einer einzelnen Maßnahme basiert. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel aus effizienteren Produktionsprozessen, einem reduzierten Energieverbrauch und einer langfristig ausgerichteten Beschaffung erneuerbarer Energie.

Nachhaltigkeit als Gesamtstrategie

Auch energieintensive Produktionsprozesse lassen sich schrittweise dekarbonisieren. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus geringerem Energieverbrauch, erneuerbarer Stromversorgung und einer langfristigen Beschaffungsstrategie. Für Kabelhersteller kommt eine besondere Rolle hinzu: Sie müssen nicht nur ihre eigene Produktion transformieren, sondern liefern zugleich eine wesentliche Infrastruktur für die Energiewende. Dabei bleibt die Umstellung auf grüne Energie eine wirtschaftliche Abwägung zwischen zusätzlichen Kosten, Planungssicherheit und langfristiger Wettbewerbsfähigkeit.

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