Wände zwischen den Welten

Dieses Verständnisproblem zwischen IT- und Shop-Floor führt zu einem spannenden Ansatz, den man zurzeit sehr konträr diskutiert. Die Lösung könnte darin liegen, eine Schnittstelle für die Industrie- 4.0-Komponente gemäß dem OSI-Modell zu definieren und offene Schnittstellen für die Kommunikation zwischen solchen Komponenten zuzulassen. So könnte man im Enterprise-Bereich die Ethernet-Kommunikation weiterhin für große Datenmengen und im Shop-Floor-Bereich die deterministischen Feldbusse benutzen. Dass diese in Zukunft mehrheitlich auf Ethernet basieren, kann hier nur von Vorteil sein. Die besondere Herausforderung im Industrie-4.0-Ansatz liegt an den noch immer existierenden Wänden zwischen der IT und Produktion. Beide Welten müssen aufeinander zugehen, ein gemeinsames Verständnis für die Bedürfnisse und Anforderungen der Anderen entwickeln und nicht kurzfristig den Vorteil in der Verbreitung ihrer eigenen Lösung suchen. Bundesregierung und Verbände sind hier in der Verpflichtung, engstirnige Partner in den Arbeitsgruppen zurück zur Umsetzung der Vision zu bringen. Es geht nicht darum, die Komponenten einer bestimmten Firma besser am Markt zu platzieren.

Existierende Hardware nutzen

Wie sieht nun die Zukunft der Steuerungs- und Automatisierungstechnik im Rahmen von Industrie 4.0 aus? Hat die SPS noch Zukunft? Werden intelligente Sensoren und Aktoren die Motion- und Roboter-Controller ersetzen? Sind die Steuerungen für Industrie 4.0 bereit? Da Industrie 4.0 ein Software-Ansatz ist, können die Industrie-4.0-Komponenten auf existierender Hardware ausgeführt werden. Die Shop-Floor-Netzwerke sind vorhanden und ebenso die Protokolle zum Datenaustausch mit der MES/ERP-Welt. Eigenschaftsbeschreibungen der Protokolle und Komponenten existieren heute auch bereits und werden von den NC-Steuerungen bis hin zur SPS unterstützt. Beispiele sind die XML-basierten Definitionen von AutomationML oder das Weihenstephaner Protokoll. Der Lösungsansatz der IEC61499 über die verteilte Intelligenz in der Produktion, sollte hier viel mehr Beachtung bekommen. Egal ob Vision-System oder intelligenter Sensor, ob SPS oder Motion-Steuerung: Im Prinzip enthalten all diese Komponenten eine Rechner- und Speichereinheit. Letztendlich ist es egal, wo ein Programm ausgeführt wird, solange die Ressource ausreichend Leistungsfähigkeit hat, um die Daten zu verarbeiten und anderen Einheiten bereitzustellen. Smarte, also intelligente Software-Lösungen sind auch hier gefragt.

Software ist der Schlüssel

Software ist der Schlüssel für die Produktivität der Zukunft. Zuverlässige SPSen werden mit der richtigen Software für Industrie 4.0 auch in Zukunft ein wesentlicher Bestandteil der Automatisierungswelt sein. Doch Bundesregierung und Industrie müssen Hand in Hand arbeiten, um mehr qualifizierte Software-Entwickler auszubilden. So lässt sich unsere Kompetenz bezüglich der Industrieautomation im Rahmen von Industrie 4.0 weiter stärken. Amerika ist an dieser Stelle besser aufgestellt als Europa. Wir könnten unseren Technologievorsprung leicht verspielen, wenn die deutschen Firmen engstirnig ihre eigenen Interessen verfolgen und die große Vision Industrie 4.0 aus dem Auge verlieren. Zunächst müssen wir natürlich an Deutschland und Europa denken. Wir exportieren aber auch nach Amerika, Asien und den Rest der Welt. Deshalb ist es wichtig, unsere Ideen auch mit diesen Märkten zu teilen, um auch weiterhin dort erfolgreich zu sein. Deutsche Firmen arbeiten mit Unternehmen in Amerika zusammen, Mitsubishi Electric Europe arbeitet an der Plattform Industrie 4.0 mit.

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