Technik gegen das Unkraut: Wie Automatisierungslösungen die Landwirtschaft smarter machen

 Angebaut am Traktor wird die Inrowing-Hacke zum smarten Helfer: KI, Kameras und Mechanik arbeiten zusammen für 
chemiefreie Unkrautbekämpfung - effizient und feldtauglich.
Angebaut am Traktor wird die Inrowing-Hacke zum smarten Helfer: KI, Kameras und Mechanik arbeiten zusammen für chemiefreie Unkrautbekämpfung – effizient und feldtauglich. – Bild: Farm-ING

Die Landwirtschaft steht unter massivem Druck: Arbeitskräftemangel, zunehmende Anforderungen an Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit, steigende Betriebskosten sowie ein immer größerer gesellschaftlicher und politischer Druck, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren – all das zwingt Landwirte und Hersteller von Landtechnik zum Umdenken. Gerade im Ackerbau, wo bisher chemischer Pflanzenschutz zum Standard gehörte, braucht es neue Lösungen, die sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch tragfähig sind. Denn der Spagat zwischen Ertragssicherung und dem Verzicht auf chemischen Pflanzenschutz ist schwer zu meistern.

Eine vielversprechende Antwort auf diese Herausforderungen liefert die Automatisierung. Kameragestützte Systeme, intelligente Sensorik, mechatronische Präzision und robuste Komponenten ermöglichen heute Anwendungen in der Landtechnik, die vor wenigen Jahren noch als Vision galten. Das Unternehmen Farm-ING mit Sitz in Österreich hat sich auf solche Systeme spezialisiert – und entwickelt intelligente Maschinen, die direkt am Feld operieren und mit künstlicher Intelligenz Unkraut bekämpfen.

"Am Feld ist nichts standardisiert - genau deshalb braucht es intelligente Automatisierung."
Gerhard Zimmermann, CTO Farm-ING
„Am Feld ist nichts standardisiert – genau deshalb braucht es intelligente Automatisierung.“ Gerhard Zimmermann, CTO Farm-INGBild: Farm-ING

CTO Gerhard Zimmermann bringt es auf den Punkt: „Wir haben uns gefragt, wie man Lebensmittel ohne oder mit deutlich weniger Pestiziden ähnlich günstig produzieren kann wie in der klassischen Großflächenproduktion. Die Antwort war klar: Es braucht Automatisierung am Feld.“

Präzisionsarbeit am Acker: Die intelligente Hacke

Im Mittelpunkt steht dabei die Inrowing-Hacke, die sich an einen Traktor ankoppeln lässt – eine hochpräzise, KI-gesteuerte Hacktechnik, die nicht nur zwischen Pflanzenreihen, sondern direkt innerhalb der Reihe arbeitet. Das System erkennt über eine Kamera die Kulturpflanzen, analysiert die Bilddaten in Echtzeit und steuert mechanische Hackelemente so exakt, dass Unkraut auch dort entfernt wird, wo früher nur händisches Nacharbeiten möglich war. „Begonnen hat alles mit der Idee, über eine Kamera die Pflanzenreihe zu erkennen und das Hackgerät exakt zu führen“, erzählt Gerhard Zimmermann. „Daraus entstand die Inrowing-Hacke, die durch das gezielte Hacken zwischen den Pflanzen noch einmal deutlich mehr Unkraut entfernen kann – ganz ohne Chemie.“

Der Ansatz: Die technische Grundlage bildet ein lernfähiges KI-System zur Pflanzen- und Unkrauterkennung. „Die Algorithmen werten die Kamerabilder in Echtzeit aus und unterscheiden Nutzpflanzen von Beikraut. Daraus entstehen Steuerungssignale für die Aktoren, die dann die Hackelemente präzise bewegen“, so Zimmermann. Die KI wird kontinuierlich trainiert und optimiert – eine Herausforderung, denn auf dem Feld gleicht keine Pflanze der anderen. „In der Industrie erkennt ein System etwa Schrauben – und die sehen immer gleich aus. Auf dem Acker ist alles verschieden: Lichtverhältnisse, Bodentypen, Pflanzenformen. Das ist die eigentliche Schwierigkeit.“

 Christoph Hackl, Product Owner Inrowing Hacke (links), Gerhard Zimmermann, CTO (Mitte) und Patrick Mödlagl, Operations Manager (rechts) freuen sich über den bronzenen Manus Award sowie das Preisgeld von Igus für die Entwicklung einer KI-gesteuerten Hackmaschine.
Christoph Hackl, Product Owner Inrowing Hacke (links), Gerhard Zimmermann, CTO (Mitte) und Patrick Mödlagl, Operations Manager (rechts) freuen sich über den bronzenen Manus Award sowie das Preisgeld von Igus für die Entwicklung einer KI-gesteuerten Hackmaschine. Bild: TeDo Verlag

Von der Hacke zum Spot Sprayer

Die InrowIng war nur der Anfang. Auf Basis derselben Technologie entwickelte Farm-ING ein weiteres Produkt: den Spot Sprayer. Auch hier kommt KI-basierte Bildverarbeitung zum Einsatz, jedoch mit einem anderen Ziel: Statt großflächiger Pestizidausbringung behandelt das Gerät gezielt einzelne Unkrautpflanzen – mit punktgenauer Dosierung im Raster von nur fünf Zentimetern. Dabei bleiben Nutzpflanzen komplett unbehandelt. „So können wir gezielt Pflanzenschutzmittel auf Unkrautpflanzen aufbringen, während Salat, Rüben oder andere Kulturen nicht bespritzt werden. In manchen Anwendungen kann man die Ernte sonst gar nicht retten – aber wir machen es mit minimalem Einsatz von Chemie“, erklärt Zimmermann.

Technik für extreme Einsatzbedingungen

Solche Landmaschinen arbeiten unter harten Bedingungen: Staub, Schmutz, Regen, Hitze, Kälte, Vibrationen und wechselnde Bodenverhältnisse stellen hohe Anforderungen an alle verbauten Komponenten – insbesondere an Lager und Führungen. Für die Lagerstellen in der Inrowing entschied sich Farm-ING deshalb für Gleitlagerlösungen von Igus. „Wir kennen Igus bereits aus früheren Projekten und wussten um deren robuste und wirtschaftlich interessante Lagerlösungen“, berichtet Zimmermann. Gemeinsam mit den Anwendungstechnikern von Igus wurde das passende Lager ausgewählt und auf die spezifischen Anforderungen angepasst – mit Erfolg: Eingesetzt wird heute das bewährte Iglidur J-Lager, das sich durch geringe Reibwerte, hohe Verschleißfestigkeit und Beständigkeit gegenüber Schmutz und Feuchtigkeit auszeichnet.

„Ein entscheidender Faktor war bei uns die Flächenpressung. Die Maschine hängt mit ihrem Eigengewicht direkt auf den Lagern. Da mussten wir genau prüfen, welche Lager sich eignen. Das Kölner Unternehmen konnte uns hier mit viel Erfahrung helfen – die Zusammenarbeit mit dem technischen Support war hervorragend“, so Zimmermann. Auch weitere Komponenten von Igus finden sich in den Geräten von Farm-ING. Beim Spot Sprayer etwa werden mit Energieketten Wasser- und Hydraulikleitungen sowie Steuerkabel in der Höhenverstellung geführt. Für zukünftige Versionen denkt Zimmermann auch über die Rückkehr zu Linearführungen nach, um weitere Optimierungen zu ermöglichen.

 Präzisionsarbeit auf dem Acker: Die beweglichen Hackelemente werden per KI in Echtzeit gesteuert und arbeiten direkt in der Pflanzenreihe. Igus Gleitlager Iglidur J sorgen für spielfreie Bewegung - zuverlässig, wartungsfrei und ohne Schmierung.
Präzisionsarbeit auf dem Acker: Die beweglichen Hackelemente werden per KI in Echtzeit gesteuert und arbeiten direkt in der Pflanzenreihe. Igus Gleitlager Iglidur J sorgen für spielfreie Bewegung – zuverlässig, wartungsfrei und ohne Schmierung. Bild: Farm-ING
IGL PROD iglidur JPF 1
Bild: Igus GmbH

Ausgezeichnete Lösung: Bronze beim Manus Award

Die hohe Innovationskraft der Inrowing-Hacke blieb auch Igus nicht verborgen. Für die clevere Kombination aus intelligenter Bildverarbeitung, präziser Mechanik und robuster Gleitlagertechnik wurde Farm-ING in diesem Jahr mit dem bronzenen Manus Award ausgezeichnet – einem renommierten Preis, den Igus alle zwei Jahre für kreative und technisch anspruchsvolle Gleitlageranwendungen vergibt. Zimmermann freut sich über die Würdigung: „Für uns ist das auch ein Signal, dass sich mutige Ideen lohnen. Sie bestätigt unseren Weg, Technik für eine nachhaltigere Landwirtschaft einzusetzen. Die Zusammenarbeit mit Igus war dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor – von der Lagerauswahl bis zur Umsetzung.“

Fazit: Automatisierung trifft Verantwortung

Farm-ING zeigt, wie moderne Agrartechnik funktionieren kann: präzise, wirtschaftlich und nachhaltig. Die Kombination aus KI, Automatisierung und zuverlässiger Technik macht es möglich, Unkrautbekämpfung neu zu denken – ganz ohne Chemiekeule. Dass Igus mit seinen Gleitlagern und Komponenten dabei eine zentrale Rolle spielt, unterstreicht die Bedeutung robuster, wartungsfreier Lösungen in einer zunehmend vernetzten Welt. Zimmermann bringt es abschließend auf den Punkt: „Für uns ist entscheidend, dass unsere Maschinen beim Kunden zuverlässig funktionieren – unter allen Bedingungen. Mit den Igus-Komponenten haben wir eine Lösung gefunden, die sowohl technisch als auch wirtschaftlich überzeugt.“