Modifizierte Gehäuse à la CAD

Für viele Anwendungen in der Industrie werden heute dezentrale Konzepte umgesetzt, bei denen Komponenten direkt in oder an der Maschine bzw. Anlage platziert werden. Um diese Komponenten vor den teilweise rauen Umgebungsbedingungen zu schützen, werden sie in entsprechende Gehäuse oder kompakte Schaltschränke eingebaut. Je nach Anwendung müssen Serien-Schaltschränke an die spezifischen Bedürfnisse der Anwendung mit entsprechenden Ausbrüchen und Bohrungen angepasst werden. Mit AE Laser Express bietet Rittal jetzt die individuelle Fertigung und Lieferung solcher kundenspezifischer Gehäuselösungen an. Der Kunde erhält dabei ein auf dem Serienprodukt basierendes Gehäuse, das exakt an seine Bedürfnisse angepasst ist. Kurze Abwicklungs- und Produktionszeiten gefragt Gerade in der Entwicklungsphase einer Automatisierungslösung sind die Zeitpläne oft knapp bemessen. Wenn der Anwender erst lange auf ein benötigtes Gehäuse warten muss, würde er die Modifikationen eher selbst vornehmen. Somit stand bei Rittal bei der Entwicklung des neuen Service die schnelle Abwicklung von der Auftragsbearbeitung über die Produktion bis hin zur Auslieferung im Vordergrund. Um das Ziel einer Gesamtlieferzeit von höchstens sieben Tagen zu erreichen, wurde sowohl eine neue Auftragsabwicklung eingeführt als auch ein neues Bearbeitungszentrum mit einer 3D-Laserbearbeitung in den Ablauf eingebunden. Auf der Rittal-Homepage stehen generische 2D- bzw. 3D-Konstruktionsdaten aller Kompakt-Schaltschränke der Serie AE zum Download bereit. Der Anwender lädt sie von dort auf seinen Rechner und kann die Daten anschließend in seinem CAD-System bearbeiten. Hier führt er in seiner gewohnten Arbeitsumgebung die notwendigen Modifikationen wie Ausbrüche, Löcher, Bohrungen am Gehäuse gemäß den Anforderungen des Projekts durch. Anschließend lädt er die bearbeiteten Daten auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite hoch. Der große Vorteil dieses durchdachten Systems ist die durchgängige Kommunikation, die damit zwischen Kunden und Rittal sichergestellt wird. Die daraus resultierende hohe Effizienz spart deutlich Zeit ein. Bereits nach kurzer Zeit erhält der Kunde auf Basis seiner erstellten Modifikationszeichnung ein entsprechendes Angebot und kann die gewünschten Kompakt-Schränke bestellen. Laserbearbeitung in 3D Neben dem Zeitgewinn, der durch die schnelle Auftragsbearbeitung resultiert, wurden auch in der Produktion die Abläufe schneller und effizienter gestaltet. Da bei der automatisierten Bearbeitung von Blechteilen das Einrichten der Maschine und das Spannen des Werkstücks einen großen Teil der Zeit in Anspruch nimmt, wurden hier die ersten Maßnahmen ergriffen. Aufgrund eines eigens konzipierten 3D-Laserbearbeitungszentrums mit einer durch den Rittal Betriebsmittelbau selbst entwickelten und hergestellten Spannvorrichtung lassen sich in einem einzigen Bearbeitungsgang alle fünf Seiten eines Gehäusekorpus mit Ausbrüchen versehen, ohne das Werkstück umzuspannen. Dabei ist die Anlage auf die unterschiedlichsten Gehäusegrößen ausgelegt. Der zum Einsatz kommende Faserlaser, welcher für die verwendeten Blechstärken ausgelegt ist, bewegt sich an einem Portalroboter um das Werkstück herum und schneidet dabei die Ausbrüche und Löcher in das Gehäuse. Zur Ansteuerung des neuen 3D-Laserbearbeitungssystems werden die CAD-Daten verwendet, die der Konstrukteur zur Angebotserstellung übermittelt hat. Diese Durchgängigkeit der Datenkommunikation sorgt nicht nur für die notwendige Geschwindigkeit bei der Auftragsabwicklung, sondern ist auch Garantie dafür, dass die Qualität stets gleich bleibend hoch ist. Optimaler Korrosionsschutz auch an den Schnittkanten Die Lackierung des Gehäuses erfolgt erst, nachdem die Bearbeitung in der 3D-Laserbearbeitungsanlage abgeschlossen ist. Dies bietet gegenüber der nachträglichen Bearbeitung einen weiteren entscheidenden Vorteil: Da die Schnittkanten der Ausbrüche ebenfalls lackiert werden, weisen diese auch den gewohnt guten Korrosionsschutz auf. Standardmäßig erfolgt die Lackierung in RAL 7035. Alternativ kann aus über 40 weiteren RAL-Farben gewählt werden und so das Gehäuse individuell gestaltet werden. Mit dem AE Laser Express können alle Standardgehäuse der Serie AE als Basisgehäuse für individuelle Modifikationen verwendet werden. Die Kompakt-Schaltschränke sind in Breiten von 200 bis 1.000mm und einer maximalen Höhe bis zu 1.400mm erhältlich. Die Gehäusetiefe beträgt von 120 bis 350mm. Wertschöpfungspartner statt Lieferant Mit dem neuen Serviceangebot AE Laser Express haben Rittal-Kunden entscheidende Wettbewerbsvorteile durch flexiblere, schnellere und kostenoptimierte Prozesse. Auch für kurzfristige Projekte können Anwender jetzt innerhalb von nur sieben Tagen modifizierte Kompakt-Schaltschränke mit Ausbrüchen und Löchern bekommen, in der gewohnten Qualität der Standardgehäuse. Für den Kunden ist das im Endeffekt häufig kostengünstiger als die aufwendige selber durchgeführte Modifikation eines Standardgehäuses. Kasten 1: Neues Innenausbau-System für AE-Gehäuse Für die Kompakt-Schaltschränke der AE-Serie präsentiert Rittal zur Hannover Messe Industrie eine weitere Neuerung: Für den Innenausbau der Gehäuse sind zukünftig spezielle Innenausbau-Schienen erhältlich, mit denen Zubehör-Komponenten aus der bewährten Schaltschrank-Serie TS 8 und weiteres Systemzubehör auch in den Kompakt-Schaltschränken verwendet werden können. Dieses umfasst z.B. Türpositionsschalter, Leuchten, Chassis, Türaufsteller sowie Thermo- und Hygrostate. Dies spart zusätzlichen Aufwand bei der Lagerhaltung von Komponenten, da diese nicht alle doppelt bevorratet werden müssen. Die Innenausbau-Schienen werden für AE-Gehäuse mit Gehäusetiefen von 210, 250, 300 und 350mm erhältlich sein. Die Montage ist dabei sehr einfach: Die Schienen werden gegen die Gehäuserückwand gesetzt und an der vorderen Gehäuseumkantung mit Schrauben verspannt. Dass bei der Montage keine zusätzlichen Bohrungen im Gehäuse notwendig sind, spart nicht nur Arbeitszeit ein, sondern sorgt auch dafür, dass die Schutzart des Gehäuses bestehen bleibt. Beides sind Punkte, die bei einem Gehäuseausbau in der Werkstatt immer wieder ein Thema sind. HMI-Stand: Halle 11 Stand D06