Beckhoff will sich stärker im Bereich der Verpackungsmaschinenhersteller engagieren. Mit welchen Komponenten wollen Sie das vor allem tun? Wir wollen uns in vielen vertikalen Märkten spezialisieren, auch im Packaging-Bereich. Wir bauen unser Automatisierungsportfolio immer weiter aus. Dabei haben bestimmte Branchen, wie beispielsweise die Verpackungsmaschinenbauer, eine besondere Bedeutung für uns. Beckhoff hat eine offene Hardware-Plattform, die so skalierbar und performant ist, dass sie sich für jede Branche eignet. Wir spezialisieren uns daher vor allem im Bereich unserer Software Twincat. Bedeutet das, dass sie für die unterschiedlichen Branchen entsprechende Softwarebibliotheken anbieten? Ja, ganz genau. Die Automatisierungssuite Twincat ist sehr universell und branchenunabhängig ausgelegt. Unsere Softwarelösung bündelt das Knowhow aus allen Bereichen der Automatisierungstechnik. Davon können dann auch alle Branchen profitieren, egal ob es am Ende um eine Verpackungsmaschine oder um eine Presselinie geht. Für die Verpackungsbranche bieten wir Standard- und spezielle Software-Libraries, in denen viele vorgefertigte Lösungen bereitstehen, wie z.B. Druckmarkenregelung, Tänzer-Kontrolle der Druckmarkenregelung, Fliegende Säge oder Momenten-Regelungen. Diese Funktionsbausteine werden durch einfaches Parametrieren an die entsprechende Anwendung angepasst. Mit dieser Software sind wir in der Lage, jede Verpackungsmaschine abzubilden. Und der Anwender spart Zeit- und Entwicklungskosten. Darüber hinaus ist die Firma Beckhoff Mitglied der OMAC-Organisation und unterstützt natürlich die Guidelines der sogenannten PackAL-Library. Und wie sieht es mit der Hardware aus? Sie haben recht, ebenso wichtig ist der Aspekt der Hardware. In diesem Bereich gibt es gerade im \’Packaging\‘ verschiedene \’Flaschenhals-Szenarien\‘. Jede Verpackungsanlage hat irgendwo eine \’Engstelle\‘, die man bisher – häufig notgedrungen – akzeptieren musste, weil die klassischen Automatisierungskomponenten einfach an ihre Leistungsgrenze stoßen, insbesondere die Feldbussysteme. Mit Ethercat steht uns eine Technologie zur Verfügung, die sehr schnell ist und sich somit besonders gut für Verpackungsmaschinen eignet. So können wir beispielsweise mit preiswerten Standard-Komponenten eine Druckmarkenregelung realisieren, wo bisher teure Spezialhardware eingesetzt wird. Unsere XFC (eXtreme Fast Control)-Technologie gibt uns die Möglichkeit, einen Touchprobe-Eingang bei einer Verpackungsmaschine im µs-Bereich zu realisieren. Anwender können eine ganz normale digitale Eingangsklemme aus unserem EtherCAT-I/O-System nehmen, um die Lichtschranken damit abzufragen. Mit einer Oversampling-Klemme können extrem schnelle Zykluszeiten erreicht werden. Und genau mit diesem System lösen wir auch häufig den \’Flaschenhals\‘ in so einer Maschine. Für alle Maschinenbauer ist heute eine skalierbare Steuerungsplattform eine wichtige Voraussetzung, um unterschiedliche Maschinentypen zu entwickeln. Das stimmt. Die Skalierbarkeit der Beckhoff-Steuerung ist außergewöhnlich hoch und sehr fein granuliert. Das beginnt bei einem Embedded-PC der Serie CX als wirklicher Lowcost-Steuerung und reicht hinauf bis zum Power-PC mit Core-2-Duo-Technologie in einem Bauformat mit PCI-Steckplätzen, Raid-Controller usw. Der Kunde kann, wie aus einem Baukasten, die Hardware wählen, die für ihn am besten passt, und seine Anwendung zentral oder dezentral lösen. Dabei wird ihm natürlich nicht zugemutet, mit verschiedenen Software-Tools zu arbeiten: Es gibt eine Software, mit der man das Ganze von der kleinsten bis zur größten Steuerung abarbeiten kann. Das unterscheidet uns von allen anderen Anbietern, dass wir beispielsweise einen Embedded-PC haben, der ein kleines Transportband mit einem DC-Motor steuert, auf dem verpacktes Einzelgut beschleunigt wird, um es geschlossen einer Sammelverpackung zuzuführen. Wenn Kunden solche Anwendungen dezentral realisieren wollen, vielleicht um modulare Lösungen zu erreichen, entwickeln sie immer mit der gleichen Twincat-Software und mit den gleichen Bibliotheken. Sie haben in der Twincat-Software ja auch die Motion-Funktionalitäten integriert. Für Packaging-Anwendungen sind Motion-Control-Funktionen ein Knackpunkt. Tatsächlich decken wir diese softwaremäßig mit speziellen Bausteinen und Libraries in Twincat ab. Als Hardware kommen dafür die Servoantriebe der AX5000-Serie zum Einsatz, deren Leistungsbereich heute von 1,5 bis 170A reicht (vgl. auch SPS-MAGAZIN 12/2009 S.121). Wir gehen also mit Ethercat bis in die Antriebsregler. Die gesamte Intelligenz befindet sich in der PC-Steuerung und nicht im Regler. Das ist im gesamten Lebenszyklus einer Maschine ein gewaltiger Vorteil, angefangen vom Engineering über die Inbetriebnahme bis hin zum Servicefall. Mit diesem System können wir mit einem Regler das ganze Anforderungsspektrum, das man in der Antriebstechnik hat abdecken, bis hin zu einer Spindel, die mit 70.000 Touren dreht. Immer häufiger sind auch Roboterkinematiken in Verpackungsanwendungen gefragt. Bisher ist es bei vielen Herstellern so, dass sie ein System für die SPS benötigen, vielleicht noch ein gesondertes für die Motion-Funktionen und ein drittes für den Roboter. Wir haben die Robotik-Funktionen, wie Delta-Kinematiken oder Scara, in das Twincat-System integriert. Damit stecken die SPS, der Motion-Controller und die Roboter-Kinematik in einem System. Die gesamten Daten des Roboters stehen so auch der SPS in Echtzeit zur Verfügung. Sie haben Ethercat jetzt schon öfter angesprochen. Ganz konkret, welche Vorteile haben Anwender Ihrer Meinung nach von der schnellen Kommunikation mit Ethercat? Die Kunden haben ganz handfeste Vorteile von einer schnellen Kommunikationstechnologie, denn sie erlaubt es z.B., eine Maschine kleiner zu bauen. Wenn Sie ein Produkt, bei den sehr hohen Geschwindigkeiten, mit denen moderne Verpackungsmaschinen laufen, mit einer Kamera erkennen oder gar mit einem Greifer aufnehmen müssen, dann wird der Footprint einer Maschine mit Ethercat und Twincat kleiner, als mit anderen Technologien, weil wir mit den EtherCAT-Distributed-Clocks, schneller auf Ereignisse reagieren können. Sprich: Wenn ein Ereignis ausgelöst wird, z.B. durch eine Lichtschranke, ist man mit Ethercat früher in der Lage, dieses Signal zu verarbeiten. Deshalb besteht die Möglichkeit, dass ein Greifer kleiner gebaut werden kann. Und wenn Sie den Footprint einer Maschine, die 30m lang ist, auf beispielsweise 28m verkleinern können, dann haben Sie gewonnen. Das ist das, was wir unter Technologie-Dienstleistung verstehen. Ein anderes Beispiel: Bei einer Druckmarkenerkennung haben wir die Tänzerregelung komplett weggelassen, denn diese ist mechanisch sehr aufwendig. Durch die schnelle Kommunikation mit Ethercat haben wir die Regelung des Servoantriebs so hinbekommen, dass die Folie nicht abreißt. Mit Ethercat können Sie solche Dinge realisieren. Mit den Reaktionszeiten, die man vorher aufgrund der langen Feldbus-Zykluszeiten hatte, waren solche Lösungen nicht denkbar. Time-to-Market ist heute ein wichtiges Kriterium bei der Entwicklung einer neuen Maschinengeneration. Wie helfen Sie Anwendern, ihre Lösungen schnell an den Markt zu bringen? Das ist genau der Punkt: Wir bieten letztendlich nicht nur die Hard- und die Software an, sondern auch die Applikationssoftware. Zudem helfen wir dem Kunden bei seinen ersten Schritten, bei der Umsetzung seiner Anwendung und bei Problemen im Projekt. Und wir haben zahlreiche Systempartner, die sich in dem Bereich Packaging auskennen. (kbn) Das Interview entstand im Februar dieses Jahres.
Beckhoff-Lösungen für die Verpackungsmaschinenbranche
-
Vibrationssensor mit In-Sensor-KI
STMicroelectronics hat den intelligenten Vibrationssensor IIS3DWB10IS für industrielle Zustandsüberwachung vorgestellt.
-
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für Ingenieure
Wie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt mit Beispielen aus der Praxis, wie Anwender sämtliche Vorteile der digitalen Schnittstelle nutzen. Das funktioniert…
-
Zustandsüberwachung durch intelligente Getriebe und smarte Services
Teure Schäden vermeiden
Mit dem Serviceprodukt Predictive Pack zur digitalen Überwachung von Antriebssträngen und verbundener Komponenten hat das Unternehmen Koch Pac-Systeme bei einem Kunden unlängst einen teuren Produktionsausfall vermeiden können. Die…
-
Neuer Vorstand für VDMA Elektrische Automation
Der VDMA Elektrische Automation hat im Rahmen seiner Mitgliederversammlung am 16. Juni in Bad Nauheim einen neuen Vorstand für die Amtsperiode 2026 bis 2030 gewählt.
-
IoT-Device-Management gemäß CRA
Die Gateways von IoTmaxx werden als gehärtete Industrieplattformen für den Einsatz in rauen…
-
Anzeige
Mehr Speed mit IO-Link: 5 Praxistipps für IngenieureWie Anwender das volle Potenzial smarter Sensoren ausschöpfen
IO-Link hat deutlich mehr zu bieten als die bekannten Vorzüge. Dieser Fachartikel zeigt…
-
Root-Cause-Analyse thermischer Probleme
In einem gemeinsamen Projekt haben Iba und Ametek Land die Integration von Land-Wärmebildkameras…
-
Flexible Planetengetriebe-Familie
Die Getriebebaureihe GPT von Faulhaber wurde für besonders hohe Drehmomente entwickelt.
-
Bestellen wie ein Pro:
Neues Loyalitätsprogramm bei Conrad
Einfach nur Distributor zu sein, das reicht Conrad Electronic nicht.
-
Sichere industrielle Kommunikation
Robuste und sichere Routergeneration
Mit dem Moros.neo stellt Insys Icom eine neue Generation industrieller Router für Anwendungen…
-
Kompakter Embedded-PC mit Core Ultra 9
Der PicoSys 4619 ist ein kompakter, aktiv gekühlter Embedded-PC für den Einbau in…
-
Erfolgreiches erstes Messehalbjahr der All About Automation
Die All About Automation Messereihe hat im ersten Halbjahr 2026 ihre starke Entwicklung…
-
Für vernetzte Fertigungslinien
Mehr Transparenz und Sicherheit in der Liniensteuerung
Mit Version 5.5 seiner Leitrechnerlösung FabEagle erweitert Kontron AIS die Funktionen für Rückverfolgbarkeit,…
-
Digitaler Zwilling als Integrationsplattform für Bestandsdaten
Automatisierung und Energieeffizienz intelligent vernetzt
In vielen Bestandsanlagen besteht heute eine deutliche Kluft zwischen moderner Automatisierungstechnik und der…
-
Antrieb
Für hohe Lastspitzen und Anlaufmomente
Mit den neuen Peak Power Drives erweitert KEB Automation sein Antriebsportfolio um eine…
-
Was wurde eigentlich aus…
Was wurde eigentlich aus… dem Wireless-Handbediengerät von Sigmatek?
In der Titelstory des SPS-MAGAZINs 6/2016 ging es unter dem Titel ‚Völlig losgelöst’…
-
IPC
3HE-Rack-PC für Echtzeit- und KI-Anwendungen
Mit dem Spectra Rack 3000 R7 erweitert Spectra sein Portfolio industrieller 19″-Rack-PCs um…
-
Prüfung von elektrischen Überlastsicherungen und Rutschkupplungen
Kettenzugprüfset mit neuem Handanzeiger
Wika hat sein Kettenzugprüfset FRKPS zur Prüfung von Rutschkupplungen und elektrischen Überlastsicherungen überarbeitet.
-
Safety
Schutztür- und Schlüsselsystem schützen sensible Intralogistikanlagen
Um sein in die Jahre gekommenes Sicherheitssystem für Gassenzugänge zu ersetzen, war Movu…
-
Maßgeschneiderte 3D-Sensorik für die Inline-Inspektion
Präzision für die KI-Ära
Der weltweite KI-Boom bringt immer größere und schwerere Elektronikbauteile hervor, sodass Inspektionssysteme mittlerweile…
-
System zur Farbmessung von Flüssiglacken
Farbecht
Provitec und Micro-Epsilon haben gemeinsam das Messsystem Prodaisi Color Sensorsystem entwickelt. Dieses löst…
-
Cybersecurity für vernetzte Produkte
CRA-Compliance in der Praxis: So gelingt der Weg zur Cyberresilienz
Viele Unternehmen haben sich noch nicht ausreichend auf die Veränderungen eingestellt, die der…
-
Nachgefragt: Wie MVO und CRA Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle verändern (Teil 2)
Maschinenverordnung 2027: Jetzt wird es konkret
Die neue EU-Maschinenverordnung verändert nicht nur die Konformitätsbewertung, sondern wirkt tief in Entwicklung,…
-
CodeMeter-Ökosystem
Softwareschutz und Lizenzierung erweitert
Mit CodeMeter 9.00 und der CodeMeter Protection Suite 11.80 stellt Wibu-Systems neue Versionen…
das könnte sie auch interessieren
-
Dezentrale Sicherheitsrelais in IP65
Weiterentwicklung in vollem Gange
-
-
















