Peter Burkhardt, Arburg GmbH + Co KG, Entwicklung – Abteilungsleiter Maschinenbau:
Als großes Ziel haben wir die virtuelle 3D-Kundenmaschine im Fokus. In dieser Maschine müssen alle benötigten mechanischen, mechatronischen und elektrischen Informationen, die zur Produktion der Maschine benötigt werden, abbildbar sein. Probleme bereiten immer wieder die fehlenden Schnittstellen der Mechatronik mit den Verbindungselementen Schläuche, Rohre und Kabel, da die Parametrierung und die Visualisierung fehlen. Der Mechaniker denkt zunächst an seine Welt, aber nicht unbedingt an die Kabel oder die logischen Verknüpfungen. Die Daten müssen einmal erfasst werden und dann durchgängig weitergegeben werden können. Es stellt sich die Frage: Wo gehört die Verwaltung hin? Die Thematik, die wir hier diskutieren, ist ja bereits fünf bis zehn Jahre alt. In der Zeit hat sich sehr wenig getan. Auf der Messe haben wir bei einem Rundgang festgestellt, dass es bezüglich der Verknüpfungen außerhalb des Schaltschrankes noch eher schlecht aussieht. Da gibt es in der Zukunft noch eine Menge zu tun.
Werner Faulhaber, Arburg GmbH + Co KG, Entwicklung – Abteilungsleiter Elektrotechnik:
Im Engineering muss ein Umdenken in Richtung mechatronischer Systeme stattfinden. Daten und Informationen müssen multidirektional zwischen M-CAD, E-CAD und Steuerungsprogrammierung fließen können. Dieser Informationsfluss ist heute nicht standardisiert, die vorhandenen Schnittstellen sind proprietär und hierfür benötigen wir Lösungen. Auf dem Markt gibt es PLM-Lösungen, Komplettlösungen der Systemanbieter, die genau den Umfang adressieren, den wir hier diskutieren. Bei den klein- und mittelständischen Unternehmen sind jedoch in der Regel für die verschiedenen Entwicklungsbereiche Softwarepakete verschiedener Hersteller im Einsatz, für die es keine standardisierte Schnittstelle gibt. Diese Unternehmen können sich eine proprietäre Schnittstellenlösung nicht leisten. Hier geht es um maßgebliche Investitionen und um den Investitionsschutz. Eine allgemeingültige Datenschnittstelle als kleiner, gemeinsamer Nenner würde in den Unternehmen schon große Fortschritte bringen. Die Datenschnittstelle bildet einen Anfang, ist quasi eine Art Vehikel. Es ist dann möglich mit einem Workflow-Prozess auf dieses Vehikel aufzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Informationen zwischen den unterschiedlichen Disziplinen fließen. Wichtig ist, dass sich die Schnittstelle etabliert und sowohl von den Softwareherstellern als auch von Geräteherstellern anerkannt wird. Die für die Schnittstelle benötigten Daten sollen bereits online zur Verfügung stehen, wenn für die Konstruktion ein neues Bauteil ausgesucht wird. Damit sind potenzielle Fehlerquellen und Reibungsverluste minimiert. Wir werden davon getrieben, Entwicklungszeiten zu reduzieren und die Time to Market zu verbessern. Das ist ein weiterer wesentlicher Aspekt, den wir als Nutzen im Arbeitskreis Engineering sehen – gerade für die kleinen und mittelständischen Unternehmen. Innerhalb des Arbeitskreises wollen wir jetzt eine verlässliche Schnittstelle mit weiter Verbreitung generieren, mit dem Ziel, uns Maschinenbauern einen langfristigen Investitionsschutz zu sichern.
Volker Klare, Dassault Systèmes (3DS), Director Sales Enablement & Consultancy Dassault Systèmes BT Eurocentral:
Ich bin seit drei Jahren bei Dassault Systèmes (3DS). Hier und vorher in 29 Jahren bei IBM habe ich viele Integrationsbestrebungen erlebt. Zudem bin ich auch bei der Initiative \’Codex of PLM Openness\‘ (CPO) des ProStep iViP Vereins als Vertreter für 3DS im Einsatz, bei der es u.a. auch um Integration und Schnittstellen geht. Große Maschinen- und Anlagenbauer setzen auf PLM-Systeme, wir sehen aber auch die Problematik, dass es für kleinere Unternehmen ein Aufwand ist, solche Systeme anzuschaffen, zu warten und in Betrieb zu halten. Wir akzeptieren daher die Bemühungen des VDMA, Anwendungslösungen durch ein Schnittstellenkonzept direkt zu integrieren. Man muss sich aber genau überlegen, welchen Ansatz man heute fährt. Ich wünsche mir als Vertreter eines PLM-Software-Herstellers, dass wir darauf schauen, welche Schnittstellen es gibt und dass wir diese im weiteren Verlauf auch für KMU berücksichtigen. Meine Praxis hat mir gezeigt, dass die Erarbeitung eines neuen Standards sehr lange dauern kann. Es kann ein guter Weg sein, sich an einen bestehenden Standard zu hängen, anstatt komplett von vorne zu beginnen. Das sollte man in dem Arbeitskreis berücksichtigen. Auch kleine Maschinenbauer entwickeln zunehmend komplexe Produkte, die komplexe Funktionen, realisiert durch ein Zusammenspiel von Mechanik, Elektrik, Elektronik und Software, enthalten werden. Deswegen stellt sich auch für die kleinen Firmen die Frage: Wie verwalte ich diese Daten im Kontext? Heute kann ich vielleicht noch mit einem filebasierten Ansatz bestehen, aber aus gutem Grund gehen die PLM-Software-Hersteller zu datenbankbasierenden Systemen über, um die Komplexität der verschiedenen Disziplinen und das Zusammenspiel überhaupt noch in den Griff zu bekommen. Auch als kleiner Maschinen- und Anlagenbauer muss man sich das rechtzeitig klar machen. Als 3DS arbeiten wir daran, die Komplexität zu reduzieren, dass wir Lösungen auf den Markt bringen, die einfach zu installieren und einfach zu warten sind, gerade auch für den kleineren und mittelgroßen Anwender. Cloud-Technologien stehen vor der Tür. Demnächst wird man vielleicht nur einen Service in Anspruch nehmen ohne sich um Infrastruktur, Installation und Integration kümmern zu müssen. Das ist vielleicht auch eine Lösung, u.a. für kleinere Unternehmen, um an solchen komplexen Anwendungen teilzuhaben. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird die Einführung dieser neuen Technologien stattfinden.
















