Am nordwestlichen Rand der Eifel liegt Aachen. Hier hat die Schumag AG ihren Hauptsitz. Das Unternehmen hat sich im Laufe seiner 175jährigen Geschichte von einer Nadelmanufaktur zum Unternehmen mit besonderer Expertise in der Behandlung von Vollmaterialien und Rohrwaren entwickelt. Neben dem Maschinen- und Anlagenbau für die Stahl und NE-Industrie stellt Schumag Präzisionsteile nach Kundenwünschen her (Dieseleinspritzsysteme, Pumpen, Tachometerteile usw.) und fertigt Präzisions-Normteile für Stanzwerkzeuge und Formenbau. Derzeit beschäftigt Schumag insgesamt ca. 1.100 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz zwischen 100 und 130Mio Euro. Im Maschinen- und Anlagenbau gehört das Ziehen, Trennen, Richten, Fasen, Schleifen und Polieren zu den Disziplinen, die Schumag realisiert. Sämtliche Maschinen sind modular ausgeführt, das heißt, der Kunde kann sich seine Maschine innerhalb gewisser Parameter individuell konfigurieren. Das gilt auch für die Steuerungstechnik – insbesondere bei den vielen internationalen Kunden. Das birgt aber auch seine Tücken. \’Wir haben früher für unsere ganze Regelungstechnik selber die Hardware entwickelt und hergestellt, und wenn Software dabei war, haben wir die auch selber geschrieben\‘, erläutert Hubert Stiel, Entwicklung Software bei der Schumag AG. \’Da wir keine hohen Stückzahlen benötigen, wir verkaufen ja pro Maschine normaler Weise nur eine Regelungssteuerung, hat sich das nicht mehr gerechnet.\‘ Man entschied sich daher, ein System zu finden, bei dem die Hardware vom Lieferanten gepflegt wird, aber die maschinenspezifischen Funktionen in eigener Hand bleiben konnten. Dabei sei man nach längerer Suche auf die Firma Bachmann gestoßen: \’Die M1-Steuerungsplattform von Bachmann electronic aus Feldkirch/Österreich passte für uns genau: vom Hardwarekonzept, von der Software, und auch von der Betreuung her\‘, sagt Johannes Warns, Abteilungsleiter E-Konstruktion bei Schumag. Das erste Projekt war die Realisierung einer Fliegenden Säge. Die erste Maschine mit Bachmann-Regelung ist 2002 bei einem Kunden in Nürnberg in Betrieb gegangen. \’Wir haben seitdem etwa 100 Fliegende Sägen und Trenner ausgeliefert. Die Vorschubgeschwindigkeit reicht von 80 bis 150m/min. Darüber hinaus gibt es spezielle Applikationen, das sind dann keine Fliegenden Sägen mehr, sondern rotierende Scheren mit zwei Kurbelarmen. Diese erreichen mittlerweile Geschwindigkeiten von bis 300m/min bei Schnittlängen-Toleranzen ±2mm.\‘ Vorteile der Bachmann M1 Die Bachmann M1-Steuerung gibt es bereits seit 1998. Sie basiert auf Standard-Intel-Prozessoren, wie sie auch in PCs zum Einsatz kommen. Allerdings hat sich Bachmann dazu entschlossen, sich von der Software-Seite her nicht an ein Microsoft-Betriebssystem zu binden. Dadurch ist Bachmann in der Lage, die Fortentwicklung seiner Software vollständig selbstständig zu entscheiden. Dennoch profitieren Bachmann-Kunden von der ständig wachsenden Performance bei den Computer-Chips. Schumag sieht den Vorteil der Bachmann-Steuerung M1 auch in der Durchgängigkeit der Hardware: \’Wir können die M1 für verschiedene Funktionen einsetzen und die Software sehr flexibel anpassen. Angefangen haben wir wie gesagt mit den Sägenapplikationen, Fliegende Scheren. Der zweite Schritt war dann ein Spiralwickler, mehr oder weniger ein Abfallprodukt der Fliegenden Säge. Darüber hinaus gibt es eine so genannte Sortiersteuerung, die dazu dient, dass Fehler, die im Produktionsprozess detektiert werden, am Ende der Maschine den ausgeworfenen, geschnittenen Stangen zugeordnet und entsprechend in Gut- und Schlechtseiten sortiert werden\‘, erklärt Stiel die Maschinenfunktionen. Von der Modulsteuerung zur Kernmaschine Aktuell wurde bei Schumag eine sogenannte Schälmaschine mit der Bachmann M1 entwickelt. Diese ist sehr viel komplexer als die bisherigen Applikationen. Hier kommt für die Kernmaschine die M1 zum Einsatz. Für Peripheriefunktionen setzt Schumag auf verschiedene Steuerungen, vor allem auf Siemens S7, aber auch Allen Bradley oder Mitsubishi kommen zum Einsatz. \’Schließlich geht in der Regel über die Hälfte der Maschinen in den außereuropäischen Export\‘, erläutert Warns. Ein weiterer Vorteil bei Bachmann sei, dass das Kern-Know-how für Inbetriebnehmer als Blackbox ausgeliefert werden können, ergänzt Softwareentwickler Stiel. Es gebe definierte Schnittstellen zur Peripheriesteuerung. D.h. die eigentliche Inbetriebnahme läuft nicht in der Software ab. Fehler, die bei der Inbetriebnahme entstehen, müssen außerhalb der Kernfunktion gesucht werden. \’Das verkürzt die Inbetriebnahmezeit bei uns, weil wir auf Bausteine zurückgreifen, von denen wir genau sagen können, dass diese fehlerfrei funktionieren. Die Inbetriebnehmer können in den Quellcode nicht hinein schauen. Dadurch laufen wir nicht Gefahr, dass jede Maschine einen neuen Softwarestand bekommt.\‘ Und Warns ergänzt: \’Wir haben die Freiheitsgrade der Inbetriebnehmer stark eingeschränkt und dadurch die Inbetriebnahmezeiten erheblich reduzieren können.\‘ Programmierung Auch von der Performance zeigt sich Stiel sichtlich überzeugt: Er programmiere am liebsten in strukturiertem Text. Auf die Frage, ob auch das Programmieren in C für ihn in Frage käme, weist er auf die zur Verfügung stehende Performance hin: Das Programmieren in C sei bisher nicht notwendig gewesen. Die Performance reiche vollkommen aus. \’Wir programmieren derzeit nicht einmal zeitoptimiert. Man kann das schön runterprogrammieren, das ist dann sehr schnell. Man muss nicht auf optimierte Programmierverfahren zurückgreifen. Es ist schon ein sehr elegantes Tool\‘, schwärmt er. Performance Bei einer voll ausgebauten Schälmaschine sind zwar nur ca. 40 digitale Eingänge und 30 digitale Ausgänge zu versorgen, allerdings gibt es zwischen 6 und 10 Verstellachsen, die auch lagegeregelt sind. Dazu verteilt Stiel die Aufgaben in verschiedene Tasks: Die Tasks, die die Verstellungen machen, sind nicht sehr zeitkritisch und werden dementsprechend auf einen hohen Taskzyklus gelegt. Die kritischen Achsregelungen hingegen werden auf einen schnellen Task gelegt. \’Das ist der Vorteil der Bachmann-Steuerung: Man kann die Aufgabe klassisch einteilen wie man es braucht, so läuft es dann auch ab. Auch kontrollierbar. Bei einer klassischen SPS sieht es anders aus, da hängt es teilweise wirklich von den Zuständen ab, wie lang die Zykluszeit ist. Das haben wir bei der Bachmann zum Glück nicht. Dass man konstante Taktzyklen hat, ist insbesondere für die Lageregelung sehr wichtig. Der Determinismus auf dem System wird für jeden Task immer eindeutig eingehalten. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt,\‘ so der Abteilungsleiter der E-Konstruktion, Johannes Warns. Vorausschauende Instandhaltung Ein Punkt, der für die Kunden immer wichtiger wird, ist die vorausschauende Instandhaltung. Bei der Schälmaschine von Schumag geht es zum Einen um die vorausschauende Instandhaltung der Lagerung. Werden hier Veränderungen festgestellt, kann man einen geplanten Maschinenzustand nutzen, um die Lager zu kontrollieren. Aber auch bei Veränderung im Schälprozess, also der Messerabnutzung können solche Funktionen gut gebraucht werden. \’Die Schälmesser, die das Material abschälen, haben eine bestimmte Standzeit. Über 80% dieser Standzeit sind die Messer stabil. Erst zum Schluss verändern sie sich.\‘ Wenn man zuverlässing detektieren könnte, welche Qualität die Messer noch haben, könnte man die Messer wechseln, bevor die erste schlechte Stange aus der Maschine kommt, da das Schälprodukt kostenmäßig sehr ins Gewicht fällt. \’Eine Stange wegschmeißen kann schon mal ein paar hundert Euro kosten, je nachdem, aus welchem Material sie besteht,\‘ erläutert Warns. \’Das geht bis zu Titan-Schälen, da werden selbst die Späne noch gesammelt.\‘ Andererseits: Jede halbe Stunde, die die Messer länger genutzt werden können, spart bares Geld. Kommunikation Auch in puncto Kommunikationsfähigkeit lässt die Bachmann-Steuerung keine Wünsche offen: Für die reine Datenkommunikation setzt man bei Schumag Profibus ein. Die wenigen zeitkritischen Signale werden direkt über IOs erfasst. Fazit
Bachmann M1 macht flexibel und schützt das Know-how Wie die Schumag AG die Steuerung einsetzt, um international wettbewerbsfähig zu bleiben
-
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für Ingenieure
Wie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Anwender sämtliche Vorteile der digitalen Schnittstelle nutzen. Das funktioniert…
-
Auslandsmärkte Maschinenbau: Auftragsbestand
38% der indischen Firmen melden überdurchschnittliche Bestände.
-
Conrad Whitepaper
Industrie 4.0 im Modell erleben und erproben
Mit der Agile Production Simulation (APS) von Fischertechnik lassen sich moderne Industrie-4.0-Konzepte praxisnah im Modell abbilden.
-
SpiraTec setzt Wachstum im Geschäftsjahr 2024/2025 fort
SpiraTec hat im Geschäftsjahr 2024/2025 ihren Wachstumskurs erfolgreich fortgesetzt und ihre Wettbewerbsposition weiter gestärkt.
-
Neuer Manager Product Development bei Itac
Dr. Daniel Metz übernimmt ab sofort die Position Manager Product Development bei Itac.
-
Anzeige
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für IngenieureWie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt…
-
KI bei der Arbeit: Fast die Hälfte lehnt sie ab
Auch im Berufsleben ist KI angekommen. 48% der Erwerbstätigen nutzen KI bei der…
-
9,7Mio. neue IO-Link-Devices in 2025
Im Jahr 2025 wurden weltweit rund 9,7Mio. neue IO-Link-Devices und Master-Ports installiert.
-
87% erachten Weiterbildung als wichtig
Weiterbildung von Mitarbeitenden hat für die Mehrheit der Unternehmen eine hohe Bedeutung.
-
Mit hohem Abschirmfaktor
EMV-Schutzschläuche
Moderne Produktionsanlagen sind auf eine störungsfreie Signal- und Datenübertragung angewiesen.
-
Konform zur Maschinenverordnung
Sichere Kleinsteuerung
Mit der konfigurierbaren sicheren Kleinsteuerung Pnozmulti?2 von Pilz können Anwender ab sofort die…
-
Zellspannung kompakt und sicher überwachen
Differenzielles Analog-Eingangsmodul
Das differenzielle Analog?Eingangsmodul erweitert das Remote?I/O?System U?Remote um eine Lösung zur Einzelzell?
-
Online konfigurierbar
Embedded-PC für industrielle Anwendungen
Der Custom Picosys AMI240AFM ist ein lüfterloser Embedded PC für industrielle Anwendungen, bei…
-
Flexible Planetengetriebe-Familie
Die Getriebebaureihe GPT von Faulhaber wurde für besonders hohe Drehmomente entwickelt.
-
IoT-Device-Management gemäß CRA
Die Gateways von IoTmaxx werden als gehärtete Industrieplattformen für den Einsatz in rauen…
-
Vibrationssensor mit In-Sensor-KI
STMicroelectronics hat den intelligenten Vibrationssensor IIS3DWB10IS für industrielle Zustandsüberwachung vorgestellt.
-
Zustandsüberwachung durch intelligente Getriebe und smarte Services
Teure Schäden vermeiden
Mit dem Serviceprodukt Predictive Pack zur digitalen Überwachung von Antriebssträngen und verbundener Komponenten…
-
Neuer Vorstand für VDMA Elektrische Automation
Der VDMA Elektrische Automation hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung am 16. Juni in…
-
Prüfung von elektrischen Überlastsicherungen und Rutschkupplungen
Kettenzugprüfset mit neuem Handanzeiger
Wika hat sein Kettenzugprüfset FRKPS zur Prüfung von Rutschkupplungen und elektrischen Überlastsicherungen überarbeitet.
-
Bestellen wie ein Pro:
Neues Loyalitätsprogramm bei Conrad
Einfach nur Distributor zu sein, das reicht Conrad Electronic nicht.
-
Sichere industrielle Kommunikation
Robuste und sichere Routergeneration
Mit dem Moros.neo stellt Insys Icom eine neue Generation industrieller Router für Anwendungen…
-
Kompakter Embedded-PC mit Core Ultra 9
Der PicoSys 4619 ist ein kompakter, aktiv gekühlter Embedded-PC für den Einbau in…
-
Erfolgreiches erstes Messehalbjahr der All About Automation
Die All About Automation Messereihe hat im ersten Halbjahr 2026 ihre starke Entwicklung…
-
Root-Cause-Analyse thermischer Probleme
In einem gemeinsamen Projekt haben Iba und Ametek Land die Integration von Land-Wärmebildkameras…
das könnte sie auch interessieren
-
Cybersecurity für vernetzte Produkte
CRA-Compliance in der Praxis: So gelingt der Weg zur Cyberresilienz
-
Nachgefragt: Wie MVO und CRA Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle verändern (Teil 2)
Maschinenverordnung 2027: Jetzt wird es konkret
-
CodeMeter-Ökosystem
Softwareschutz und Lizenzierung erweitert
-
Für vernetzte Fertigungslinien
Mehr Transparenz und Sicherheit in der Liniensteuerung
















