Gigabit-Ethernet-Kamera eröffnet neue Anwendungsarchitekturen

Die PicSight Smart GigE sieht genauso aus wie eine PicSight GigE-Kamera. Auch die Auswahl an Sensoren und optischen Filtern ist identisch. Lediglich an der Aufschrift auf dem Typenschild ist der Unterschied erkennbar. Genauso einfach lässt sich die Kamera in GigE Vision-kompatible Bildverarbeitungssoftware integrieren und benutzen. Zusätzlich birgt das Maschinenauge einen 32Bit-RISC-Prozessor unter seinem Gehäuse, der sie zu einer echten intelligenten Kamera macht. Mit ihr lassen sich autonom arbeitende Bildverarbeitungsanwendungen zu einem Preis realisieren, der nur wenig über dem einer normalen GigE-Kamera liegt. Noch interessanter sind die Möglichkeiten, die sich aus der Kombination mit der GigE-Schnittstelle und der Orientierung am GigE-Vision-/GenICam-Standard ergeben. Da sowohl die Kameraseite als auch die Host-Seite programmierbar sind, kann man nicht nur den Funktionsumfang der Kamera erweitern, es lassen sich auch Bildverarbeitungsaufgaben zwischen Kamera und Host-PC leicht verteilen. Die Kommunikation und Datenübertragung erfolgt standardisiert über GigE-Vision. Da sich die PicSight Smart GigE wie eine normale GigE-Kamera verhält, kann sie Halcon, MIL, LabView, VisionPro, Common Vision Blox und andere Bibliotheken nutzen. Zusätzliche Kamera-Funktionen Mit wenig Programmieraufwand lässt sich der Funktionsumfang der PicSight Smart GigE anpassen und erweitern. So kann die Kamera beispielsweise zusätzliche Steuerungsaufgaben für eine Sequenzsteuerung, erweiterte Beleuchtungssteuerungen oder andere Hardware übernehmen. Durch die Möglichkeit, für die Parametrisierung eigener Funktionen, GenICam-Register zu nutzen, lässt sich die Steuerung dafür über GigE-Vision realisieren und steht direkt im Feature-Tree von GenICam/GigE-Vision-kompatiblen Anwendungen zur Verfügung. So können Funktionen direkt auf der Kamera integriert werden, die sonst anderweitig gelöst werden müssten. Die Kamera bleibt trotz der Funktionsereiterungen GenICam-kompatibel. Einige Funktionen, z.B. ein Lenscontroller zur Ansteuerung motorisierter Objektive, gehören zum Standardumfang der PicSight Smart GigE. Die Orientierung am GenICam/GigEVision-Standard bringt nicht nur den Vorteil der Kompatibilität. Programmierer, die das GenAPI kennen, bewegen sich in gewohntem Umfeld. Anwender, die noch nicht damit gearbeitet haben, investieren ihren Lernaufwand in einen weit verbreiteten und gut dokumentierten Standard. Verteilte Bildverarbeitung Da es sich bei der Smart GigE um eine echte Intelligente Kamera mit GigE-Interface handelt, können auch Teile der Bildverarbeitung direkt auf der Kamera erfolgen. Zur Realisierung stehen als Bibliotheken das freie OpenCV und Halcon Embedded von MVTec zur Verfügung. So können z.B. Bilder auf der Kamera vorverarbeitet und ausgewählt werden, die anschließend über die GigE-Schnittstelle zum Host-PC gesendet werden. Dieser kann dann die eigentliche Auswertung übernehmen. Das ist besonders beim synchronen Einsatz mehrerer Kameras interessant, um Netzwerk und Host-CPU zu entlasten und einen sicheren und robusten Übertragungsweg zu gewährleisten. Umfangreiche Werkzeuge Um die Evaluierung und Programmierung zu vereinfachen, bietet Leutron Vision für seine Kameras die kostenlose Simplon Developer Suite an. Der Simplon-Explorer beinhaltet einen Kamera-Viewer zur Darstellung von Kamerabildern, einen GenICam-Feature-Tree-Browser, Sourcecode-Generator und ein Dokumentationssystem, das zusätzlich zur Beschreibung der GenICam-Funktionen Hilfe und Beispiele für deren Verwendung im Sourcecode enthält. Nach dem Auswählen der angeschlossenen Kamera werden sämtliche Funktionen der Kamera im GenICam-Feature-Tree in einer Baumstruktur angezeigt. Die dazugehörigen Parameter können direkt verändert werden. Die Dokumentation zur jeweiligen Funktion und ihrer Verwendung wird in einem Fenster unterhalb des Feature-Trees angezeigt. Programmcode