Unter dem Motto \’Prozessleittechnik – Wege in die Zukunft\‘ trafen sich insgesamt 570 Teilnehmer zur diesjährigen Hauptsitzung der Namur. Der Anwenderverband für Automatisierungstechnik in der Prozessindustrie hatte, wie schon im Jahr zuvor, nach Bad Neuenahr eingeladen. Zu Beginn der Veranstaltung betonte der scheidende Vorstandsvorsitzende Dr. Norbert Kuschnerus die Bedeutung von Kooperationen und internationaler Ausrichtung für den Anwenderverband. Dabei hob er auch die Rolle der Namur-Aktivitäten in China hervor, darunter die am 23. und 24. November zum dritten Mal stattfindende Namur-Konferenz in Shanghai. Prozesscontrolling im Fokus Als zentrales Fachthema beherrschte die Prozessleittechnik den ersten Veranstaltungstag. Vorträge des Hauptsponsors ABB, unter anderem vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Dr. Peter Terwiesch, sowie der Namur gaben Ausblicke in Anwendungen und technologische Entwicklung. Dabei zeigte sich, dass die Leitsysteme zwar zum Standard in den meisten Unternehmen gehört, die Akzeptanz für neue Technologien bei den Anwendern aber sehr unterschiedlich ausfällt. Einer von der Namur vorgestellte Umfrage zufolge unterscheiden sich auch die Erwartungen der einzelnen Fachbereiche an die Lösungen teils merklich. Hersteller stehen damit vor der Herausforderung, die hohe Nachfrage nach effizienter Standardtechnologie zu befriedigen und gleichzeitig als Innovationstreiber agieren zu können. Als Beispiele für aktuelle Anwendungen wurden u. a. integriertes Energiemanagement, modellprädikative Regelungen sowie Hochleistungsinterfaces vorgestellt, deren Gestaltung sich an der menschlichen Wahrnehmung orientiert und so Überblick und Reaktionsfähigkeit der Anwender verbessern soll. Standardisierung in der Kritik Auf der Veranstaltung kritisierte Kuschnerus das strategische Engagement von Herstellern in der internationalen Standardisierung zur Festigung ihrer Marktposition. Die Namur werde sich in Zukunft dafür einsetzen, dass Normung wieder zur Sicherstellung der Konvergenz von technologischen Standards dient. \“Wir sehen es als eine unserer Aufgaben an, der Entwicklung paralleler Standards entgegenzutreten und werden auch mit anderen Anwenderverbänden in diese Richtung Allianzen bilden\“, erklärte der Vorstandsvorsitzende. Als Beispiel für positive Entwicklungen in der Normung führte Kuschnerus die Arbeiten am FDI-Standard für das Asset Management von Feldgeräten an. Automation & Energie Der zweite Vormittag des Anwendertreffens beleuchtete Ansätze in der Automatisierung, um Bestrebungen nach mehr Energieeffizienz in der Industrie zu unterstützen. Dabei wurde deutlich, dass auch industrielle Anlagen mit hoher Prozesseffizienz noch zahlreiche, wirtschaftlich tragbare Ansätze zur Verbesserung von Energie- und Ressourceneinsatz bieten können. Die vorgestellten Ansätze reichten von der Verbesserung der Fahrweise über den Einsatz energieeffizienter Antriebe und gezielter Optimierung von Kühl- und Klimatechnik bis zur Nutzung von Kabelmaterial mit hoher Leitfähigkeit. Der letzte Fachvortrag der Hauptsitzung stellte unter dem Titel \’Stellgeräte – die Arbeitspferde unter den PLT-Geräten\‘ die Weichen für das Motto der nächsten Hauptsitzung, die am 8. und 9. November 2012 wieder in Bad Neuenahr stattfinden wird. Die Veranstaltung wird unter dem Motto \’Aktorik – von der Handdrosssel zum smarten Stellgerät\‘ stehen, als Sponsor tritt der Ventilhersteller Samson auf. Kasten: Führungswechsel nach neun Jahren Nach drei Amtszeiten als Vorsitzender des Namur-Vorstandes gab Dr. Norbert Kuschnerus den Vorsitz der Organisation an Dr. Wilhelm Otten (Bild) von Evonik Industries ab. Kuschnerus wird als stellvertretender Vorsitzender weiterhin dem Vorstand angehören. In seiner Antrittsrede hob Otten die prägende Rolle hervor, die Kuschnerus Amtszeit für die Namur gespielt hat. Der scheidende Vorststandsvorsitzende habe neben seinem Einsatz unter anderem für Nachwuchsförderung, Internationalisierung und Kooperationen vor allem die Versachlichung des Dialogs zwischen Anwendern und Herstellerunternehmen erfolgreich vorangetrieben. Auch unter Ottens Leitung werde der Anwenderverband den eingeschlagenen Weg weiterverfolgen. Zu den Kernthemen zähle dabei die Erhaltung und Entwicklung von Kompetenzen, das Aufgreifen neuer Technologien und die Steuerung ihrer Entwicklung, der Ausbau der internationalen Zusammenarbeit sowie die Ausweitung der Arbeit der Namur in andere Branchen. Auch dem Schließen der Lücke zwischen Verfahrens- sowie Mess- und Regeltechnik komme eine wichtige Rolle zu. Professor Hans Schuler und Dr. Peter Schuster verließen ebenfalls nach jeweils neun Jahren Zugehörigkeit den Vorstand, neu in das Gremium gewählt wurden Dr. Matthias Fankhänel von BASF sowie Dr. Thomas Tauchnitz von Sanofi-Aventis. Die Leitung des Arbeitsfelds \’Prozess- und Betriebsführungssysteme\‘ übernimmt Michael Pelz von Clariant, Thomas Scherwietes von Infracor leitet in Zukunft das Arbeitsfeld \’Feldgeräte\‘. (mec)
Namur Hauptversammlung 2011 Zwischen Standard und Innovationen
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