
Herr Hughes, wie würden Sie die aktuelle Stellung von Schneider Electric im DACH-Markt, speziell in der Automatisierungstechnik, beschreiben?

sondern tatsächlich Integration ermöglichen.“ – Mike Hughes, Schneider Electric Bild: Schneider Electric GmbH
Als ich vor 25 Jahren zu Schneider Electric kam, waren wir ein Unternehmen mit acht Milliarden Euro Umsatz. Heute haben wir knapp 40 Milliarden Euro erreicht. Diese Entwicklung ging mit einer klaren Strategie einher: Elektrifizierung, Energiewende, Automatisierung und Nachhaltigkeit – vor allem diese Themen haben unsere Transformation angetrieben. Unsere internationale Aufstellung ist heute viel dezentraler: Wir haben kein klassisches Konzern-Headquarter mehr, sondern agieren dezentral mit Teams auf der ganzen Welt. Gerade im DACH-Markt sind wir deutlich besser bekannt und enger an den Entscheidern – auch durch die Neuausrichtung hin zu einem starken Partner für die Industrie.
Wie charakterisieren Sie die spezielle Unternehmenskultur von Schneider Electric? Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern?
Da wir quasi eine Sammlung verschiedenster Firmen sind, die erst unter der Schneider-Marke richtig zusammengeführt wurden, bilden wir quasi einen Kulturmix. Was sich aber durchzieht, ist eine Offenheit, die schon seit den frühen Tagen mit Modicon und offener Steuerungstechnologie existiert. Trotz unserer Größe funktioniert Schneider immer noch wie ein Mittelständler: direkt, unkompliziert, nah am Kunden. Das prägt unsere Entscheidungen und auch die Geschwindigkeit, mit der wir Themen aufnehmen.
Wie unterscheidet sich der DACH-Markt für Sie von anderen Regionen? Wo sehen Sie besondere Chancen und Herausforderungen?
Der DACH-Markt ist technologisch sehr weit, viele Standards entstehen hier. Deshalb ist es für uns immens wichtig, vor Ort präsent zu sein und die Entwicklungen aktiv zu begleiten. Allerdings müssen wir aufpassen, den Anschluss nicht zu verlieren. So hat sich in den letzten 20 Jahren gerade der Markt in China extrem entwickelt; dort ist man heute führend in Bereichen wie Automobil, PV und Haushaltsgeräten. Ich sehe uns gerade am Ende eines langen Globalisierungszyklus – künftig denken wir mehr in regionalen Zonen, arbeiten mit Hub-Konzepten und setzen auf geographisch verteilte Punkte mit starker lokaler Präsenz.

Die Herausforderungen liegen darin, wie die Themen wie Nachhaltigkeit und Digitalisierung umgesetzt werden – aber daraus ergeben sich auch die Chancen, die Transformation zusammen mit den Kunden aktiv zu gestalten. Am Euref-Campus etwa setzen wir auf reale Umsetzungen von nachhaltigen Lösungen gerade für Gebäudeautomatisierung. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein
Die aktuelle Strategie von Schneider Electric baut auf Elektrifizierung, Automatisierung und Daten. Wie sehen Sie Ihre Position im Kontext von Industrie 4.0 und digitaler Transformation?
Industrie 4.0 bleibt das Fundament für vieles, was wir tun. Für uns ist klar: Elektrifizierung, Automatisierung und Datennutzung sind die Treiber, die auch heute noch den Unterschied machen. Digitalisierung ist längst kein Selbstzweck mehr, sondern Grundvoraussetzung, um Flexibilität, Effizienz und nachhaltige Prozesse zu realisieren. Wir fördern diese Entwicklung, indem wir insbesondere auf offene Plattformen und Standards setzen. Durch die Integration von KI und IIoT-Lösungen fokussieren wir uns auf eine intelligente, vernetzte Produktion.

Was sind aktuell die Kernthemen Ihrer Unternehmensstrategie?
Unsere Strategie lässt sich auf drei Hauptziele reduzieren: Elektrifizierung weiter vorantreiben, Automatisierung ausbauen und Digitalisierung intensivieren. Diese drei Stränge laufen zusammen und bilden das Rückgrat des Unternehmens. Nicht zuletzt spielt das Datenthema eine immer zentralere Rolle: Daten sind die Voraussetzung, um Effizienz, Nachhaltigkeit und Flexibilität zu erreichen. Wir sind überzeugt, dass diese Entwicklungen anhalten und sich durch intelligente Automatisierung weiter beschleunigen.
Welche Rolle spielen nachhaltige, energieeffiziente Technologien und das Thema Resilienz dabei?
Nachhaltigkeit ist in vielen Ländern bereits die Regel – dieser Standard setzt sich zunehmend auch in Deutschland durch. Für uns ist das seit über 20 Jahren ein Kernthema. Jetzt kommt ein weiterer Aspekt dazu: Resilienz. Es geht um die Widerstandsfähigkeit von Infrastrukturen – etwa bei Stromnetzen oder im Gebäudebetrieb. Diese beiden Themen – Nachhaltigkeit und Resilienz – müssen gemeinsam betrachtet werden, weil Energieversorgung und -effizienz untrennbar mit Sicherheit und Ausfallschutz verbunden sind. Die Nachfrage nach solchen ganzheitlichen Lösungen wächst, und da begleiten wir unsere Kunden auf dem gesamten Weg. Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht
Sie erwähnten bereits verschiedene Märkte. Wo sehen Sie die wichtigsten Branchenschwerpunkte für Schneider Electric in den nächsten Jahren?
Wir sind in fünf Märkten aktiv: Residential, Building, Data Center, Industry und Infrastructure. Speziell im DACH-Raum liegt unser Schwerpunkt traditionell in der Industrie. Hinzu kommt die Gebäudetechnik, wo wir mit Projekten wie dem Euref-Campus neue Maßstäbe setzen. Im Residential-Markt treiben wir die Rolle des ‚Prosumers‘ voran. Wir arbeiten beispielsweise mit StarCharge im Bereich Ladeinfrastruktur für E-Mobilität zusammen. Hohe Energiekosten in Europa schaffen Hürden, bieten aber auch enorme Potenziale: Wir glauben, dass gerade durch mehr Effizienz in der Industrie und im Gebäudebereich große Fortschritte möglich sind.
Welche konkreten neuen Produkte und Lösungen erwarten Ihre Kunden in der Automatisierungstechnik?
Wir bringen regelmäßig neue Controller-Generationen auf den Markt, darunter etwa die nächste Weiterentwicklung zur SPS. Ganz entscheidend ist EcoStruxure Automation Expert, unsere offene, hardwareunabhängige Automatisierungsplattform. Die Bedeutung von Software nimmt weiter zu – gerade im Bereich Datenanalyse, Prozessoptimierung und Qualitätssicherung. Natürlich bleibt Hardware ein Kern, aber der Mehrwert der Zukunft liegt zunehmend in der Datenintegration und in intelligenten Anwendungen.

Was haben Sie sich persönlich als Ziele für die nächsten Jahre als DACH-Chef gesetzt?
Für mich steht fest: Wenn wir unseren Kunden echten Wert bieten, sind wir erfolgreich. Es geht dabei um mehr als technische Lösungen – es geht um Vertrauen, Partnerschaft und Nähe. Ich will den Namen Schneider Electric auf C-Level-Ebene noch stärker positionieren und den Enduser-Fokus im Vertrieb stärken.
Wir sind im Partnerkanal, mit Großhandel und Schaltschrankbauern, stark vertreten. Wir treffen inzwischen aber auch auf Kunden – etwa, wenn sie eine neue Fertigung automatisieren oder ein Netz modernisieren wollen -, die Entscheidungen nicht mehr Produktweise treffen, sondern nach strategischen Technologiepartnern suchen. Wir wollen für den Mittelstand ein Ansprechpartner auf Augenhöhe sein, der sich zeitnah um dessen Anliegen kümmert. Diese Haltung ist für mich elementar und bildet – auch technologisch – einen Gegensatz zu manchen Wettbewerbern.



















