Desktopvirtualisierung löst Dilemma beim DTM-Deployment

Der Standard FDT erleichtert nicht nur das Engineering und die Parametrierung intelligenter Feldgeräte, sondern unterstützt auch den Anlagenbediener und den Wartungstechniker durch Diagnosemöglichkeiten in Form von gerätespezifischen grafischen Benutzerschnittstellen (GUI). Meldet das Leitsystem einen Fehler für ein Feldgerät, kann der Anlagenbediener den Zustand dieses spezifischen Feldgerätes online mithilfe der Dialoge des entsprechenden Device Type Managers (DTM) im Detail analysieren. Am besten wird dabei zu einem gemeldeten Fehler gleich automatisch die passende DTM-Benutzerschnittstelle angeboten. Beim Betrieb von größeren Anlagen, mit einer Vielzahl von manchmal auch räumlich verteilten Bedienstationen, stößt FDT in seiner heutigen Form allerdings zuweilen an seine Grenzen. Neben der FDT-Rahmenanwendung müssen auch alle im Projekt verwendeten DTMs auf allen Computersystemen installiert werden, auf denen die Benutzerschnittstellen dieser DTMs angezeigt werden sollen. Diese Verteilung von Komponenten auf viele Computersysteme und vor allem die Aktualisierung der Installationen bei Software-Updates ist aufwändig und fehleranfällig. Desktiopvirtualisierung Diese Problematik lässt sich jedoch durch den Einsatz von aktuellen Technologien zur Desktopvirtualisierung umgehen. M&M Software hat dazu das Konzept des Remote FDT Servers entwickelt, das auf der geschickten Kombination von Virtualisierungstechnologien mit den hauseigenen FDT Container Produkten beruht. Statt auf allen Bedienstationen werden die benötigten DTMs ausschließlich auf einem einzigen zentralen PC-System installiert, dem Remote FDT Server. Zusätzlich wird dort auch die FDT Container application installiert, mit der die FDT Projekte der Anlage gepflegt werden. Wird beim Anlagenbetrieb eine bestimmte Ansicht eines spezifischen DTMs auf einer Bedienstation benötigt, so wird die zugehörige GUI Komponente des DTMs nicht lokal auf dem Bediensystem gestartet. Stattdessen wird eine Nachricht an den Remote FDT Server gesendet, der die gewünschte Ansicht lokal in einer FDT-Rahmenanwendung startet und den Inhalt per Remote Desktop freigibt. Dieser Remote Desktop wird dann in einem Fenster auf der Bedienstation angezeigt. Alle Eingaben des Bedieners in diesem Fenster werden an die Oberfläche auf dem Remote FDT Server weitergeleitet. Als Basistechnologie für die Remote Desktops wird VNC (Virtual Network Computing) eingesetzt. Virtual Network Computing VNC beruht auf einem offenen Standard zur Desktopvirtualisierung, der sowohl physikalische Rechner als auch virtuelle Maschinen unterstützt. Für VNC sind Clientkomponenten für verschiedene Betriebssysteme verfügbar. Damit lassen sich DTM Benutzerschnittstellen in viele existierende Scada-HMI visuell integrieren, auch in Web-basierte Systeme und nicht nur auf Windows Plattformen. Das Konzept beinhaltet schlanke Anzeigekomponenten für die Client-Seite, die die einfache Integration der Remote Desktops in bestehende Scada-Systeme ermöglicht. Die verwendete FDT-Rahmenanwendung wird so umgestaltet, dass sie nur die für den Anlagenbetrieb notwendigen und erlaubten Funktionen bereitstellt. Remote FDT Server Der Remote FDT Server stellt Web Services bereit, die es dem Clientsystem (in diesem Fall der Operator Station) ermöglichen, die FDT-Rahmenanwendung auf dem Remote FDT Server so fernzusteuern, dass beim Start der Anzeigekomponente die für den aktuellen Fehlerkontext passende Ansicht angezeigt wird. Eine Kontext-Datenbank auf dem Remote FDT Server enthält Informationen darüber, welche DTM Funktionen zu welchem Fehlerkontext angezeigt werden sollen. Diese Datenbank kann automatisch aus vorhandenen Engineering-Daten generiert werden, sodass der projektspezifische Konfigurationsaufwand für den Remote FDT Server minimiert werden kann. Die Bereitstellung von bestimmten Engineering-Funktionen per Remote Desktop muss jedoch nicht auf FDT beschränkt bleiben. Grundsätzlich ist jede Anwendung in einen solchen Remote Server integrierbar. Sogar dann, wenn die zu integrierende Anwendung selbst keine passende Programmierschnittstelle zur Fernsteuerung der Anzeige bereitstellt. In einem solchen Fall kann durch den Einsatz von UI Automation eine Ansteuerung von außen erfolgen, ohne dass die vorhandene Anwendung modifiziert werden muss. UI Automation ist eine Technologie von Microsoft, die vor allem beim automatisierten Testen von Windowsanwendungen zum Einsatz kommt. Sie kann aber generell zu Fernsteuerung und Automatisierung von Anwendungen eingesetzt werden. Fazit So wird aus dem Remote FDT Server eine Remote Operation Station. In einer erweiterten Ausbaustufe dient diese auch als Host für Virtuelle Maschinen (VM). Für jede Anwendung wird eine eigene VM mit der jeweils benötigten Betriebssystemversion bereitgestellt. Eine entsprechende Hardwarebasis vorausgesetzt, ergibt diese Kombination verschiedener Technologien eine robuste Anwendungsarchitektur. Die Remote Operation Station stellt nützliche Diagnosefunktionen aus vorhandenen Engineering-Werkzeugen für den verteilten Einsatz in der Anlage zentral bereit. Die Lösung lässt sich flexibel an verschiedene Anforderungen anpassen und integriert sich auch hervorragend in bestehende Systemlandschaften. Für den Endkunden wird der Pflegeaufwand für die installierte Basis von DTMs deutlich reduziert.