Wenn Robotik zur Architekturfrage wird

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Warum wird Roboterintegration im End-of-Line Packaging zunehmend zur Architekturfrage?

Michael Garstenauer: Eine neue Produktvariante bedeutet häufig mehr als eine neue Roboterposition. Auch Greifpositionen, Bewegungsabläufe, Maschinenzustände oder die Bedienung können betroffen sein. Gleichzeitig müssen SPS, Robotik, Motion, Safety und Visualisierung zusammenspielen. Die einzelnen Systeme funktionieren meist gut. Komplexität entsteht vor allem an ihren Übergängen. Deshalb wird entscheidend, wie Robotik in die Maschinenarchitektur eingebunden ist.

Virtuelles Engineering 
der Roboterzelle: Bewegungsabläufe lassen sich bereits vor der realen 
Inbetriebnahme analysieren und optimieren.
Virtuelles Engineering der Roboterzelle: Bewegungsabläufe lassen sich bereits vor der realen Inbetriebnahme analysieren und optimieren. – Bild: Keba Industrial Automation GmbH

Erhöhen unterschiedliche Robotertypen im End-of-Line diese Komplexität zusätzlich?

Nicht zwangsläufig. Je nach Aufgabe kommen etwa Delta-Roboter, Toploader, Duobots oder Sechsachser zum Einsatz – oder kundenspezifische Robotertypen für spezielle Aufgaben und Prozesse. Entscheidend ist weniger ihre Zahl oder Bauart als die Frage, wie viele Systeme für ihr Zusammenspiel koordiniert werden müssen. Je enger Roboter, Maschinenachsen und Prozess gekoppelt sind, desto wichtiger wird die Steuerungsarchitektur.

Wir betrachten Robotik als Bestandteil der Maschinenautomatisierung.
Michael Garstenauer, Keba
Wir betrachten Robotik als Bestandteil der Maschinenautomatisierung. Michael Garstenauer, Keba – Bild: Keba Industrial Automation GmbH

Wo liegen die Grenzen einer klassischen Integration mit separater Robotersteuerung?

Für viele Anwendungen ist diese Trennung sinnvoll: Der Roboter besitzt seine Steuerung, die SPS koordiniert den Maschinenprozess, kommuniziert wird über definierte Schnittstellen. Aufwand entsteht, wenn beide eng zusammenspielen. Änderungen, Synchronisation oder Diagnose müssen dann über mehrere Steuerungswelten hinweg abgestimmt werden. Die Herausforderung liegt also nicht in der Trennung selbst, sondern in den Systemgrenzen, die dabei beherrscht werden müssen.

Was macht Keba bei der Integration von Robotern anders?

Wir betrachten Robotik als Bestandteil der Maschinenautomatisierung. Mit KeMotion innerhalb von Kemro X werden Robotikfunktionen gemeinsam mit Maschinensteuerung, Motion und Safety in einer Architektur umgesetzt. Roboterbewegungen, Maschinenachsen und Prozessabläufe können so innerhalb derselben Steuerungsumgebung koordiniert werden.

Für uns geht es aber um mehr als den eigentlichen Maschinenzyklus. Robotik muss über den Lebenszyklus der Anlage mitgedacht werden: von Projektierung und Simulation über Engineering und Inbetriebnahme bis zu Betrieb und Service. Eine Robotersteuerung sollte deshalb nicht nur danach beurteilt werden, ob der erste Testzyklus funktioniert, sondern auch danach, wie gut sich eine Lösung testen, wiederverwenden, anpassen und langfristig unterstützen lässt. Das Ökosystem rund um Kemro X und KeMotion ist darauf ausgelegt, diese Phasen zu unterstützen.

Bedeutet Integration, dass SPS und Robotik letztlich dieselbe Steuerungslogik verwenden?

Nein. Die SPS ist oft sehr stark zustandsgesteuert, bei der Robotik steht der Bewegungsablauf im Vordergrund. Diese Unterschiede bleiben bestehen. Entscheidend ist, beide Welten eng zu verbinden, Daten transparent auszutauschen und Robotikfunktionen aus dem Maschinenablauf heraus nutzen und mit den Nachbarprozessen perfekt abstimmen zu können.

Was bedeutet diese Architektur konkret für den Maschinenbauer?

Vor allem mehr Wiederverwendbarkeit im Engineering. Zustände, Diagnose, Kommunikation oder Bedienung müssen nicht für jedes Projekt neu mit der Robotik verbunden werden. Hinzu kommt die virtuelle Inbetriebnahme: Läuft die spätere Steuerungs- und Robotikapplikation bereits auf einem virtuellen Controller, lassen sich Bewegungsabläufe oder Taktzeiten prüfen, bevor die reale Maschine steht. So kann der OEM sein Prozess- und Applikationswissen über mehrere Maschinen und Projekte hinweg nutzen und die volle Flexibilität der Robotik einfach beherrschbar machen.

Treffen Sie Keba auf der SPS. Vertiefen Sie das Thema im persönlichen Austausch.
Stand 470, Halle 7
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