Bernhard Zangerl, CEO Bachmann electronic: \“Überzeugende Lösungen sind einfach\“

SPS-MAGAZIN: Der VDMA meldet für Deutschland Anfang diesen Jahres rückläufige Zahlen. Wie sieht die wirtschaftliche Situation für Bachmann derzeit aus? Zangerl: Wir haben mit innovativen Produkten unsere Position am Markt gestärkt und ausgebaut. Gleichwohl wurden auch wir zum Jahresende 2008 von Auftragsrückgängen im Maschinenbau sowie von Projektverschiebungen in der Windindustrie getroffen. Unsere Bilanz zum Jahresende ist dennoch positiv, unser Umsatz ist um etwa 7% gewachsen, blieb aber hinter den zum Jahresanfang 2008 gesteckten, ambitionierten Zielen zurück. In 2008 erwirtschaftete Bachmann electronic über 50Mio. Euro Umsatz. SPS-MAGAZIN: Sie hatten eine Erhöhung der Mitarbeiterzahl und einen Erweiterungsbau am Hauptsitz in Feldkirch angekündigt. Wie sieht die Sachlage heute aus? Zangerl: Wir haben im letzten Jahr 36 neue Arbeitsplätze geschaffen und stellen uns für weiteres Wachstum auf. Die Erweiterung des Headquarters, mit einem Investitionsvolumen von 18Mio. Euro, verdoppelt unsere gesamte Betriebsfläche. Sie sehen, trotz etwas schwierigerem Umfeld bleiben wir zuversichtlich. Wir verfolgen auch in stürmischeren Zeiten konsequent unsere Strategie, uns auf neue, innovative Lösungen zu konzentrieren. Schließlich bauen unsere Kunden auf unsere Innovationskraft und vertrauen uns als Technologieführer – das soll auch so bleiben. Vertrauen muss erarbeitet werden, einfach nur durchschnittlich zu sein, reicht uns nicht aus. Wir wollen Kunden für unsere Technologien begeistern, statt sie lediglich zu bedienen. SPS-MAGAZIN: Die Hannover Messe hat als Schwerpunkt die Windenergie, das ist ein strategischer Schwerpunkt von Bachmann. Zangerl: Das ist korrekt. Im Bereich Windenergie wollen wir unsere Spitzenposition als Weltmarktführer weiter ausbauen und uns neue Märkte im Bereich Erneuerbare Energien erschließen. Wir investieren gut 20% unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung, ein nicht unbeträchtlicher Teil fließt in sogenannte \’green technologies\‘. Denn gerade als Technologieführer sind wir gefordert, uns ständig weiterzuentwickeln. Auch in wirtschaftlichen Schwächephasen möchten wir für unsere Kunden heute Lösungen finden, um auf Probleme von morgen als Erster richtige Antworten geben zu können. Aber wir bauen nicht nur unsere Entwicklungskapazitäten weiter aus, sondern ebenso unsere internationale Service- und Vertriebsstruktur. Wir planen mittelfristig die Einrichtung weiterer Standorte in Europa und Asien, vor allem sollen die weltweite Logistik sowie das Service- und Supportnetz ausgebaut werden. SPS-MAGAZIN: Für 2009 erwarten Sie Wachstum? Finanzexperten sehen Wachstum in Europa erst für das Jahr 2010. Zangerl: Lassen Sie mich das so formulieren – wir blicken der Zukunft generell optimistisch entgegen. Aber für uns gibt es auch handfeste Gründe. Chancen und Potenziale im internationalen Markt und insbesondere das Marktsegment Windkraft bzw. der Bereich Erneuerbare Energien sprechen dafür. Im vierten Quartal wurde zwar unser Schwung kurzfristig etwas abgebremst, gleichwohl besitzen wir aufgrund unseres guten Ergebnisses in 2008 vollen Gestaltungsspielraum und wollen uns in jeder Hinsicht positiv weiterentwickeln. Da unsere Kunden global aufgestellt und in unterschiedlichen Branchen tätig sind, verteilt sich das Risiko und erhöht die Chancen für innovative Unternehmen, wie wir es sind. Krisen bereinigen den Markt und geben gesunden Unternehmen neue Impulse. SPS-MAGAZIN: Das klingt mir etwas zu glatt, der Abschwung scheint doch weit über eine zyklische Rezession hinauszugehen. Zangerl: Dass Sie kritisch sind, freut mich. Natürlich könnten wir beispielsweise mit dem Erweiterungsbau in Feldkirch, der auf 200 neue Arbeitsplätze ausgelegt ist, die Mitarbeiterzahl zügig erhöhen. Aber in 2009 werden wir behutsam mit neuen Stellenbesetzungen vorgehen, schließlich tragen wir die Verantwortung für alle an Bord befindlichen Mitarbeiter. Hinzu kommt, dass wir auch die internationalen Standorte mit neuen Mitarbeitern optimal aufstellen wollen. Da werden wir – wie andere namhafte Firmen auch – auf Sicht fahren und nicht das ganze Schiff zum Schwanken bringen. SPS-MAGAZIN: Lassen Sie uns zu den technischen Highlights kommen. Ihr Anspruch ist, Technologieführer im Bereich Windenergie zu sein. Was bieten Sie Ihren Kunden dafür? Zangerl: Wir haben auf Windenergie gesetzt, als andere dieses Feld kaum als Chance sahen oder es eher kritisch beurteilten. Wir sind seit rund zehn Jahren in diesem Segment aktiv und hatten einfach auch das notwendige Quantum Glück des Tüchtigen, weil wir mit den richtigen Lösungen die richtigen Partner zur richtigen Zeit betreut haben. In den letzten fünf Jahren hat sich dieser Markt stürmischer entwickelt, nicht zuletzt wegen der politischen Awareness und ökologischer neuer Faktenlage. Wir haben einen signifikanten Vorsprung, das zeigt unsere enge Zusammenarbeit mit Kunden und ihre hohe Zufriedenheit mit dem Gesamtprodukt. Wir verstehen uns nicht als Lieferant, sondern sind ein kompetenter, mit hohem Branchenwissen ausgestatteter Partner für unsere Kunden. Gemeinsam mit dem Kunden und seinen individuellen Wünschen erarbeiten wir seine spezifischen Lösungen. Ausgehend von international akzeptierten Standards bekommen unsere Kunden ein maßgeschneidertes Package. Das setzt sich zusammen aus hoher Produktqualität, robusten und hoch zuverlässigen Lösungen, einem exzellenten Service, Schnelligkeit in der Reaktion, Lieferfähigkeit, Termintreue und qualifizierter Vor-Ort-Betreuung. Unsere Kunden schätzen uns als hochkompetenten Branchenexperten, der ihnen wertvolle Hilfestellungen bei Fragen bietet, die weit über die eigentliche Steuerungstechnik hinausgehen. SPS-MAGAZIN: Und im Maschinenbau, worauf liegt hier Ihr Fokus? Zangerl: Im Maschinenbau fragen Kunden technologisch besonders anspruchsvolle Anwendungen nach. Besonders stark sind wir in Segmenten, wo wir mit spezifischem Branchenwissen entsprechenden Mehrwert für unsere Kunden generieren können. Unsere Stärken spielen wir insgesamt bei technologisch anspruchsvollen Anwendungen aus, die hohe Anforderungen an die Leistungsfähigkeit des Systems stellen. Kurz – wir bieten bei komplexen Anwendungen eine möglichst unkomplizierte, zuverlässige Lösung. Denn überzeugende Lösungen sind einfach: Sie sind einfach handhabbar dank innovativster Softwaretools, bieten Offenheit durch konsequenten Einsatz von etablierten Standards und gewähren Investitionssicherheit durch entsprechende Langzeitverfügbarkeit und -kompatibilität. Wir bieten aber nicht nur verblüffend einfache, sondern vollintegrierte Komplettlösungen. Dafür stehen \’Safety Inside\‘, Antriebs- und Steuerungstechnik sowie Bedienung und Visualisierung aus dem Hause Bachmann electronic. SPS-MAGAZIN: Sind komplexe Anwendungen nicht oftmals auch teuer? Zangerl: Unsere Kalkulation und unser Pricing sind anders ausgelegt. Für uns ist eine optimale Kundenlösung höhergewichtig als der kurzfristige Profit. Der schnelle, monetäre Vorteil trägt nicht zum Nutzen unseres Unternehmens bei. Wir betrachten Kunden als Partner und bieten Lösungen an, die von hoher Fairness geprägt sind. Wir bauen unsere Kundenbeziehung auf einer ehrlichen, offenen Kommunikation auf. Wie bei erfolgreichen Geschäften üblich, soll für beide Seiten mittel- und langfristig eine Win-Win-Situation generiert werden. Das nehmen wir ernst, das tragen auch unsere Mitarbeiter voll mit. Einzelkämpfer kommen bei uns nicht sehr weit – wir arbeiten im Team und gemeinsam an Projekten. Wir begleiten unsere Kunden durch den ganzen Prozess bis zur fertigen Lösung. Und wir sind überzeugt, dass gerade diese Faktoren entscheidend in kriselnden Zeiten sind. Wichtig sind uns die Mitarbeiter, die Kunden und unsere Produkte. Aus diesem Drei­klang resultieren von Menschen geschaffene Innovationen. Der Markt entscheidet allerdings, ob eine Innovation eine solche ist oder nicht. Der eine oder andere mag jetzt stutzen, aber das wird bei abstrakt formulierten Innovationen oftmals vergessen: Menschen innovieren, nicht Maschinen oder Roboter. Letztere sind das Resultat, aber Menschen begründen oder treiben den Innovationsprozess voran. Und hierin sind wir stark. SPS-MAGAZIN: Für Maschinenbauer steht die neue Maschinenrichtlinie nahe am Horizont. Welche Wege bieten Sie für bestehende und künftige Applikationen an? Zangerl: Wir haben bereits frühzeitig entsprechende Produkte entwickelt. Neben den zusätzlichen Hardware-Aufwendungen durch die Sicherheitssteu­erung ist vor allem der Engineering-Aufwand als relevante Größe zu veranschlagen. Wir bieten Kunden eine vollintegrierte Lösung, das heißt ein einziges Software-Tool reicht aus zur Konfiguration, Programmierung, Inbetriebnahme und im späteren Betrieb. Das gilt für die Standard- und Sicherheitssteuerung und eröffnet volle Hardware-Kompatibilität. Um das zu unterstreichen: Bei Bachmann lassen sich auch bestehende Lösungen ohne aufwendige Einlern-, Engineering- und Umbauarbeiten in einfachster Weise, entsprechend den normativen Anforderungen, erweitern. SPS-MAGAZIN: Zur Hannover Messe 2008 war bei Ihnen das Thema Safety präsent, einige Neuheiten waren bereits zur SPS/IPC/Drives zu sehen. Zangerl: Das stimmt. Mit \’Safety Inside\‘, der integrierten Sicherheitstechnik im Bachmann M1-System, waren wir erstmals in Nürnberg 2008 präsent. \’Integrated Safety\‘ erhöht den Komfort und die Sicherheit für Kunden. Wir präsentieren auch eine Erweiterung unserer Terminalbaureihe mit kompakten Kleinterminals der OT100-Reihe. Außerdem lancieren wir für die vollintegrierte Signalanalyse mit MATLAB/Simulink eine neue Softwareversion unseres Werkzeugs \’M-Target for Simulink\‘, welches nun u.a. über erweiterte Möglichkeiten der synchronen und asynchronen Signalanalyse verfügt. SPS-MAGAZIN: Nochmals kurz zu Ihrer Safety-Kampagne. Was ist neu auf der Hannover Messe 2009? Zangerl: Hier nenne ich vorrangig unseren Safety Developer. Wir bieten zur Abrundung der vollintegrierten, programmierbaren Safety-Lösung jetzt eine Werkzeugsammlung zur sicherheitsgerichteten Applikationsprogrammierung an. Als zentrale Schnittstelle zwischen Programmierer, Benutzer und Hardware unterstützt der Safety Developer gemeinsam mit den anderen Teilen des SolutionCenters die wirtschaftliche Umsetzung und den durch die Hardware vorgegebenen hohen Sicherheitsstandard. Der Safety Developer unterstützt den Programmierer in vielfacher Hinsicht. Safety-Applikationen lassen sich mit der vorgestellten Toolbox sicherer und schneller programmieren, visualisieren und warten. Alle sicherheitsrelevanten Zugriffe werden automatisch dokumentiert, und die intelligente Auswertung der Systemstatusinformationen unterstützt den Bediener bei der Fehlerbehebung. Bei allem gilt das Motto: Safety heißt nicht Stopp! SPS-MAGAZIN: Lassen Sie uns über Ihre zukünftigen Pläne sprechen. Welche Branchen werden Sie mit Ihren Technologien noch angehen, wie stark werden Sie diversifizieren? Zangerl: In definierten Zielsegmenten oder attraktiven Nischen werden wir zukünftig aktiv sein, zu nennen wäre kurzfristig der Bereich \’Marine & Offshore\‘. Wir diversifizieren aber nicht nach schierer Masse, sondern bauen Know-how dort aus, wo wir exzellente Leistung erbringen können. Mit \’Maximale Flexibilität nach außen und möglichst einheitliche Konzepte und Lösungen nach innen\‘ möchte ich unsere vorrangige Bestrebung umschreiben, mit standardisierten Plattformen und unter Berücksichtigung der jeweiligen Branchenspezifika verschiedene Anforderungen optimal zu erfüllen. Bei der Produktqualität und Langzeit-Performance, auch unter schwierigsten Umgebungsbedingungen, nehmen wir keine Kompromisse hin. Wir streben stets nach der besten Lösung und differenzieren in unseren internen Qualitätskriterien nicht nach Branchen oder Anwendungen, sodass jeder Kunde von höchsten Qualitätsstandards profitiert. (kbn) Kasten 1: Zahlen & Fakten zu Bachmann electronic Das international tätige Hightech-Unternehmen Bachmann electronic mit Stammsitz in Feldkirch (Vorarlberg), Österreich, bietet komplette Systemlösungen im Bereich der Automatisierungstechnik. 1970 von Gerhard Bachmann gegründet, beschäftigt der Spezialist für Steuerungslösungen mehr als 350 Mitarbeiter an Standorten in Österreich, Deutschland, Holland, Dänemark, der Tschechischen Republik, den USA, China und Indien. Im Geschäftsjahr 2008 hat das Unternehmen einen Umsatz von über 50,4Mio. Euro erwirtschaftet. Derzeitige Hauptproduktlinien sind Steuerungs-Hardware und -Software, Visualisierungs-Hardware und Servoregler. HMI-Stand: Halle 9 Stand F67