No-Code/Low-Code: Eine neue Ära im Engineering?

382008 380314 521244
Bild: ©TenPixels/stock.adobe.com

Welche strategische Bedeutung messen Sie No-Code- oder Low-Code-Technologien in Ihrer Produkt- oder Plattformentwicklung bei?

Michael Werner, B&R: Wir messen No-Code- und Low-Code-Technologien eine zentrale strategische Bedeutung bei. Sie bilden einen wesentlichen Bestandteil künftiger Entwicklungen, insbesondere wenn es um ein intuitives UI/UX-Design, eine einfache Benutzerführung sowie die Integration von Copilot und Mapp Technology geht – alles Schlüsselkomponenten, um die Effizienz im Engineering nachhaltig zu steigern. Darüber hinaus verstehen wir diese Technologien als wichtiges Differenzierungsmerkmal im Wettbewerb, da sie die Vereinfachung komplexer Aufgaben ermöglichen und eine durchgängige Integration unterstützen. Nicht zuletzt dienen sie als Grundlage der offenen Plattformstrategie des Unternehmens, die klassische SPS-Engineering-Ansätze mit modernen Entwicklungsmethoden kombiniert.

Dr. Josef Papenfort, Beckhoff Automation: Die Bedeutung von Low-Code-Technologien ist bereits Teil unserer Entwicklungsphilosophie und wird in immer mehr Produkten Einzug halten. In Kombination mit unseren Twincat-CoAgent-Produkten auf Basis von Large-Language-Modellen werden zukünftig auch Nicht-Programmierer kleinere Änderungen an Anlagen und Maschinen vornehmen können.

Roland Wagner, Codesys: Low- und No-Code sind unverzichtbar in der Automatisierung. Codesys ist als marktführende IEC61131-3-Plattform zwar per se ein SPS-Programmiertool. Doch schon Kontaktplan (LD), Funktionsplan (FBD) und Ablaufsprache (SFC) erlauben Nicht-Informatikern basierend auf ausprogrammierten Bibliotheksbausteinen SPS-Programme zu erstellen. Diese Sprachen skalieren aber nicht für größere Projekte. Dafür haben wir mit dem Codesys Application Composer eine No-Code-Ebene über dem SPS-Programm eingezogen. User bauen ihre Applikation mit Modulen in einem Konfigurator zusammen und generieren den kompletten Applikationscode daraus. Basis ist eine Bibliothek mit spezifischen Modulen für die entsprechenden physischen oder logischen Komponenten. Gerade bei modularen Maschinen reduzieren unsere Kunden so den Projektierungsaufwand um bis zu 80 Prozent. Für sie ist der Composer von strategischer Bedeutung. Für uns ist die Strategie aber ganz einfach: das optimale Tool für alle anzubieten.

Martin Naumann, Keba Industrial Automation: Wir sehen eine gute Usability als zentralen Bestandteil aktueller und künftiger Entwicklungen und haben das auch in unserer Strategie verankert. Der Fachkräftemangel macht es notwendig, dass Produkte von einem erweiterten Personenkreis bzw. mit weniger Schulungsaufwand als bisher nutzbar werden. Das heißt nicht, dass jegliche Komplexität eliminiert werden kann. Ein Roboter mit seinen meist sechs Achsen, unterschiedlichen Möglichkeiten der Bahnplanung, Singularitäten usw. wird immer eine gewisse Komplexität haben und deshalb in der Bedienung und Programmierung gewisse Kenntnisse voraussetzen. Darüber hinaus sollte durch die genutzten Engineering-Tools aber keine weitere Komplexität hinzukommen, sondern im Gegenteil die intrinsische Komplexität so einfach wie möglich beherrschbar werden. Hier werden KI-Lösungen zukünftig eine große Rolle spielen.

"Unser Ansatz kann den Projektierungsaufwand um bis zu 80 Prozent senken." Roland Wagner, Codesys
„Unser Ansatz kann den Projektierungsaufwand um bis zu 80 Prozent senken.“ – Roland Wagner, Codesys – Bild: Codesys GmbH

Jan-Philipp Liersch, Mitsubishi Electric Industrial Automation: Low-Code und No-Code sehe ich nicht nur als Zusatzfeature, sondern vielmehr als zentrales Differenzierungsmerkmal für unsere Produkte. Unsere Kunden verlangen zunehmend einfache, flexible und wartungsfreundliche Lösungen. Der Trend zeigt klar, dass diese Technologien zukünftig ein essenzieller Bestandteil unserer Softwareumgebungen sein werden. Wir betrachten dies als notwendiges Mittel, um neue Märkte zu erschließen und bestehende Kunden durch echten Mehrwert langfristig zu binden.

Marko Paulat, Phoenix Contact: Da für beide Begrifflichkeiten keine scharfen Definitionen existieren, ist es schwierig, diese genau in unsere Strategie einzuordnen. Grundsätzlich verfolgen wir mit der PLCnext Technology den Ansatz, den Anwender hinsichtlich der verwendeten Entwicklungsumgebung nicht einzuschränken. So ist bereits eine Vielzahl an Programmiersprachen nutzbar, damit der Anwender die Sprache wählen kann, die zu seiner Anwendung und zu seiner Expertise passt. Durch den Einsatz von Apps aus dem PLCnext Store können Anwender auf vorgefertigte Lösungen zurückgreifen und müssen sich nicht mit interner Softwareentwicklung befassen.

Andreas Volland, Pilz: Für Pilz sind No-Code- und Low-Code-Technologien ein zentraler Bestandteil der Produktstrategie. Sie ermöglichen es, komplexe Sicherheits- und Automatisierungsfunktionen einer breiten Anwendergruppe zugänglich zu machen. Dies fördert die Effizienz in der Projektumsetzung und reduziert die Abhängigkeit von spezialisierten IT-Ressourcen. In einem Umfeld, das durch Fachkräftemangel, steigende Systemkomplexität und hohe Anforderungen an Flexibilität geprägt ist, bieten diese Technologien einen klaren Wettbewerbsvorteil. Sie beschleunigen die Entwicklung, vereinfachen die Integration in bestehende Infrastrukturen und stärken die Zukunftsfähigkeit unserer Lösungen im Bereich der industriellen Automatisierung.

"Low-Code und 
No-Code sind für uns kein Extra, 
sondern ein Differenzierungsmerkmal."
Jan-Philipp Liersch, 
Mitsubishi Electric Industrial 
Automation
„Low-Code und No-Code sind für uns kein Extra, sondern ein Differenzierungs-merkmal.“ Jan-Philipp Liersch, Mitsubishi Electric Industrial AutomationBild: Mitsubishi Electric Industrial Automation

Franz Aschl, Sigmatek: Software ist sowohl für Automatisierungstechnik-Anbieter als auch für Maschinen- und Anlagenbauer ein wichtiges Differenzierungsmerkmal. Daher nimmt die strategische Bedeutung flexibler No-Code/Low-Code-Technologien in jedem Fall zu – variiert aber je nach Unternehmen. Ein Zusatznutzen ist es allemal, weil der Entwicklungsprozess erleichtert und beschleunigt wird. Für uns ist es eindeutig ein Differenzierungsmerkmal. Die Komplexität der Anwendung steigt laufend. Bei dem objektorientierten Low-Code-Ansatz von Lasal wird der Code grafisch aufbereitet und stellt klare Schnittstellen zur Verfügung. Durch diese Strukturiertheit bleibt der Code auch langfristig lesbar, anpassbar und ist somit nachhaltig wertgesichert. Und das ist in einem Markt, der sich schnell ändern kann, ein entscheidender Faktor. KI-Assistenten und -Agenten werden Bestandteil zukünftiger Entwicklungen sein. Wichtig ist dabei, dass das Knowhow unserer Kunden geschützt wird.

Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Usability von Software und Engineering-Tools im Wettbewerb um neue Kunden?

Michael Werner, B&R: Die Usability von Software und Engineering-Tools spielt für uns eine entscheidende Rolle im Wettbewerb um neue Kunden. Anwender erwarten heute kurze Einarbeitungszeiten und eine intuitive Bedienung, weshalb die Benutzerfreundlichkeit eine hohe Relevanz hat. In den vergangenen Jahren hat zudem ein deutlicher Wandel stattgefunden: Während früher die rein technische Funktionalität im Vordergrund stand, rücken zunehmend UX-getriebene Engineering-Tools in den Fokus. Dabei wächst die Nachfrage nach Werkzeugen, die sich an IT-Standards orientieren – nicht zuletzt, weil immer mehr Fachkräfte aus dem IT-Umfeld zu den Nutzern zählen. Mit dem neuen Automation Studio Code als Teil von Automation Studio 6 tragen wir diesem Anspruch Rechnung: Eine modernisierte Oberfläche, intelligente Assistenten und optimierte Workflows sorgen für ein zeitgemäßes Nutzungserlebnis.

"Konfigurieren statt Programmieren 
lässt Anwender schneller zum Ziel kommen."
Michael Werner,
B&R Industrie-Elektronik"Konfigurieren statt Programmieren 
lässt Anwender schneller zum Ziel kommen."
Michael Werner,
B&R Industrie-Elektronik
„Konfigurieren statt Programmieren lässt Anwender schneller zum Ziel kommen.“ Michael Werner, B&R Industrie-Elektronik“ – Bild: B&R Industrie-Elektronik GmbH

Dr. Josef Papenfort, Beckhoff Automation: Aufgrund der stärkeren Internationalisierung und des Fachkräftemangels müssen Engineering-Tools immer einfacher zu bedienen sein.

Roland Wagner, Codesys: Funktionalität und Mehrwert in Maschinen und Anlagen wird schon lange mit Software erzeugt. Die zunehmende Abstraktion der Hardware – Stichwort virtuelle Steuerungen – lässt die Bedeutung der Software weiter ansteigen. Gleichzeitig werden Maschinen und Anlagen immer komplexer – und damit deren Steuerungsapplikationen. Das sind alles Gründe für uns als Softwarehersteller, User so zu unterstützen, dass sie die Komplexität optimal beherrschen und für sich nutzen können. Bei der Arbeit mit Codesys merken Anwender genau, dass in diesem Tool Herzblut steckt: Es ist weit mehr als Beiwerk für irgendwelche Hardware. User schätzen die neuen Möglichkeiten, die wir sukzessive integriert haben: Visualisierung, Motion Control oder Feldbusprotokolle, die externe Tools überflüssig machen. Oder Zusatzfunktionen wie objektorientierte Programmierung, Quellcodeverwaltung und die Automation von Engineeringaufgaben für ein geschmeidigeres Engineering. Und bald auch KI-Unterstützung.

Martin Naumann, Keba Industrial Automation: Neben den funktionalen Anforderungen an eine Automatisierungsplattform, die erfüllt werden müssen, spielen neben dem Preis als wichtigstes Kriterium nicht-funktionale Anforderungen wie z.B. Offenheit, nutzen von Standards statt proprietären Lösungen und Usability unserer Beobachtung nach eine immer größere Rolle im Auswahlprozess unserer Kunden. Im Bereich Robotik lässt sich am Erfolg der Cobots – die sich neben den zusätzlichen Sicherheitsfunktionen insbesondere durch die einfache Bedienung von den etablierten Industrierobotern unterscheiden – ableiten, dass einfache Bedienung eine große Rolle im Wettbewerb um neue Kunden und auch ganz neue Kundengruppen spielt.

Jan-Philipp Liersch, Mitsubishi Electric Industrial Automation: Kunden erwarten zurecht Software-Erlebnisse, die sie aus Consumer-Produkten bereits kennen: intuitive Bedienbarkeit, strukturierte Benutzeroberflächen und großer Funktionsumfang. Das hat sich in den letzten Jahren enorm verstärkt, gerade durch eine jüngere Generation, die mit digitalen Technologien groß geworden ist. Wir haben daher in eine benutzerfreundliche Gestaltung und Interoperabilität der Tools investiert, was unsere Marktposition nachhaltig stärken wird.

"Einfache Aufgaben müssen einfach 
bleiben - komplexe Anwendungen dürfen nicht an 
Grenzen stoßen."
Martin Naumann, 
Keba Industrial Automation
„Einfache Aufgaben müssen einfach bleiben – komplexe Anwendungen dürfen nicht an Grenzen stoßen.“ – Martin Naumann,
Keba Industrial Automation
Bild: Keba Industrial Automation GmbH

Marko Paulat, Phoenix Contact: Usability spielt unabhängig vom Thema No-Code/Low-Code eine wesentliche Rolle. Ihr Stellenwert hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Benutzerfreundlichkeit war schon immer wichtig, aber die Maßstäbe der Anwender sind heute andere. Man begegnet überall grafischen Bedienoberflächen. Es wird viel Aufwand in die Entwicklung einer möglichst angenehmen User Experience gesteckt. Daraus wachsen dann immer ausgefeiltere Bedienkonzepte. Die Ansprüche der Anwender steigen und diesen Anforderungen müssen unsere Engineering-Tools gerecht werden. Der reine Funktionsumfang verschiedener Anbieter ist in zahlreichen Teilen sehr ähnlich, hier kann die Usability am Ende entscheidend sein. Der Anwender muss sich beim Umgang mit dem Tool wohlfühlen und den Eindruck haben, schnell und effektiv zu einer Lösung zu kommen. Für den Neueinstieg in ein Tool hat die Bedienung möglichst intuitiv zu erfolgen.

Andreas Volland, Pilz: Die Benutzerfreundlichkeit unserer Tools ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Anwender erwarten heute mehr denn je eine intuitive Bedienung, klare Visualisierungen und eine schnelle Einarbeitung – auch im industriellen Umfeld. Die Usability hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt: Sie ist heute ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl von Automatisierungslösungen. Denn sie beeinflusst direkt die Produktivität unserer Kunden.

Franz Aschl, Sigmatek: Usability wird immer wichtiger. Nur so lassen sich immer komplexer werdende Anwendungen beherrschen. Dazu kommen menschliche und zeitliche Faktoren. Kunden wünschen sich eine schnelle Umsetzung von Projekten, einfache Anpassungs- und Servicemöglichkeiten. Dabei soll der Schulungsaufwand möglichst gering gehalten werden. Mit intuitiv zu benutzenden, effizienten und durchgängigen Engineering-Tools sind neue Kunden schneller überzeugt, auf ein neues System zu wechseln. Natürlich spielt dabei auch die Portierbarkeit von vorhandenem Code eine Rolle. Smarte Tools wie z.B. die statische Code-Analyse tragen dazu bei, eventuelle Fehler frühzeitig auszumachen bzw. zu vermeiden und somit Zeit und Kosten zu sparen.

 "Strukturierte Ansätze sorgen dafür, dass Code langfristig lesbar, anpassbar und nutzbar bleibt."
Franz Aschl, 
Sigmatek
„Strukturierte Ansätze sorgen dafür, dass Code langfristig lesbar, anpassbar und nutzbar bleibt.“ – Franz Aschl, SigmatekBild: Sigmatek GmbH & Co. KG

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden bei der breiten Einführung solcher Ansätze? Und: Beobachten Sie eine zunehmende Nachfrage oder Offenheit Ihrer Kunden für diese Art von Lösungen?

Michael Werner, B&R: Wir sehen bei der breiten Einführung von No-Code- und Low-Code-Ansätzen mehrere Hürden. So spielt die Akzeptanz erfahrener SPS-Programmierer eine wichtige Rolle, da viele an klassische Code-Strukturen und tiefe Einblicke in die Programme gewöhnt sind. Hinzu kommt die Komplexität hochindividueller Anwendungen, die häufig eine Mischform aus Low-Code-Ansätzen und klassischer Programmierung erfordert. Darüber hinaus besteht ein Schulungsbedarf, um den Wechsel auf modulare und KI-unterstützte Workflows erfolgreich zu gestalten. Gleichzeitig beobachten wir eine deutlich zunehmende Offenheit der Kunden für solche Lösungen. Treibende Faktoren sind u.a. der Fachkräftemangel und der steigende Zeitdruck in Entwicklungsprojekten. Besonders hoch ist das Interesse bei OEMs, die auf standardisierte Maschinenplattformen setzen und von den Effizienzvorteilen dieser Ansätze profitieren können.

Beckhoff Automation: Die Nachfrage nach einfach zu bedienenden Werkzeugen und einfachen Programmiersprachen ist auf jeden Fall zunehmend – auch hier wieder das Stichwort Fachkräftemangel. Trotzdem werden die Hochsprachen wie z.B. strukturierter Text weiter bestehen bleiben und auch zukünftig insbesondere die komplexen Funktionen damit programmiert werden. Moderne KI-Tools wie Twincat CoAgent werden hierbei erheblich zur Vereinfachung beitragen.

"Künftig können auch Nicht-Programmierer kleinere Änderungen an Maschinen 
vornehmen."
Dr. Josef Papenfort, Beckhoff Automation
„Künftig können auch Nicht-Programmierer kleinere Änderungen an Maschinen
vornehmen.“ – Dr. Josef Papenfort, Beckhoff Automation
Bild: Beckhoff Automation GmbH & Co. KG

Roland Wagner, Codesys: Bei der Vorstellung des Codesys Application Composers als No-Code-/Low-Code-Plattform mischte sich in die positiven Reaktionen auch Unbehagen: ‚Was wird aus den Applikationsentwicklern?‘. Die entscheidende Hürde bei der Einführung des Composers ist aber der Aufwand: Maschinen und Applikationen müssen komplett neu durchdacht, in logische Einheiten zerlegt und dann auch in Softwaremodulen abgebildet werden. Dazu benötigt man ein übergreifendes Team – von Entscheidern über Modulentwickler bis hin zu Applikateuren, die auch weiterhin benötigt werden. Der Aufwand lohnt sich aber: Kunden, die ihn auf sich genommen haben, sind heute erheblich wettbewerbsfähiger als vorher. Die Aufgaben sind einfach sinnvoller verteilt und Applikateure können sich nun auf die Funktionen der Maschine statt auf Programmierfragen konzentrieren. In letzter Zeit bemerken wir tatsächlich eine zunehmende Nachfrage nach dem Application Composer. Die Einsparmöglichkeiten sind wirklich enorm.

Martin Naumann, Keba Industrial Automation: Nach meiner Beobachtung haben viele Kunden bei No-Code-/Low-Code-Lösungen die Sorge, dass sich einfache Aufgaben damit zwar einfach lösen lassen, dass sie bei komplexeren Aufgaben aber schnell überproportional komplex und nicht mehr beherrschbar werden oder sogar an Grenzen des Machbaren stoßen. Deshalb ist es wichtig, dass es einen Migrationspfad von No-Code-/Low-Code-Lösungen hin zu klassischen Lösungen wie z.B. Roboterprogrammiersprachen oder IEC-Programmierung gibt. Damit ist sichergestellt, dass sich einfache Aufgaben auf einfache Weise realisieren lassen, wenn die Aufgaben komplexer werden aber trotzdem alle Möglichkeiten verfügbar sind. Kunden können somit einfach mit No-Code-/Low-Code-Lösungen starten, aber mit wachsender Erfahrung und steigenden Anforderungen auch komplexere Programmiermöglichkeiten nutzen.

Jan-Philipp Liersch, Mitsubishi Electric Industrial Automation: In Gesprächen mit erfahrenen Anwendern wird oftmals die Performance bei Echtzeitanwendungen hinterfragt. Manche Lösungen scheinen nur die ersten Schritte für komplexe industrielle Aufgaben abzudecken. Dennoch beobachten wir eine wachsende Offenheit und steigendes Interesse – vor allem aufgrund des Fachkräftemangels und des Drucks zur Effizienzsteigerung. Kunden wünschen sich einfache, flexible und wartungsfreundliche Lösungen, die ohne tiefgreifende Programmierung funktionieren – und genau das bietet No-Code/Low-Code zunehmend erfolgreich.

"Anwender sollen die Sprache wählen 
können, die zu ihrer Anwendung passt."
Marko Paulat, 
Phoenix Contact"Anwender sollen die Sprache wählen 
können, die zu ihrer Anwendung passt."
Marko Paulat, 
Phoenix Contact
„Anwender sollen die Sprache wählen können, die zu ihrer Anwendung passt.“ – Marko Paulat, Phoenix Contact Bild: Phoenix Contact GmbH & Co. KG

Marko Paulat, Phoenix Contact: No-Code-Ansätze müssen zwingend vorgefertigte, konfigurierbare Lösungen mitbringen. Solche Ansätze funktionieren daher nur für spezielle Anwendungen. Komplexe Applikationen werden mit Low-Code schnell unübersichtlich. Hier sind die Programmiersprachen der IEC61131-3, vor allem strukturierter Text, oder Hochsprachenlösungen meist deutlich im Vorteil hinsichtlich Lesbarkeit und Performance. Kunden zeigen sich aber zunehmend offener gegenüber alternativen Lösungen neben der klassischen Programmierung nach IEC61131-3. Für jede Teilaufgabe eines Automatisierungsprojekts kann eine andere Programmiersprache optimal sein, z.B. für komplexe Algorithmen eine Hochsprache und für einfachere, zeitunkritische Prozesse ein Low-Code-Ansatz. Die Kunden wählen für jede Teilaufgabe den für sie gerade am besten geeigneten Lösungsweg. Mit PLCnext Technology lassen sich alle Teile auf einfache Weise miteinander kombinieren.

Andreas Volland, Pilz: Bei uns sind No-Code- und Low-Code-Ansätze seit Jahren etabliert und wir entwickeln sie kontinuierlich weiter. Die größte Herausforderung liegt dabei weniger in der Technologie. Sie liegt vielmehr in der Akzeptanz des Anwenders, weil dieser gewohnte Arbeitsweisen umstellen muss. Die Nachfrage nach intuitiven Tools steigt aktuell spürbar, insbesondere bei jüngeren Anwendern und in internationalen Märkten, weil man schnelle Ergebnisse braucht und dabei eine einfache Bedienbarkeit der Tools voraussetzt. Unsere Erfahrung ist, dass immer mehr Kunden die Möglichkeit schätzen, mit geringem Aufwand leistungsfähige und sichere Automatisierungslösungen umsetzen zu können.

 "Diese Technologien machen komplexe Automatisierung für eine breite 
Anwendergruppe 
zugänglich."
Andreas Volland, 
Pilz
„Diese Technologien machen komplexe Automatisierung für eine breite Anwendergruppe zugänglich.“ – Andreas Volland, PilzBild: Pilz GmbH & Co. KG

Franz Aschl, Sigmatek: Die industrielle Automatisierungsbranche ist erfahrungsgemäß etwas zurückhaltender bei der Einführung neuer Trends, und es gibt natürlich Herausforderungen bei einer breiten Einführung von No-Code/Low-Code-Ansätzen. Diese punkten bei einfachen Anwendungen, da man mit überschaubarem Aufwand und rasch zur Software kommt. Bei komplexeren Prozessen bieten sie oft nicht die gewünschte Flexibilität oder Performance. Für spezielle Funktionalitäten sind auch in Zukunft Programmierkenntnisse nötig. Wichtig ist, dass dem Softwareingenieur Routinearbeiten abgenommen werden, damit er seinen Fokus auf kundenspezifische Funktionen legen kann, die Mehrwert bieten. Die junge Software-Entwickler-Generation hat bereits Erfahrung mit no und low Coding und ist dadurch offen für die neue Technologien. Das gilt auch für den Einsatz von Chat-basiertem Codier-Support.

Michael Werner
Product Manager Engineering Experience
B&R
Dr. Josef Papenfort
Produktmanager Twincat
Beckhoff Automation
Roland Wagner
Head of Product Marketing
Codesys
Martin Naumann
Strategic Product Manager Technologies
Keba Industrial Automation
Jan-Philipp Liersch
Marketing Manager CE
Mitsubishi Electric Industrial Automation
Marko Paulat
Product Management Software and Safety, Business Area Industry Management and Automation
Phoenix Contact
Andreas Volland
Product Management
Pilz
Franz Aschl
Innovationsmanagement
Sigmatek