Die alte Faustregel beim Bestücken eines Schaltschranks \’Schweres nach unten, Leichtes nach oben\‘ hat auch heute noch ihre Gültigkeit. Diese Bestückungsart ist neben dem \’Komfort\‘ bei der Montage entscheidend für die Lage des Gesamtschwerpunktes. Darüber hinaus ist heute jedoch auch das wärmetechnische Verhalten von Antriebs- und Steuerungselektronik von großer Bedeutung. Saugt ein Gerät bereits die heiße Abluft des benachbarten Bauteils ein, so kann dies schnell zur thermischen Überlastung mit Totalausfall, fehlerhafter Funktion oder aber zumindest mit erheblich verkürzter Lebensdauer führen. Vorrangig sind bei Einbau und Platzierung die Angaben im jeweiligen Gerätehandbuch. Dort werden Richtwerte und auch Restriktionen in Bezug auf die Entwärmung (Einbaurichtung, Freiraum), aber auch bezüglich der elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) genannt. Insbesondere sind bei wärmeabgebenden Komponenten, die übereinander angeordnet werden, die erforderlichen Mindestabstände zwischen den Komponenten zu berücksichtigen. Für das praktische Beispiel eines Antriebsverbandes wäre dabei besonders zu beachten, dass ausreichend große Abstände für eine unbehinderte Luftströmung ober- und unterhalb der Komponenten eingehalten und Lüftungsgitter nicht abgedeckt werden. Für einwandfreie EMV ist die maximale Länge der, vorzugsweise geschirmt auszuführenden, Leistungskabel für Motor- und Netzzuleitung einzuhalten. Generell sollte die Anordnung der Komponenten einzeilig erfolgen. Ist aufgrund beschränkter Platzverhältnisse nur ein mehrzeiliger Aufbau möglich, sind besondere Maßnahmen in der Kühlluftführung wie Kanäle und Zusatzlüfter erforderlich. Der Außenluftkreislauf Der Außenkreislauf: Luftein- und Austrittsöffnungen von Schaltschrank-Kühlgeräten sollten einen Mindestabstand von 200mm zu einer Wand bzw. zueinander aufweisen. Andere Mindestabstände können durch spezifische Vorschriften des Geräteherstellers gefordert werden und haben generell Vorrang. Gegebenenfalls ist durch die Verwendung geeigneter Luftleitbleche ein lüftungstechnischer Kurzschluss zu verhindern, der Kühlluft ineffektiv zirkulieren lässt. Mögliche Auswirkungen eines Luftkurzschlusses können sein: – Vereisungsgefahr und dadurch Abschalten des Kühlgeräts – Überhitzung der Komponenten – daraus resultierend ein kompletter Anlagenstillstand Der Innenluftkreislauf Kühlgeräte in Wandanbauausführung sind nicht direkt hinter die Montageplatte zu setzen, da unter ungünstigen Bedingungen ein Luftkurzschluss zwischen Luftein- und -austritt auftreten kann, der eine ausreichende Klimatisierung der Schaltschrankeinbauten verhindert. Ein Mindestfreiraum zwischen den Luftein- und -austrittsöffnungen ist zur Einbringung der Kühlluft zu gewährleisten. Bei waagrechter Einströmung beträgt der notwendige Freiraum mindestens 200mm. Größere Mindestfreiräume sind gegebenenfalls aufgrund von gerätespezifischen Herstellervorgaben einzuhalten. Sollte eine Montage nur an der Schaltschrank-Rückwand möglich sein, sind ausreichend dimensionierte Ein- und Austrittsöffnungen in der Montageplatte sowie Schottungen im Bereich von Luftein- und Austrittsöffnung zwischen Kühlgerät und Montageplatte zur Vermeidung von Luftkurzschlüssen vorzunehmen. Die Abdichtung des Schaltschranks Um einen störungsfreien Kühlbetrieb sicherzustellen, ist der Schaltschrank abzudichten. Die Schutzart IP54 ist dabei mindestens sicherzustellen. Die IP-Klassifizierung nach IEC60529 beschreibt die Widerstandsfähigkeit gegen das Eindringen von festen und flüssigen Stoffen. Die erste Stelle der IP-Kennzeichnung bezieht sich auf feste Objekte (Staub), die zweite auf Wasser. Schlecht abgedichtete Kabeleinführungen, beschädigte Türdichtungen oder eine unsachgemäße Anbringung von Anzeige- und Bedieneinrichtungen an der Gehäuseoberfläche führen unter ungünstigen Bedingungen zu einem Anfall von mehreren Litern Kondensat am Tag und bewirken in der Regel ein höheres Temperaturniveau im Schaltschrank. Kaltluftführung im Schrank Die Kaltluftführung im Schaltschrank hat direkten Einfluss auf die Qualität der Schaltschrank-Entwärmung – und somit auf den störungsfreien Betrieb der gesamten Anlage bzw. Maschine. Die richtige Einleitung der Kaltluft in den Schaltschrank und insbesondere deren anschließende Verteilung sind dabei von besonderer Wichtigkeit. Die Kaltluft lässt sich über Kühlgeräte, die an Seitenwänden oder Türen des Schaltschranks angebaut sind, sowie über Dachaufbaugeräte oder Geräte, die z.B. im Sockelbereich des Schaltschranks positioniert sind, zur Verfügung stellen. Die benötigte Kühlgeräteausführung richtet sich dabei – neben der erforderlichen Nutzkühlleistung – hauptsächlich nach den Schrankabmessungen, dem Raumangebot in der Schrankumgebung sowie der Anordnung der zu kühlenden Komponenten im Schrank. Unabhängig von der Geräteauswahl gilt, dass die Kühlluft generell unterhalb der aktiven Komponenten in den Schaltschrank eingebracht wird und der Abstand zwischen der Kaltluftaustrittsöffnung und einem aktiven Bauteil so gestaltet sein muss, dass die Kaltluft ungehindert in den Schrank einströmen kann. Zwischen der Kaltluftaustrittsöffnung eines Kühlgerätes und einer aktiven Komponente im Schaltschrank ist ein Mindestabstand von 200mm erforderlich. Die sogenannten Wandanbaugeräte finden in der Regel bei Schaltschränken Verwendung, die einen einzeiligen Umrichterverband aufweisen. Sie werden dazu vorzugsweise auf einer Schranktüre positioniert. Eine interessante Variante dazu sind voll funktionsfähig aufgebaute Klimatüren, sie werden als Ganzes an Stelle der Standardtür an den Schrank montiert. Der Kaltlufteintritt erfolgt dabei unterhalb des Umrichterverbandes. Der geforderte Mindestabstand von 200mm zwischen dem Kaltluftaustritt und den zu kühlenden Hauptkomponenten ist dabei in der Regel bereits durch den konstruktiv gegebenen Abstand zwischen Klimatüre und Montageplatte sichergestellt. Ist dies in Ausnahmefällen nicht so, kann die Kaltluft über ein Luftleitblech am Kaltluftaustritt des Kühlgerätes in den Bodenbereich unterhalb der zu kühlenden Komponente umgelenkt werden. Der Abzug der erwärmten Luft hat oberhalb der aktiven Komponenten – in der Regel im Deckenbereich des Schaltschrankes – zu erfolgen. Bei der Auswahl eines Wandanbaukühlgerätes ist somit nicht nur die Kühlleistung des Gerätes von Bedeutung, sondern insbesondere auch die Bauhöhe bzw. der Abstand zwischen der Kaltluftaus- und Warmlufteintrittsöffnung. Klimatechnisch ist der Türanbau der Positionierung an einer Seitenwand vorzuziehen, da bei Letzterer der Umrichterverband seitlich mit Kaltluft angeströmt wird. Dabei besteht die Gefahr, dass die Kaltluft teilweise abgelenkt wird und \’ungenutzt\‘ unterhalb des Umrichterverbandes vorbeiströmt. Zur Vermeidung unerwünschter \’wilder\‘ Zirkulationsströmung können Abschottungen zwischen dem Umrichterverband und den Schrankwänden hilfreich sein. Dachaufbau-Kühlgeräte sind bestens zur Kühlung ein- und mehrzeiliger Umrichterverbände geeignet. Sie zeichnet insbesondere aus, dass die Abwärme an der höchst möglichen Position des Schaltschranks abgezogen und der Kühleinrichtung zugeführt wird. Das vermeidet einen Hitzestau direkt unterhalb des Daches, sodass auch in diesen oberen Regionen noch aktive Komponenten eingebaut werden können. Vorteilhaft sind derartige Klimageräte mit mehreren Luftaustrittsöffnungen versehen sein, die um eine zentrale Warmlufteintrittsöffnung angeordnet sind. Die Kaltluft aus diesen Öffnungen soll sich unterhalb der zu kühlenden Komponenten großflächig ausbreiten können. Ist das auf \’natürlichem Weg\‘ nicht möglich, so muss es durch Luftkanalsysteme sichergestellt werden. Eine gezielte Kaltluftzuführung über Kanäle zu den Bauteilen ist auch dann sinnvoll, wenn durch großvolumige Einbauten und/oder Geräte mit integriertem Lüfter die Ausbildung eines gleichmäßigen Kühlluftstroms von unten nach oben gestört ist. Bei der Auslegung entsprechender Luftführungen ist zu beachten, dass – der Einsatz eines Kanalsystems die Kühlleistung der Geräte um bis zu 10% reduziert, – möglichst mehrere Kanalsysteme pro Schaltschrank vorzusehen sind, – Luftschläuche knickfrei verlegt werden müssen, – ein direktes Anblasen aktiver Komponenten mit Kaltluft unzulässig ist, – eine ungestörte Ausströmung der Kaltluft am Kanalende gewährleistet sein muss, – bei Dachaufbau-Kühlgeräten, die mehrere Kaltluftaustrittsöffnungen aufweisen, der freie Luftaustritt aus mindestens zwei Öffnungen gegeben sein muss. Luftein- und Austrittsöffnungen von aktiven Komponenten im Innenkreis dürfen unter keinen Umständen durch Elektroinstallationen verbaut werden! Wie stark selbst \’kleine\‘ Hindernisse oder ein Kabelgewirr den Strömungswiderstand erhöhen, wird oft völlig unterschätzt. Sollte eine Montage von Komponenten in unmittelbare Nähe vor Lüftungsöffnungen unumgänglich sein, so sind unbedingt Luftleitbleche zur Sicherstellung einer gleichmäßigen Zirkulation vorzusehen. Dachaufbau-Kühlgeräte, welche in Verbindung mit Luftkanalsystemen die Kaltluft bis in den Bodenbereich des Schaltschrankes führen, stellen eine weitere Kühllösung dar. Über einen großflächigen, mit Luftaustrittsöffnungen versehenen Kanal (Diffusor) strömt die Luft dort mit geringer Geschwindigkeit aus. Charakteristisch dabei ist, dass sich eine recht gleichmäßige Temperaturverteilung im Schaltschrank einstellt. Außerdem stimmt die Strömungsrichtung der Kühlluft mit der Strömungsrichtung der Lüfter überein, die in den Umrichterkomponenten installiert sind. Nachteilig ist, dass dieses Kühlprinzip zur Klimatisierung von Schaltschränken mit mehrzeiligen Umrichterverbänden nur bedingt geeignet ist, da die Kühlluft hauptsächlich dem untersten Verband zugute kommt, während die oberen Verbände in der Regel die kühltechnischen Verlierer sind.
Artikel-Serie \’Schaltschrank-Klimatisierung\‘ Teil 2 von 3: Schaltschränke kühlungsgerecht aufbauen
-
Vibrationssensor mit In-Sensor-KI
STMicroelectronics hat den intelligenten Vibrationssensor IIS3DWB10IS für industrielle Zustandsüberwachung vorgestellt.
-
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für Ingenieure
Wie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Anwender sämtliche Vorteile der digitalen Schnittstelle nutzen. Das funktioniert…
-
Zustandsüberwachung durch intelligente Getriebe und smarte Services
Teure Schäden vermeiden
Mit dem Serviceprodukt Predictive Pack zur digitalen Überwachung von Antriebssträngen und verbundener Komponenten hat das Unternehmen Koch Pac-Systeme bei einem Kunden unlängst einen teuren Produktionsausfall vermeiden können. Die…
-
Neuer Vorstand für VDMA Elektrische Automation
Der VDMA Elektrische Automation hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung am 16. Juni in Bad Nauheim einen neuen Vorstand für die Amtsperiode 2026 bis 2030 gewählt.
-
Anzeige
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für IngenieureWie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt…
-
IoT-Device-Management gemäß CRA
Die Gateways von IoTmaxx werden als gehärtete Industrieplattformen für den Einsatz in rauen…
-
Root-Cause-Analyse thermischer Probleme
In einem gemeinsamen Projekt haben Iba und Ametek Land die Integration von Land-Wärmebildkameras…
-
Flexible Planetengetriebe-Familie
Die Getriebebaureihe GPT von Faulhaber wurde für besonders hohe Drehmomente entwickelt.
-
Bestellen wie ein Pro:
Neues Loyalitätsprogramm bei Conrad
Einfach nur Distributor zu sein, das reicht Conrad Electronic nicht.
-
Sichere industrielle Kommunikation
Robuste und sichere Routergeneration
Mit dem Moros.neo stellt Insys Icom eine neue Generation industrieller Router für Anwendungen…
-
Kompakter Embedded-PC mit Core Ultra 9
Der PicoSys 4619 ist ein kompakter, aktiv gekühlter Embedded-PC für den Einbau in…
-
Erfolgreiches erstes Messehalbjahr der All About Automation
Die All About Automation Messereihe hat im ersten Halbjahr 2026 ihre starke Entwicklung…
-
Für vernetzte Fertigungslinien
Mehr Transparenz und Sicherheit in der Liniensteuerung
Mit Version 5.5 seiner Leitrechnerlösung FabEagle erweitert Kontron AIS die Funktionen für Rückverfolgbarkeit,…
-
Digitaler Zwilling als Integrationsplattform für Bestandsdaten
Automatisierung und Energieeffizienz intelligent vernetzt
In vielen Bestandsanlagen besteht heute eine deutliche Kluft zwischen moderner Automatisierungstechnik und der…
-
Antrieb
Für hohe Lastspitzen und Anlaufmomente
Mit den neuen Peak Power Drives erweitert KEB Automation sein Antriebsportfolio um eine…
-
Was wurde eigentlich aus…
Was wurde eigentlich aus… dem Wireless-Handbediengerät von Sigmatek?
In der Titelstory des SPS-MAGAZINs 6/2016 ging es unter dem Titel ‚Völlig losgelöst’…
-
IPC
3HE-Rack-PC für Echtzeit- und KI-Anwendungen
Mit dem Spectra Rack 3000 R7 erweitert Spectra sein Portfolio industrieller 19″-Rack-PCs um…
-
Prüfung von elektrischen Überlastsicherungen und Rutschkupplungen
Kettenzugprüfset mit neuem Handanzeiger
Wika hat sein Kettenzugprüfset FRKPS zur Prüfung von Rutschkupplungen und elektrischen Überlastsicherungen überarbeitet.
-
Safety
Schutztür- und Schlüsselsystem schützen sensible Intralogistikanlagen
Um sein in die Jahre gekommenes Sicherheitssystem für Gassenzugänge zu ersetzen, war Movu…
-
Maßgeschneiderte 3D-Sensorik für die Inline-Inspektion
Präzision für die KI-Ära
Der weltweite KI-Boom bringt immer größere und schwerere Elektronikbauteile hervor, sodass Inspektionssysteme mittlerweile…
-
System zur Farbmessung von Flüssiglacken
Farbecht
Provitec und Micro-Epsilon haben gemeinsam das Messsystem Prodaisi Color Sensorsystem entwickelt. Dieses löst…
-
Cybersecurity für vernetzte Produkte
CRA-Compliance in der Praxis: So gelingt der Weg zur Cyberresilienz
Viele Unternehmen haben sich noch nicht ausreichend auf die Veränderungen eingestellt, die der…
-
Nachgefragt: Wie MVO und CRA Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle verändern (Teil 2)
Maschinenverordnung 2027: Jetzt wird es konkret
Die neue EU-Maschinenverordnung verändert nicht nur die Konformitätsbewertung, sondern wirkt tief in Entwicklung,…
-
CodeMeter-Ökosystem
Softwareschutz und Lizenzierung erweitert
Mit CodeMeter 9.00 und der CodeMeter Protection Suite 11.80 stellt Wibu-Systems neue Versionen…
das könnte sie auch interessieren
-
Dezentrale Sicherheitsrelais in IP65
Weiterentwicklung in vollem Gange
-
-
















