B2B goes mobile

Smartphones und Tablets sind weltweit auf dem Siegeszug: Laut aktuellen Studien werden 2015 über 1,1 Milliarden Smartphones und fast 300 Millionen Tablets verkauft werden (Gardner Group). Der Grund ist offensichtlich: Die Smart Devices bieten mit ihrem Höchstmaß an Mobilität viele Chancen und Vorteile. Um diese zu nutzen, müssen gerade im B2B-Bereich noch viele Herausforderungen gemeistert werden. Wie wählen Unternehmen passende Einsatzszenarien aus? Welche Plattformen eignen sich am besten? Was gilt es, bei der Gestaltung für Multitouch zu berücksichtigen? Das waren nur einige der Fragen, die im Mittelpunkt des Events standen.

Vernetzte Welten

Eine Kuh, die eine SMS verschickt, eine Banane, die eine Lampe zum Leuchten bringt, oder ein Toaster, der das Wetter toastet – Sascha Wolter (Developer Garden) bot seinen Zuhörern eine Vielzahl an spannenden Beispielen rund um Super Natural User Interfaces. Seine Botschaft: Interaktion beschränkt sich künftig nicht mehr nur auf PC, Smartphone oder Tablet. Vielmehr wird unsere Umgebung immer stärker vernetzt und interaktiv. Ein Thema, das Dr. Peter Klein, Head of Research bei UID, in seinem Vortrag am Forschungsprojekt Indago weiter ausführte. Bei diesem Projekt entwickelt UID mit Partnern ein Assistenzsystem, das Senioren in Darmstadt personalisiert von Ort zu Ort leitet. In Diskussionen mit 28 potentiellen Nutzern wurde eine Skepsis gegenüber den Smartphones festgestellt. Daher wird der Indago-Assistent nicht als Smartphone-App realisiert. Um eine höhere Akzeptanz sowie Vertrauen in das spätere Produkt sicherzustellen, beschreitet das Projektteam einen anderen Weg: Nicht-technische, vertraute Alltagsgegenstände wie Armband, Uhr oder Schlüssel sollen Zugang zur digitalen Welt und so zu kontextsensitiven Informationen bieten.

Mobile User Experience

Wie man den mobilen Kontext optimal in der Gestaltung berücksichtigt und dennoch medien-übergreifend ein konsistentes Look & Feel ermöglicht, zeigte Franz Koller, Managing Director bei UID, in seinem Vortrag \’Mobile User Experience – Mobile First in der Praxis auch mobil?\‘. Mit einer App eine Maschine steuern, unterwegs auf wichtige Kennzahlen zugreifen, Bestellungen unmittelbar vor Ort an den Einkauf schicken oder direkt im Patientenzimmer Pflegedaten aufrufen – Smart Devices werden dort verwendet, wo der Nutzer sich gerade befindet. Die mobile Nutzung birgt besondere Herausforderungen wie schwankende Datenverbindungen oder erschwerte Touch-Bedienung in der Bewegung. Auch die kleinen Displays stellen ihre eigenen Anforderungen an Interaktion und Design. Eine 1:1-Übertragung bestehender Konzepte, Designs und Inhalte von anderen Plattformen wie Desktop oder Web auf mobile Anwendungen wird diesen vielfältigen Anforderungen nicht gerecht. Vielmehr gilt es, die Bedienphilosophie und Gestaltungsparadigmen zu berücksichtigen, die Nutzer von Apps aus dem Consumer-Bereich gewohnt sind. Zu diesen Prinzipien gehört u.a., dass Apps nur einen beschränkten Funktionsumfang haben. Zudem sollten bei den Oberflächen auf den Smart Devices die Informationen und Inhalte klar im Vordergrund stehen. Funktionalitäten entblättern sich schrittweise durch Berühren der betreffenden Informationen. Gilt es einerseits den mobilen Nutzungskontext bei der Gestaltung optimal zu berücksichtigen, sollten Hersteller anderseits Nutzern über mehrere Plattformen, Medien und Produkte hinweg eine konsistente Markenwahrnehmung ermöglichen. Ein durchgängiger Einsatz von Farben und Icons, ein konsistentes Wording oder eine einheitliche Bildsprache tragen u.a. dazu bei. Die einzelnen Etappen auf dem Weg zur benutzerfreundlichen mobilen Anwendung beschrieb Dr. Ronald Hartwig, Director User Experience Design bei UID. An Projektbeispielen aus seinem Arbeitsalltag erklärte er den benutzerzentrierten Gestaltungsprozess, bei dem der Nutzer von Anfang an an der Entwicklung beteiligt ist. Dabei werden in der Analyse zunächst Informationen über die Nutzer, deren Aufgaben und Ziele sowie die typische Nutzungsumgebung gesammelt. Darauf aufbauend definieren Usability-Experten die Anforderungen und mögliche Einsatzszenarien für die mobile Anwendung. Im nächsten Schritt werden die Ideen und Anforderungen in ein Interaktions- und Designkonzept umgesetzt. Noch vor der Implementierung beurteilen Nutzer erste Konzepte mit- hilfe von Prototypen. So kann man schon in einer frühen Entwicklungsphase Usability- und Design-Probleme aufdecken, wenn es noch günstiger und leichter ist, diese zu beheben. Das Ziel des benutzerzentrierten Gestaltens ist die Entwicklung von mobilen Anwendungen, die optimal auf die Bedürfnisse der Nutzer zugeschnitten sind und ein positives Nutzungserlebnis (User Experience) ermöglichen.

Eine App, viele Plattformen

iOS, Android oder WinPhone? Nativ, hybrid oder Web-App? Heiko Lewandowski, Principial Software Architect bei UID, gab einen Überblick über aktuelle mobile Technologien und Frameworks und gab Kriterien an die Hand, die bei der Wahl einer geeigneten Technologie unterstützen. Sein Fazit: Jedes Projekt sollte individuell betrachtet und die Technologie entsprechend der Ziele und Zielgruppe mit der App gewählt werden.

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