Das ehemalige Buzzword Industrie 4.0 hat sich mittlerweile mit konkreten Möglichkeiten für Mehrwert gefüllt, möchte man meinen.

Franke: So ist es, doch die nächsten Buzzwords stehen mit Egde und KI schon in den Startlöchern. Hier stehen wieder ganz am Anfang des Innovationspotenzials, aber auch sie werden die Fabrikhallen der Zukunft massiv beeinflussen. Eine Herausforderung dabei ist: Der Markt für echte Spezialisten ist ausgesprochen dünn – weil es eben ganz neue Technologien sind – dafür aber umso härter umkämpft. Nicht nur von der Industrie. Und damit die Fachleute zu uns kommen, und nicht in die IT, müssen die Anbieter von Automatisierung die Attraktivität Ihrer Branche besser vermarkten.

Die Industrie hat – im Vergleich mit IT-Unternehmen – als Arbeitgeber aber doch mit einem eher angestaubten Image zu kämpfen.

Franke: Das stimmt. Google hat als Arbeitgeber noch ein anderes Image als Siemens. Deswegen werden auch wir bei Siemens die Arbeitsumgebung so modern und agil gestalten, wie es von dieser Zielgruppe typischerweise erwartet wird. Und wenn sich die Zentren für Künstliche Intelligenz in den USA, in China oder in Israel etablieren, müssen wir im Zweifel dort hingehen, anstatt krampfhaft zu versuchen, die Spezialisten von dort nach Deutschland abzuziehen.

Ziehen Sie auch die Akquisition eines spezialisierten KI-Players in Betracht?

Franke: Natürlich, denn der rasant ansteigenden Innovationsgeschwindigkeit und daraus resultierenden Herausforderungen kann man nicht nur durch endogenes Lernen begegnen. Gegebenenfalls muss man Know-how zukaufen oder kooperieren. Gerade letzteres hat Siemens bisher verhältnismäßig wenig gemacht – Partnerschaften werden aber in Zukunft eine essenzielle Rolle spielen. Um die eingangs formulierte These wieder aufzugreifen: Die Zeiten ändern sich eben.

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