Digitale Ordnung statt Papierstapel

 Mit einer optischen 2D/3D-Kamera identifiziert IFM Mate die Hände des Werkers und erkennt so, ob beispielsweise in eine Box gegriffen wurde oder nicht. Die Erkennung der Hand, die auf leistungsfähiger Deep-Learning-Technologie basiert, ist zentraler Bestandteil des Systems.
Mit einer optischen 2D/3D-Kamera identifiziert IFM Mate die Hände des Werkers und erkennt so, ob beispielsweise in eine Box gegriffen wurde oder nicht. Die Erkennung der Hand, die auf leistungsfähiger Deep-Learning-Technologie basiert, ist zentraler Bestandteil des Systems.Bild: IFM Electronic GmbH

IFM-Mate (Manual Assembly Training Engineer) ist weder eine klassische MES-Maske noch ein reines Schulungswerkzeug, sondern ein technischer Regieplan für den Menschen im Prozess – mit eingebauter Qualitätskontrolle. Es kommt vor allem dort zum Einsatz, wo komplexe Abläufe, wechselnde Varianten und hohe Qualitätsanforderungen aufeinandertreffen. Es führt Mitarbeitende durch definierte Prozessschritte, unterstützt mit Bildern, Videos und strukturierten Arbeitsanweisungen und verknüpft die Arbeit am Tisch mit übergeordneten digitalen Systemen. Ziel sind weniger Fehler, mehr Transparenz und mehr Wiederholbarkeit.

 Das Werkerassistenz-System IFM-Mate unterstützt mit Bildern, Videos und strukturierten 
Arbeitsanweisungen und verknüpft die Arbeit am Tisch mit übergeordneten digitalen Systemen.
Das Werkerassistenz-System IFM-Mate unterstützt mit Bildern, Videos und strukturierten Arbeitsanweisungen und verknüpft die Arbeit am Tisch mit übergeordneten digitalen Systemen.Bild: IFM Electronic GmbH

Einstieg am Platz: Identifikation, Auftrag, Führung

Der Tag eines Mitarbeitenden mit dem Werkerassistenzsystem beginnt nicht mit dem Durchblättern eines dicken Arbeitsordners, sondern mit einem Scan. Entweder meldet sich der Werker mit seinem Firmenausweis an, oder der Auftrag wird über einen Barcode identifiziert. Im Hintergrund prüft das System, ob Qualifikationen und Rahmenbedingungen passen. Die Freigabe des Arbeitsgangs ist damit an Qualifikation gebunden – nicht an gut gemeinte Hinweise.

Ist der Auftrag geladen, erscheint die digitale Arbeitsanweisung. Sie sieht bewusst vertraut aus: gleiche Struktur, gleiche Schrittlogik wie das bisherige Papier, nur eben komplett auf dem Bildschirm. „Wir haben eins zu eins das frühere Blatt Papier abgebildet“, beschreibt einer der Projektbeteiligten. Das ist kein kosmetischer Trick, sondern ein Akzeptanzfaktor. Viele Mitarbeitende arbeiten seit Jahrzehnten im Werk; für sie muss die Digitalisierung anschlussfähig sein. Auf der Oberfläche sieht der Werker nun alle relevanten Informationen zu seinem Auftrag: Artikelnummer, Variante, benötigte Teile und Reihenfolge der Schritte.

 Ob Montagetätigkeiten oder Verpackungsaufgaben: Mit IFM-Mate kann man jeden Handarbeitsprozess Schritt für Schritt definieren, erklären und durchführen lassen. Kern des Systems ist ein KI-Algorithmus, der in Zusammenarbeit mit der über dem Arbeitsplatz montierten Kamera die Hände des Werkers erkennt - ganz ohne zusätzliche und hinderliche Gadgets wie Armbänder oder VR-Brillen.
Ob Montagetätigkeiten oder Verpackungsaufgaben: Mit IFM-Mate kann man jeden Handarbeitsprozess Schritt für Schritt definieren, erklären und durchführen lassen. Kern des Systems ist ein KI-Algorithmus, der in Zusammenarbeit mit der über dem Arbeitsplatz montierten Kamera die Hände des Werkers erkennt – ganz ohne zusätzliche und hinderliche Gadgets wie Armbänder oder VR-Brillen.Bild: IFM Electronic GmbH

Von der Arbeitsanweisung zur Prozesslogik

Technisch ist IFM-Mate mehr als ein digitaler Zettel. Hinter der Oberfläche liegt ein strukturiertes Modell des Arbeitsablaufs, das jeden Schritt, jede Verzweigung und jede Prüfung abbildet. Die Software weiß, welches Teil wann eingelegt werden muss, welches Werkzeug zum Einsatz kommt und in welcher Reihenfolge geprüft wird. Erst wenn eine Bedingung erfüllt ist, wird der nächste Schritt freigegeben.

Das zeigt sich etwa bei einem Prüf- und Verpackplatz für Sensoren. Zunächst wird ein Produkt gescannt, das Assistenzsystem lädt die passende Produktvariante und führt den Werker anschließend durch die einzelnen Stationen: Bauteil aufnehmen, korrekt ablegen, visuell prüfen, Zubehör zufügen, Verpackung schließen. Kameras und Sensorik überwachen dabei kritische Punkte. „Sobald ich mit dem grünen Punkt über einer Box bin und dann auch in der Tiefe von der Box bin, gilt das Teil als gegriffen“, erklärt ein Mitarbeiter das Handtracking. So erkennt das System, ob die Hand an der richtigen Stelle im 3D-Raum war. In Kombination mit einer Vision-Prüfung kann es zusätzlich kontrollieren, ob das richtige Teil im richtigen Feld liegt.

Fehlt eine Mutter, liegt ein Bauteil falsch oder wird ein Schritt übersprungen, reagiert IFM-Mate unmittelbar: Der Bildschirm zeigt Rot, der Prozess stoppt, der Fehler ist lokalisiert. Für den Werker ist die Rückmeldung klar: Weiter geht es erst, wenn der Arbeitsschritt korrekt ausgeführt ist. Das entlastet die Mitarbeitenden von der ständigen Sorge, etwas übersehen zu haben, und verschiebt die Qualitätsprüfung nach vorne in den Prozess statt ans Ende der Linie.

 Technisch ist IFM-Mate mehr als ein 
digitaler Zettel. Hinter der Oberfläche liegt ein strukturiertes Modell des Arbeitsablaufs, das jeden Schritt, jede Verzweigung und jede Prüfung abbildet.
Technisch ist IFM-Mate mehr als ein digitaler Zettel. Hinter der Oberfläche liegt ein strukturiertes Modell des Arbeitsablaufs, das jeden Schritt, jede Verzweigung und jede Prüfung abbildet.Bild: IFM Electronic GmbH

Qualifikation und Werkzeug verknüpft

Ein zweites technisches Standbein von IFM-Mate ist die Verknüpfung mit Qualifikationen und Werkzeugen. Jeder Arbeitsplatz kann so konfiguriert werden, dass bestimmte Schritte nur von geschulten Personen durchgeführt werden dürfen. Aus Sicht der Qualitätssicherung ist das ein direkter Gewinn: Die Einhaltung von Vorgaben hängt nicht mehr davon ab, ob jemand sich an eine Liste erinnert, sondern wird technisch abgesichert.

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