Mit dem TIA Portal lassen sich alle Komponenten einer Automatisierungslösung in einer Software-Umgebung projektieren und programmieren. Das Engineering Framework von Siemens unterstützt das ständig wachsende Produktportfolio des Ausrüsters. Das heißt, Steuerungen, Antriebe, Peripherie- und HMI-Geräte sind aus einer Hand. So ist von Hause aus ein abgestimmtes Zusammenspiel gewährleistet. Implementiert sind insbesondere alle aktuellen Controller der Familien Simatic S7-300/-400/-1200 und -1500. Das ermöglicht die im letzten Beitrag in Ausgabe 11/2014 des SPS-MAGAZINs beschriebene Skalierbarkeit in Leistung und Funktionalität und damit kosteneffiziente Lösungen für alle Aufgaben. Einmal für eine Controller-Familie erstellte Programme sind grundsätzlich auf leistungsfähigere neuere Varianten übertragbar, etwa nach Funktionserweiterungen einer Maschine oder Anlage.
Engineering-Mehrwert: zentrale Datenhaltung
Echter Engineering-Mehrwert resultiert aus der zentralen Datenhaltung für alle Komponenten einer Anwendung, welche die Grundlage ist für durchgängig konsistente Projekte. So werden zum Beispiel Änderungen an einer Variablen im Controller-Teil automatisch vom Engineering-System auch im HMI-Teil eines integrierten Projekts übernommen (Bild 1). Das spart Aufwand und somit Zeit. Dabei bleibt es grundsätzlich dem Maschinenbauer überlassen, ein integriertes, gemeinsames Projekt für Controller und HMI oder separate Projekte zu erstellen. Ebenso ist nachträgliches Integrieren oder Splitten von Projekten einfach möglich, beispielsweise um Funktionalitäten in/aus andere/n Anwendungen zu übernehmen.
Einfaches, effizientes Handling
Einfacher, intuitiver, komfortabler und dadurch effizienter als in vielen anderen Systemen ist das gesamte Handling durch TIA Portal geworden. Ein einheitliches Look&Feel in allen Programmteilen und Editoren macht den Einstieg sehr leicht. Zeitgemäße Mittel und Methoden der Bedienung wie automatisch Vervollständigen, kontextsensitive Auswahlen, Drag&Drop oder Copy&Paste führen schneller denn je zum Ziel. So auch die Vernetzung von Teilnehmern durch einfaches grafisches Verbinden der entsprechenden Schnittstellen per Mausklick, wobei das Engineering-System das Handling auf Plausibilität überwacht und im Hintergrund die erforderlichen Strukturen automatisch anlegt. Gleiche Funktionen werden durchgeführt bei der Anbindung eines Antriebs an einen Controller durch grafisches Verschalten in den Technologieobjekten (TO) (Bild 3). Dieses Projektieren statt Programmieren vereinfacht und verkürzt das Engineering im Vergleich zum bisher erforderlichen händischen Einrichten und Programmieren von Verbindungen deutlich. Hinzu kommt, dass auch sämtliche Systemdiagnosemeldungen aller vernetzten Siemens-Komponenten automatisch zur Verfügung stehen – auch wenn die CPU in Stopp ist. Die Gründe: weil diese über die Firmware und nicht in Programmbausteinen realisiert sind – und dies auf allen vernetzten Komponenten einheitlich. So finden sich Diagnosemeldungen auf einem HMI-Gerät, dem Onboard-Display der CPU (soweit vorhanden) beziehungsweise per Status-LED an den Geräten und via Webserver. Dazu muss nichts programmiert werden. Der Code bleibt kompakt und übersichtlich und der Nutzer kann sich auf das Wesentliche konzentrieren. Neben der Systemdiagnose bietet der Trace die Analyse von fehlerhaften Signalverläufen in der Applikation, deren Möglichkeiten mit der Leistungsfähigkeit der CPU wachsen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Formen der Ferndiagnose beziehungsweise -bedienung, vom integrierten Webserver über einen Teleservice-Adapter bis hin zu den etablierten Sm@rtserver-Funktionen unter WinCC.
Aus Bibliotheken heraus modularisieren und standardisieren
Neu im TIA Portal und bislang einzigartig in der Automatisierungswelt ist das sogenannte Bibliothekskonzept. Damit lassen sich im Prinzip beliebig komplexe Programmteile, vom einzelnen Funktionsbaustein bis zum Maschinenmodul, abspeichern und anschließend einfach wiederverwenden. Wahlweise im jeweiligen Projekt oder projektübergreifend und somit unternehmensweit nutzbare Bibliotheken ermöglichen auf komfortable Weise einen modularen, standardisierten Maschinen- und Anlagenbau aus dem Baukasten. Das beschleunigt Neu- und Weiterentwicklungen, verkürzt die Time to Market und erhöht die Engineering- und Projektqualität. Um auch bei wachsender Modulvielfalt den Überblick zu behalten und die Bibliotheks- und die Projektpflege zu vereinfachen, können sogenannte Bibliothekstypen generiert und versioniert werden. Danach erzeugt das Engineering-System nach jeder Änderung eines Bibliothekstypen automatisch eine neue Version. Diese lässt sich wiederum automatisiert und einschließlich aller unterlagerten Elemente in allen existierenden Projekten und Bibliotheken per Knopfdruck automatisch aktualisieren. Damit ist es einfach möglich, eventuelle Fehler in Bibliothekstypen schnell lokal beziehungsweise global zu eliminieren oder Funktionserweiterungen oder Updates automatisiert aufzuspielen.
















