Kritis als Vorbild

 Fertigungsunternehmen 
im Mittelstand müssen ihre Produktion und Lieferketten nachweisbar absichern, 
da Kritis-orientierte Sicherheitsstandards und NIS2-Konformität vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsfaktor werden.
Fertigungsunternehmen im Mittelstand müssen ihre Produktion und Lieferketten nachweisbar absichern, da Kritis-orientierte Sicherheitsstandards und NIS2-Konformität vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsfaktor werden.Bild: ©Aleksandar/stock.adobe.com

Fertigende Unternehmen agieren in einem komplexen Spannungsfeld. Klassische IT-Systeme treffen auf spezialisierte OT-Infrastrukturen, die ursprünglich nicht für Vernetzung und Digitalisierung konzipiert wurden. Vielerorts laufen Maschinen mit veralteten Betriebssystemen wie Windows XP, die mit der Zeit immer unsicherer werden. Updates gibt es nicht mehr und viele Sicherheitsprogramme unterstützen diese Systeme nicht. Gleichzeitig haben viele Verantwortliche den Anspruch, ihre IT so sicher wie möglich zu gestalten mit bewährten Lösungen.

Allerdings klafft zwischen IT- und OT-Sicherheit ein tiefer Graben. Sie werden als verschiedene Bereiche mit unterschiedlichen Aufgaben betrachtet. Sowohl technisch als auch kulturell werden IT- und OT-Sicherheit getrennt voneinander gedacht. Das birgt Risiken, führt zu Intransparenz und schafft Zuständigkeitslücken sowie Sicherheitslücken.

Um IT und OT sicher miteinander zu verzahnen, hat die Kritis-Welt bereits wichtige Grundlagen geschaffen. Ihre Sicherheitsstrukturen sollten daher als Blaupause für digitale Resilienz dienen. So können auch mittelständische Fertiger davon profitieren, allerdings nicht durch 1:1-Kopien, sondern durch praxisnahe, skalierbare Prinzipien. Dieser Ansatz orientiert sich speziell an den Bedürfnissen kleiner und mittelgroßer Unternehmen und nutzt Kritis als Framework und erfüllt gleichzeitig regulatorische NIS2-Vorgaben. Das Ziel ist ein Sicherheitsniveau, das zur jeweiligen Rolle in der Wertschöpfungskette passt: ohne Überforderung, aber mit strategischer Wirkung.

1. Sicherheit als Führungsaufgabe verankern

Sicherheit darf nicht allein Aufgabe der Fachabteilungen sein. Sie muss ins Management-Reporting integriert werden, mit klaren Verantwortlichkeiten und Priorisierung auf Geschäftsleitungsebene. Damit wird proaktiv umgesetzt, was NIS2 regulatorisch fordert: Die Geschäftsführung haftet für das Risikomanagement und kann Verantwortung nicht mehr delegieren. So wird Sicherheit zur strategischen Führungsdisziplin. Entscheidend ist, dass die Sichtbarkeit von Sicherheitskennzahlen sowie das Verständnis für digitale Risiken bis auf C-Level ankommen. Der Dialog zwischen Werkleitung, IT und OT muss gestärkt und systematisiert werden.

2. Monitoring als kontinuierliche Intelligenz nutzen

Anstelle reiner Alarmierung durch Schwellenwerte sind lernfähige Systeme erforderlich, die Anomalien erkennen – übergreifend für IT und OT. Sichtbarkeit ist der erste Schritt zu Resilienz. Wer weiß, was im Netzwerk passiert, kann auch gezielt reagieren. Besonders wertvoll sind Monitoring-Lösungen, die neben IT-Logdaten auch Maschinenkommunikation und Steuerungssysteme einbeziehen. So entsteht ein ganzheitliches Lagebild, das kritische Entwicklungen frühzeitig sichtbar macht. Dies ist zugleich die technische Basis, um die strengen Meldepflichten, wie sie Kritis- und NIS2-Standards vorsehen, überhaupt erfüllen zu können.

3. Dienstleister als Sparringspartner begreifen

Sicherheitsdienstleister sind mehr als nur Lieferanten: Sie sind strategische Partner im Betrieb. Mithilfe von Managed-SOC-Services können auch kleinere Fertigungsunternehmen rund um die Uhr auf Expertise und operative Unterstützung zugreifen. Moderne Dienstleister bringen nicht nur Werkzeuge, sondern auch Erfahrung aus unterschiedlichsten Bedrohungsszenarien mit. Für mittelständische Unternehmen mit begrenzten Ressourcen ist diese Zusammenarbeit ein effektiver Hebel, um das Sicherheitsniveau und die Reaktionsgeschwindigkeit deutlich zu steigern.

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