Einsatzszenarien für Reaction Technology

Gerade aus dem Blickwinkel der Kostenreduzierung ist die Reaction Technology durchaus nicht nur in Spezialanwendungen hilfreich, meint Anton Meindl: \“Grundsätzlich ist es tatsächlich so, dass man sich gut überlegen muss, warum man Hochgeschwindigkeit braucht. Ist es eine kompakt abbildbare Funktionalität, die mich zwingt, irgendwo schnelle CPUs oder sehr aufwendige Automatisierungsleistung zu installieren? Dann ist das definitiv ein Fall, in dem man über Reaction Technology nachdenken sollte. Ist die Applikation als solches sehr komplex und muss sehr schnell ablaufen, dann geht das sicherlich über die Grenzen von Reaction Technology hinaus. Für deren Einsatz geht es eigentlich immer um lokal begrenzte Funktionalitäten, die sehr schnell sein müssen und auf eine überschaubare Anzahl von E/As beschränkt sind.\“ Markus Sandhöfner erläutert dazu: \“In den meisten Maschinen sind es einzelne Stellen, einzelne Prozesse, die für den gesamten Maschinendurchsatz sehr wichtig sind, aber nicht in großer Vielzahl auftreten. Genau an diesem Punkt müssen Anwender heute entweder \’Kopfstände machen\‘, um die entsprechenenden Reaktionsgeschwindigkeiten mit einem schnellen Bus und einem schnellen Rechner zu erreichen, oder ich verwende einfach die Reaction-Technologie. Auf deren Basis entwickle ich mit meiner Standard-Entwicklungsumgebung eine Lösung, um diese wenigen Hochgeschwindigkeitsfunktionen in der Anwendung einfach und sicher umzusetzen.\“

Annäherung an Reaction Technology

Wie können Anwender herausfinden, ob die Technologie für sie die richtige Lösung ist? Anton Meindl dazu: \“Als Kunde von B&R sieht man sich vielleicht zunächst die Library bzw. die Möglichkeiten an, die vorhanden sind. Die Firmen, die bislang Spezialbaugruppen eingesetzt haben, kennen ihren Prozess sehr gut. Sie wissen exakt, wie sie ihn abbilden können und überblicken sehr schnell, ob dieser Prozess mit unseren Möglichkeiten abbildbar ist. Sie können uns auch als Partner einbeziehen und bei uns entsprechend nachfragen, welche Möglichkeiten es zusätzlich gibt. Wir bieten darüber hinaus an, spezielle Funktionsbausteine im Kundenauftrag zu entwicklen. Und natürlich wird die Library immer weiter wachsen.\“

Programmänderung zur Laufzeit

Im Gegensatz zu dezidierten Baugruppen, die hinsichtlich der Geschwindigkeit auch ihre Aufgabe erfüllen, hat die Reaction-Technologie noch einen großen Vorteil, erklärt Anton Meindl: \“Wir sind mit Reaction auch zur Laufzeit der Maschine extrem flexibel, denn während der Laufzeit der Maschine kann das Reaction-Programm ausgetauscht werden. Damit ist eine extrem schnelle Anpassung der kompletten Maschine auf neue Produkte oder geänderte Prozesse innerhalb von wenigen Millisekunden möglich. Ob man nun Mineralwasser abfüllt oder Sirup, ist ein riesiger Unterschied, man kann das aber relativ nahtlos machen. Ob ich stilles Wasser abfülle oder prickelndes – der Abfüllprozess ist im Prinzip der gleiche, aber ich muss die Flasche vollkriegen – ob es schäumt oder nicht. Hier kommt es enorm auf die Reaktionszeit an und die unterschiedlichen Füllmedien sind ausschlaggebend im Prozess. Und den kann ich durch das Tauschen des Programms immer im Griff haben. Dann fehlt da ja eigentlich nur noch die standardisiert parametrierbare Sensorik, oder? Dann sprechen wir von Industrie 4.0 in Vollendung.\“

Seiten: 1 2 3 4