SPS: 2009 hat der ZVEI ermittelt, dass mit der Modernisierung der elektrischen Antriebe in Maschinen und Anlagen der deutschen Industrie und des Gewerbes 27Mrd.kWh jährlich eingespart werden könnten. Wieviel wurde seither modernisiert und dadurch eingespart? Das ist schwer einzuschätzen. Wir führen keine Statistik darüber, was zur Modernisierung von Altanlagen oder für Neuanlagen eingesetzt wird. Allerdings brachte das Krisenjahr 2009 kräftige Absatzeinbrüche von über 30% sowohl bei den Drehstrommotoren als auch bei den elektronischen Drehzahlregelungen. Die Investitionszurückhaltung war deutlich spürbar. Außerdem sprechen wir über langlebige Wirtschaftsgüter. Bei einer durchschnittlichen Modernisierungs- bzw. Austauschrate der Antriebe von 3 bis 5% pro Jahr und schätzungsweise 35Mio. installierten Antrieben in Deutschland würde der Austausch 20 bis 25 Jahre dauern. Dabei müssen die Unternehmen auch bereit sein, bei Austausch oder Umbau die höherwertigen und jeweils aktuellsten Energiesparprodukte und Systeme einzusetzen. SPS: Wie hoch schätzen Sie das Einsparpotenzial, das in der Industrie mit drehzahlgeregelten Antrieben bzw. Antrieben mit höheren Wirkungsgraden zu heben wäre? Nimmt man die erweiterte Berechnungsbasis Industrie, Gewerbe und öffentliche Einrichtungen sowie die erhöhten Anforderungen aus der europäischen Motorenrichtlinie, so kommt man auf ein Einsparpotenzial von 38Mrd. kWh jährlich (Europa 135Mrd.) beim flächendeckenden Einsatz von elektronischen Antriebsregelungen und Energiesparmotoren. SPS: Weshalb lassen Unternehmen die Chance, über die Energieeffizienz auch enorme Stromkosten zu sparen, derzeit noch ungenutzt? Dieses Verhalten kann man aus dem persönlichen Bereich ableiten. Die Kaufkriterien sind in der Regel Preis, Leistung und vielleicht noch die Qualität. Energieverbrauch und Betriebskosten spielen kaum eine Rolle. Das kann man 1 zu 1 auf die Entscheidungsträger in der Industrie übertragen. Der für die Anschaffungen verantwortliche Einkäufer hat keine Anreize, einen etwas höheren Preis zu zahlen, um die anschließenden, nicht von ihm verantworteten Betriebskosten um ein Mehrfaches zu senken. Der Marktanteil der IE2-Motoren erreichte im vergangenen Jahr gerade mal 17%. Der große Rest waren IE1-Motoren. IE3-Motoren spielen praktisch noch keine Rolle. Das ist der EU-Kommission bei weitem zu wenig. Deshalb hatte sie die freiwillige Vereinbarung mit den europäischen Motorenherstellern aufgekündigt und eine Motorenrichtlinie erlassen. Diese hebt per Dekret den Marktanteil der IE2-Motoren bis 16. Juni 2011 auf 100%. IE3-Motoren und elektronische Drehzahlregelungen werden ab 1. Januar 2015 adressiert. SPS: Welche Rolle spielt die ErP-Verordnung 2009/125/EG, um diese Energiepotenziale zu nutzen? Die elektrische Antriebstechnik wurde hinsichtlich ihres Energieverbrauchs erstmals in ihrer Geschichte gesetzlichen Regelungen unterworfen. Die Motorenrichtlinie ist erst der Anfang. Weitergehende Anforderungen auch in Richtung Systeme und Anwendungen werden in der EU-Kommission diskutiert. Der ZVEI und die Antriebshersteller haben sich lange gegen gesetzliche Zwänge gesträubt. Wir konnten die Richtlinie nicht verhindern, in langwierigen Verhandlungen aber in praktikable Bahnen lenken. Die Richtlinie richtet sich gleichermaßen an Hersteller und Anwender. Beide sind in der Verantwortung. Nun werden wir unsere Informationsangebote verstärken und Anwendern Hilfestellung anbieten, wie sie in diesem komplexen Umfeld zukunftssichere Investitionen tätigen können. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die Herausgabe der ZVEI-Broschüre \’Normen und gesetzliche Anforderungen an die Energieeffizienz von Niederspannungs-Drehstrommotoren\‘. SPS: Sind die Antriebshersteller auf die Nachfrage nach IE3-Motoren gerüstet? Das ist individuell verschieden. Jeder Hersteller muss seinen eigenen Weg finden. Die Motorenhersteller tauschen im ZVEI ihre Erfahrungen aus und erhalten frühzeitig die notwendigen Informationen. Sie müssen aber jeder für sich entscheiden, wann sie umstellen und ob sie in Zukunft zwei oder gar drei Motorenreihen parallel produzieren und anbieten. Denn die ErP-Richtlinie gilt nur für den europäischen Wirtschaftsraum. International werden weiterhin IE1-Motoren und sogar darunter mit entsprechend niedrigeren Preisen gehandelt. Das nimmt zwar immer mehr ab, weil China, USA und andere Länder ähnliche Mindestanforderungen eingeführt haben oder planen. Der Weltmarkt für Motoren unterhalb IE2 bleibt aber auf absehbare Zeit noch erheblich. Wie sich der IE3-Motorenmarkt entwickelt, ist derzeit noch nicht absehbar. IE3-Motoren sind ja erst ab 2015 adressiert. Zunächst steht die Umstellung auf IE2 an. Das muss erst einmal finanziell verkraftet werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang der Vertrauensschutz. Ein Motor darf zeitlich unbegrenzt nach den am Tag des (Erst-)In-Verkehr-Bringens geltenden Bestimmungen verwendet oder weiterverkauft werden. SPS: Sie sind nicht nur der Vorsitzende des ZVEI-Fachbereichs Elektrische Antriebe, sondern auch Vorsitzender des Aufsichtsrats eines Antriebsherstellers. Welche energieeffizienten Antriebs-Lösungen bietet Baumüller an? Wichtig ist uns vor allem, unsere Kunden bei Thema Energieeffizienz von Anfang an zu unterstützen: Die Auswahl der richtigen Antriebskomponenten und vor allem deren richtige Dimensionierung ist eine wichtige Voraussetzung, um das Potenzial ausschöpfen zu können. Sowohl Synchron- als auch Asynchron-Motoren lassen sich heute im Drehzahl- und somit im Leistungsbereich sehr fein abstufen. Diese leistungsmäßige Differenzierung macht es möglich, Motoren je nach Applikation am Nenn-Arbeitspunkt und somit energieoptimal zu betreiben. Unsere Servomotoren und Umrichtern entsprechen zudem bereits seit Jahren den Anforderungen der Wirkungsgradklasse IE2 und besser. Häufig stellt auch der Wechsel von der klassischen Motor-Getriebe-Kombination zur Direktantriebstechnik eine Option dar, da hier die energieintensiven mechanischen Übertragungselemente im Antriebe wegfallen. Rückspeisefähige Umrichter, die beispielsweise beim Bremsen freiwerdenden kinetische Energie nicht in Wärme umwandeln, sondern über einen Zwischenkreis ins Netz zurückspeisen, tragen ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Optimierung der Energiebilanz bei. SPS: An welchen Entwicklungen tüfteln Ihre Ingenieure im Bereich der Antriebstechnik derzeit? Wir sind gerade dabei, das Thema Energieeffizienz in sizemaXX, unsere Software zur Antriebsdimensionierung, zu integrieren. Um das maximal Energieeinsparpotenzial erreichen zu können, müssen Maschinen und Anlagen nicht nur exakt auf die Anforderungen der jeweiligen Applikation ausgelegt werden, sondern auch unter Effizienzgesichtspunkten. sizemaXX wird künftig beide Aspekte berücksichtigen, um die optimale Antriebslösung zu finden. SPS: Wie sieht die Verteilung der IE1-, IE2- und IE3-Motoren aus, die derzeit in industriellen Anlagen zu finden sind? Den IE3 Anteil können wir derzeit praktisch noch auf null setzen. Der deutsche (und europäische) Marktanteil der IE2-Motoren lag 2009 bei 17%, der von IE1 bei 82% und der von Motoren unterhalb IE1 nur noch bei 1%. Insgesamt wurden entsprechend der europäischen CEMEP-Statistik von den europäischen Motorenherstellern bis 2009 etwa 4Mio. IE2-Motoren verkauft. Wie viele dieser Motoren in Europa eingesetzt oder exportiert wurden, kann man aus der Statistik nicht herleiten.
Günter Baumüller über Einsparpotenziale elektrischer Antriebstechnik \“Die Motorenrichtlinie ist erst der Anfang\“
-
-
Skalierbare IPC-Plattform
Spectra bietet mit der MD-3000-Serie von Cincoze eine modulare Embedded-Computer-Plattform an, die speziell für Machine-Vision-Anwendungen ausgelegt ist.
-
Retrofit für die Industrie 4.0
So lassen sich alte Steuerungen wirtschaftlich OPC-UA-fähig machen
Viele Produktionsanlagen arbeiten noch mit Steuerungen, die seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst verrichten. Für Industrie-4.0-Anwendungen müssen diese Systeme jedoch zunehmend in moderne Datenarchitekturen eingebunden werden. Retrofit-Lösungen ermöglichen es,…
-
KI perfektioniert Phishing-Angriffe – von personalisierten Mails bis zu Voice Cloning
Wenn Maschinen Vertrauen imitieren
Die KI generiert nicht nur immer neue Hacker-Tools, sondern verbessert die Glaubwürdigkeit von Phishing Mails durch perfide Tricks. Doch auch die Gegenseite rüstet sich mit KI-Tools gegen digitale…
-
Interview: Wie neue EU-Regularien Maschinenbauer zu sicheren Kommunikationsarchitekturen zwingen
„Cybersecurity ist heute keine Option mehr“
Mit neuen regulatorischen Vorgaben wie dem Cyber Resilience Act steigt der Druck auf Maschinenbauer und Gerätehersteller, Cybersecurity systematisch in ihre Produkte zu integrieren. Gleichzeitig eröffnet eine sichere Kommunikationsinfrastruktur…
-
ABB Robotics ernennt neuen Cluster-Manager für DACH-Region
ABB Robotics hat Marc-Oliver Nandy zum Cluster-Manager für die DACH-Region ernannt.
-
Für sichere Maschinennetzwerke
Industrial Security-Gateway und Maschinenfirewall
Sichere Maschinennetzwerke werden mit den aktuellen Vorgaben der Europäischen Maschinenverordnung und der IEC62443…
-
Für die DACH-Region
Schneider Electric: Neuer Vice President Secure Power
Schneider Electric hat Marco Geiser zum neuen Vice President Secure Power DACH ernannt.
-
Yaskawa strukturiert Führungsspitze in Europa um
Yaskawa hat eine Neustrukturierung der Geschäftsführung in seiner europäischen Zentrale vorgenommen.
-
Lebensmittelkonformer Oberflächenschutz
Aluminium-Antriebe
Mit NXD Tuph von Nord Drivesystems können Anwender auch in hygienesensiblen Applikationen von…
-
Für datenintensive Industrieumgebungen
1HE-Rack-PC
Für PXI-Testsysteme, Echtzeitanwendungen und die Industrieautomation sind hohe Datenraten, geringe Latenzen und flexible…
-
Spürbarer Dämpfer in den Bestellungen
Maschinenbau-Auftragseingang im Februar
Der Auftragseingang im Maschinenbau ist im Februar abermals gesunken und die Stimmung der…
-
Feldbuskoppler
Feldbus und Anzeige konsequent integriert
In Profinet-basierten Anlagen übernimmt das PN220 von Motrona die Funktion eines Feldbuskopplers und…
-
Seit März
Hannover Messe erhält eigenen Geschäftsbereich
Zum 1. März hat die Deutsche Messe einen eigenständigen Geschäftsbereich eingerichtet, der sich…
-
Ifo-Konjunkturumfrage
Unternehmen planen mit höheren Preisen
Deutlich mehr Unternehmen in Deutschland planen mit höheren Preisen.
-
Ann Fairchild neue CEO
Siemens USA unter neuer Leitung
Siemens hat Ann Fairchild zur neuen Geschäftsführerin von Siemens USA ernannt.
-
IO-Link Safety: Sicherheit vernetzt im Feld
Die Automation ändert sich rasant – sicherheitstechnische Anforderungen ebenso. Mit IO-Link Safety entsteht…
-
Mit integrierter Sicherheitstechnik
MDR-Controller für die Intralogistik
Die IP54-geschützten MDR-Controller EP741x von Beckhoff sind je nach Bedarf mit und ohne…
-
Professor Dr. Jörn Müller-Quade
Wibu-Systems beruft Kryptografie-Experten in Aufsichtsrat
Wibu-Systems hat Professor Dr. Jörn Müller-Quade in den Aufsichtsrat berufen.
-
IFR stellt Preisträgerinnen vor
Women in Robotics 2026
Um Frauen in der Robotikbranche mehr Sichtbarkeit und Anerkennung zu verschaffen, hat die…
-
Gemeinsam zum vollständig integrierten Automatisierungs-Stack
Salz Automation und Tele vereinbaren Partnerschaft
Salz Automation und Tele Haase Steuergeräte gehen in ihrer Partnerschaft einen entscheidenden Schritt…
-
3D-Druck
Harting eröffnet Zentrum für 3D-Druck
Harting hat in seinem Werk Rahden ein „Center of Competence Additive Manufacturing“ eröffnet.
-
Mikko Soirola
Neuer CEO für Elisa Industriq
Mikko Soirola startet als neuer CEO bei Elisa Industriq.
-
Drehkreuz in Südamerika
Wika eröffnet neues Werk in Brasilien
Wika hat Mitte März ein neues Werk am Standort Boituva in Brasilien eröffnet.
das könnte sie auch interessieren
-
Warum KI im Mittelstand einen neuen Ansatz braucht
Vom Hype zur Wirkung
-
Klaus Conrad – Unternehmer, Visionär, Möglichmacher
90 Jahre Pioniergeist
-
Miniatur-Sensoren realisieren hohe Reichweiten
So weit, so klein
-
Dank Binnenmarkt
Deutsche Elektroexporte mit Plus auch zum Jahresbeginn
















