
Phoenix Contact hat seine PLCnext-Laufzeitumgebung an Festo und Yaskawa lizenziert. Drei Anbieter, die bei ihren Kunden gegeneinander antreten, teilen sich also den Kern ihrer Steuerungstechnik – und mit dem PLCnext Store auch einen wichtigen Vertriebsweg für ihre Softwareangebote. Die drei Technologiepartner gaben im Roundtable zunächst ein kurzes Statement zu aktuellen Fragen der Automatisierung ab und beantworteten dann Fragen der Journalisten. Auf dem Podium saßen Tobias Unger, General Manager des European Technology Centers bei Yaskawa Europe, Helmut Deichert, Head of Product Line Controls bei Festo, und Dr. Tobias Frank, Vice President Automation Systems bei Phoenix Contact und Geschäftsführer der Phoenix Contact Cyber Security.
Innovationen entstehen zwischen Partnern
Den Auftakt machte Gastgeber Tobias Unger mit einem Plädoyer für offene Ökosysteme wie PLCnext in der Automatisierungstechnik. Er erläuterte, dass sie „inzwischen ein strategischer Wettbewerbsfaktor sind“, weil neue Funktionen immer schneller auch in laufende Anlagen integriert werden müssten. „Im Zentrum steht dabei immer der Kundennutzen. Integrationskosten, Flexibilität, Investitionssicherheit und auch die Reaktionsfähigkeit im Sinne von Wettbewerbsfähigkeit“, seien Anforderungen, die mit den offenen Architekturen und standardisierten Schnittstellen besser erfüllt würden. Daher ist das Bekenntnis von Yaskawa zur PLCnext Techology für Unger klar, auch wenn der Einstieg in die Technologie vor fast zehn Jahren einen anderen Grund hatte. Damals bot der internationale Automatisierungskonzern Yaskawa vier unterschiedliche Steuerungslinien auf vier unterschiedlichen Technologien an. Diese sollte auf eine Linie zusammengelegt werden. Nicht weniger war die Herausforderung: „Wir haben evaluiert, gebenchmarkt, Safety usw. Am Ende kam raus, dass PLCnext Technology das für uns geeignetste System ist. Nicht nur die Technologie, sondern auch das Umfeld, der Community-Gedanke und der Store.“
Offenheit bis in den Quellcode
Auf die Frage, wie wohl man sich in der Abhängigkeit von einem Wettbewerber fühle, erläuterte Unger, dass es eine Partnerschaft sei, keine Abhängigkeit. Dr. Tobias Frank, Vice President Automation Systems bei Phoenix Contact, wurde deutlicher: Partner erhalten vollen Zugriff auf Quellcode, Dokumentation und Testfälle. Festo und Yaskawa könnten also jederzeit einen eigenen Weg gehen. Im eigenen Haus sei das anfangs schwer zu vermitteln gewesen, die Reaktion könne man sich vorstellen. Doch im industriellen Umfeld habe niemand Spaß an Lock-in-Verhältnissen, weder Hersteller noch Kunde. Helmut Deichert, Head of Product Line Controls bei Festo, bestätigte: Gerade diese Offenheit bis in den Quellcode sei auch bei Festo ein ausschlaggebender Faktor für PLCnext gewesen. Nur so könne man beim Kunden für eine Lösung geradestehen, sie debuggen und pflegen.
Drei große Player – ein Store
Gemeinsam sei allerdings nur, was nicht differenziert: Yaskawa hat seine Motion Control, das eigene Kern-Knowhow, in die PLCnext-Umgebung implementiert. Frank nennt es das Lego-Prinzip: Man einigt sich auf die Noppenweite, also das Informationsmodell, und steckt dann Apps zusammen, „ohne viel Bubblegum und Duct Tape“. Beim Kunden tritt jeder für sich auf. Den größten Nutzen sieht Deichert bei den Softwareanbietern, denn drei Plattformpartner ergeben für sie einen gemeinsamen Markt. Vor zwei Jahren habe es im PLCnext Store nur Apps von Phoenix Contact gegeben, heute kämen beinahe monatlich Festo-Apps hinzu. Und Frank lieferte die Notwendigkeit gleich mit: Die Innovationsgeschwindigkeit komme maßgeblich aus China, und Europa könne es sich nicht leisten, dieselbe Technik mehrmals zu implementieren.

















