Rüdiger Eikmeier im Interview: \“Für Anwender zählt die Offenheit von Powerlink\“

Kai Binder: In welchen Bereichen und Branchen liegt derzeit – also auch in Zeiten der Wirtschaftskrise – noch Potenzial für neue Powerlink-Lösungen? Wen könnte ein Vertriebsmitarbeiter adressieren und vor allem überzeugen? Rüdiger Eikmeier: Unser Dienstleister würde zunächst die Anwender ansprechen, die heute schon auf offene Systeme wie z.B. CAN-Systeme setzen. Denn sie können beim Umstieg auf Powerlink ihre ganze Unabhängigkeit mitnehmen und erhalten ein starkes System. Mit dem großen Powerlink-Baukasten an fertigen Software-Elementen können sie frei arbeiten. Und dann kann er nicht nur die Industrieautomatisierer ansprechen, sondern auch beispielsweise Waschmaschinen- oder Medizintechnikgerätehersteller. Er kann sich also an Hersteller wenden, die selbst bestimmen, wie die Funktionalität ihrer Produkte im Detail aussieht, wie sie kommunizieren, und welche einzelnen Komponenten eingesetzt werden. Auch der Bereich der Verkehrstechnik ist interessant. Das betrifft also alle Hersteller, die bisher CAN eingesetzt haben. Hier zählt die Offenheit von Powerlink: Die Hersteller wollen ihre Offenheit behalten. Sie wollen andere Philosophien in Bezug auf die Redundanz aufbauen, andere Philosophien im Bereich Safety umsetzen. Powerlink bietet ihnen das, was sie für ihre Maschinen gerade brauchen. Kai Binder: Industrieautomatisierung gehört ja klassisch in das Powerlink-Portfolio. Welche Branchen können noch mit Powerlink ausgerüstet werden? Rüdiger Eikmeier: Industrieautomatisierung und Prozessautomatisierung – das sind die beiden klassischen Bereiche, die wir fokussieren. Medizintechnische Geräte sind ebenfalls interessant, z.B. der Zahnarztstuhl oder der Tomograph, der bestimmte Sicherheitsnormen erfüllen muss. Auch Land- und Forstmaschinen, z.B. Holzerntemaschinen, sind in sich geschlossene Systeme – ebenso wie die Bühnentechnik oder Schiffe. Bei der Wahl eines passenden Kommunikationssystems sind neben der Geschwindigkeit die strategischen Gesichtspunkte entscheidend. Und da ist Powerlink ganz vorne dabei. Kai Binder: Wo sehen Sie technologisch für Powerlink derzeit den größten Wachstumsmarkt? Rüdiger Eikmeier: Die erste Welle des Industrial Ethernet ist eigentlich in die Industrie oder in die Fertigungsautomatisierung, also in die Maschine, gerollt. Anschließend kam Industrial Ethernet in die Prozessautomatisierung. Dieser Schritt war naheliegend. Und jetzt erobert Ethernet Stück für Stück andere Bereiche. Industrial Ethernet verdrängt dort klassische Feldbusse wie CAN oder Profibus. Die Anwender wechseln von CAN zu Ethernet, wenn die Technik nicht mehr ausreicht, um das Automatisierungsobjekt auszurüsten. Hier findet sich ein breiter Markt. Wer wechseln möchte, schaut sich nicht nur die technischen Details an, sondern auch die gesamten strategischen Details. Und hier sehen wir Powerlink als offenes System absolut an erster Stelle. Kai Binder: Und wenn man das regional betrachtet, in welchen Ländern steckt noch Potenzial für Powerlink? Rüdiger Eikmeier: Beispielsweise in China ist ein ungemeines Interesse erwacht, seit wir OpenPowerlink vorgestellt haben. Damit können die Hersteller ihre Maschinen relativ einfach selbst bauen. Das ist wunderbar für den deutschen Markt, weil Komponentenhersteller wie z.B. die Fraba-Gruppe mittlerweile im Bereich CAN viele Produkte auf dem chinesischen Markt verkaufen. Wer dort CAN-Produkte verkaufen kann, wird auch Ethernet-Powerlink-Produkte verkaufen können. So ensteht ein neuer Markt. Ein anderes Beispiel: In Italien ist es sehr verbreitet, dass die Maschinenhersteller ihre eigene Steuerung verwenden. Sie setzen einen Linux-PC als Steuerung ein und nutzen ihre Spezialkomponenten, weil die Stückzahlen sehr hoch sind. Dort ist Ethernet Powerlink ebenfalls stark verbreitet. Und nicht zuletzt natürlich Deutschland mit der hohen Dichte an High-End Maschinenlösungen. Kasten: Offenheit durch Open-Source-Tool Den openConfigurator (Bild) zur Einrichtung, Konfiguration und Wartung von Powerlink-Netzwerken stellen wir Ihnen ab Seite S. 26 ausführlich vor. Neues EPSG-Mitglied