Folgen der Offenheit – Warum die Daimler AG allein für Industrial Ethernet 1,72 Mio. IP-Adressen bräuchte

Ein Arbeitskreis bei der Daimler AG hat jüngst eine Lösungsstrategie für den Einsatz von Industrial Ethernet in der unternehmensweiten Kommunikation entwickelt. Dabei ist ein interessantes Papier entstanden, das für alle, die Industrial Ethernet in ihrem Unternehmen einsetzen, einen höchst empfehlenswerten Lesestoff darstellt und über dessen Inhalte wir in dieser Ausgabe ausführlich berichten (\“Industrial Ethernet im Unternehmens-Netz\“, Seite 31ff.). Auch wurden erstaunliche Zahlen zutage gefördert: In einem Unternehmen wie der Daimler AG mit vier großen Produktionsstandorten mit zwischen 500 und 2.500 Steuerungsbereichen sowie 17 kleineren Stand-orten mit zwischen 50 und 500 Steuerungsbereichen beträgt allein die Summe der erforderlichen IP-Adressen 1,72 Millionen, wenn man 200 Ethernet-Teilnehmer pro Steuerungsbereich zugrunde legt. Dies gilt für Industrial-Ethernet-Derivate, bei denen jedem Teilnehmer eine eindeutige IP-Adresse zugewiesen werden muss, beispielsweise Ethernet/IP oder Profinet. Supergau Produktionsstillstand Ein längerer Produktionsstillstand we­gen technischer Probleme ist immer der Supergau für einen Produktionsleiter – und damit in der Regel auch für das Maintenance-Team. Die Öffnung der Automatisierungstechnik gegenüber modernen Informationstechnologien wie \’Windows-Rechner\‘ oder \’Ethernet-Kommunikation\‘ hat nicht nur eine ganze Reihe von Vorteilen mit sich gebracht, sodass sie von niemandem ernsthaft in Frage gestellt wird, sie verursacht auch zahlreiche Probleme. Bei den PC-basierten Steuerungen sind dies zunächst die Betriebssystem-bedingten Probleme gewesen (der berüchtigte Blue-screen), die heute der Vergangenheit angehören. Es folgten Viren und Würmer, Trojaner und andere Attacken (Vgl. auch \“Integritätsüberwachung zum Schutz gegen Schadsoftware\“, S.103ff. oder \“Malware-Ausbrüche im Unternehmensnetz begrenzen\“, S.106ff.). Diese gelangen durch die offene Kommunikation mit dem offenen Betriebssystem auf die Rechner. Dagegen steht, dass die offenen Systeme die Basis einer flexiblen Produktion sind, zu der es bereits heute kaum noch Alternativen gibt. Konsequenzen ausloten Natürlich gibt es Lösungen für das Problem der zahlreich benötigten IP-Adressen, wie beispielsweise die Verwendung eines NAT-Routers oder private IP-Adressen. Diese Beispiele machen jedoch deutlich, dass Anwender gut beraten sind, die Konsequenzen neuer Technologien genau auszuloten. Dabei wollen wir auch mit dieser Ausgabe wieder behilflich sein. Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen Ihr Kai Binder kbinder@sps-magazin.de