
„Wir müssen mehr machen und weniger reden“, sagt Gunther Koschnick, ZVEI-Bereichsleiter Industrie. Denn Elektrifizierung, Digitalisierung und industrielle KI blieben die entscheidenden Hebel für Produktivität, Effizienz und Resilienz – und um Europas Rolle als Automatisierer der Welt zu sichern. „KI wird auch die Automation verändern“, ist sich Koschnick sicher. „Der technische Fokus verlagert sich gerade. Wir kommen weg vom Hardware-zentrierten Denken, hin zur Software Defined Industry. In Zukunft werden in immer mehr Szenarien KI-Tools die Ingenieure bei der Planung, Steuerung und Überwachung der Produktion unterstützen.“
Vernetzte Technologien & neue Industriestandards
Ein zentraler Ankerpunkt der Messe ist die Technology Stage (Halle 3, Stand 421), die VDMA und ZVEI gemeinsam unterstützen. Dort werden Themen wie die Rolle von KI in der Produktion, Datenökosysteme und Interoperabilität diskutiert – also jene Herausforderungen und Fragen, denen sich Unternehmen ausgesetzt sehen. Die Bühne soll dabei auch den Austausch zwischen Industrie, Forschung und Politik vertiefen. Auf dem ZVEI-Stand (Halle 3, Stand 321) vertiefen mehrere Initiativen und Partnerprojekte des Verbands diese Perspektiven. Im Projekt Factory-X, gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium, demonstrieren Unternehmen, wie Datenmodelle den unternehmensübergreifenden Austausch entlang des Produktlebenszyklus ermöglichen. Das Prinzip der Verwaltungsschale (AAS) wird damit greifbar: Daten werden zum verbindenden Element industrieller Zusammenarbeit. Ein ähnliches Ziel verfolgt ein weiteres gefördertes Projekt der Forschungsvereinigung Elektrotechnik beim ZVEI: Antrieb 4.0, das auf der SPS anhand eines Demonstrators zum digitalisierten Asset Management zeigt, wie Antriebsdaten im laufenden Betrieb erfasst und genutzt werden können. Ziel ist eine gemeinsame Datensprache für alle Antriebslösungen.
Kommunikation & Energie im Umbruch
Wie Datenkommunikation und Energieversorgung der Zukunft aussehen, veranschaulicht auf dem ZVEI-Stand u.a. die 5G Alliance for Connected Industries and Automation (5G-ACIA). Sie präsentiert dabei den aktuellen Stand industrieller 5G-Netze, von Campuslösungen über Sicherheit bis hin zu Edge-Architekturen, mit denen sich die smarte Vernetzung im Produktionskontext praktisch umsetzen lässt. Capiel, der europäische Sektorverband für Hersteller von Niederspannungsschaltanlagen und -steuerungen, informiert auf dem ZVEI-Stand über den Wechsel von der traditionellen Feldbuskommunikation zu einer Ethernet-Everywhere-Architektur. Die neue Single Pair Ethernet (SPE)-Technologie bindet Komponenten nahtlos interagieren und bindet Sensoren und Aktoren durchgehend in die Ethernet-Welt ein. In der Unterausstellung informieren Fachexperten über den aktuellen Stand bei Standards und Lösungen. Die Open Direct Current Alliance (ODCA) wiederum macht mit einem interaktiven Lego-Modell eines DC-Microgrids sichtbar, wie sich Energieflüsse in Gleichstromnetzen steuern lassen. Ergänzt wird der Auftritt durch digitale Use Cases und ein Whitepaper zur symmetrischen 2-Leiter-DC-Verteilung in Rechenzentren, das einen technischen Leitfaden für mehr Energieeffizienz in diesem wichtigen Wachstumsfeld liefert. In der Intralogistik ist die Maximierung der Lagerkapazität entscheidend. Kompakte Sensoren spielen dabei eine Schlüsselrolle: Höchste Leistung in kompakter Bauform schafft mehr Platz für die Ware, denn die Technik macht sich klein. ‣ weiterlesen
Intralogistik: Neue Baumer ToF-Sensoren machen sich klein

Chancen & Potenziale der Transformation
Mit dem Pilotprojekt Cirpass-2 / DDP 4.0 adressiert der ZVEI ein Thema, bei dem sich regulatorische Vorgaben und Potenziale für Effizienz und Nachhaltigkeit verknüpfen. Der digitale Produktpass wird im Rahmen des EU-Ökodesign künftig verpflichtend – und der ZVEI unterstützt die Industrie mit dem DPP 4.0 bei der Implementierung. Ein gemeinsam mit dem Digital Data Chain Consortium (DDCC) entwickelter Demonstrator zeigt, wie sich Produktinformationen über ihren gesamten Lebenszyklus maschinenlesbar verfügbar machen lassen.
Trotz der Vielzahl von Herausforderungen blickt der Verband optimistisch nach vorn – und betont die Rolle wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für den Industriestandort. Wie diese aussehen sollten, hat der ZVEI zuletzt in seiner ‚Agenda für eine Industrie von morgen‘ (s. Kasten) aufgeschrieben. „Wir brauchen jetzt entschlossene Reformen. Die Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen“, betont Koschnick. „Global sind die Trends zur Elektrifizierung und weiteren Digitalisierung ungebrochen. Doch nur wenn wir die Chancen der industriellen KI ergreifen und unsere Domänenkompetenz richtig einsetzen können, werden wir die nächste Epoche der Produktivität führend mitgestalten.“ Digitale Souveränität in der Automation: Fraunhofer IOSB-INA entwickelt einen KI-Assistenten für die SPS-Programmierung. ‣ weiterlesen
Automatisierung neu gedacht
Broschüre: Agenda für die Industrie von morgen

Die vom ZVEI veröffentlichte Agenda für eine Industrie von morgen skizziert zentrale Handlungsfelder für die Transformation der deutschen Industrie: von Energieeffizienz und Digitalisierung über Resilienz bis zur Qualifizierung von Fachkräften. Sie dient Politik und Unternehmen als strategische Orientierung in einer sich wandelnden globalen Wettbewerbslandschaft. Das Positionspapier kann unter folgendem Link kostenfrei herunter geladen werden.



















