Eine der zentralen Fragen, die Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung IBM Deutschland GmbH, am 15. Oktober im Rahmen des 3. Deutschen Maschinenbaukongresses 2008 in Berlin stellte, war: \“Bestimmen Sie den Wandel oder bestimmt der Wandel Sie?\“ \“Es ist ein Gebot der Rationalität, mit knappen Ressourcen möglichst sparsam umzugehen\“, ist in der aktuellsten Einschätzung des Maschinenbau-Marktes der Deutsche Bank-Research vom 14. Oktober 2008 zu lesen. \“Ich habe von einem brasilianischen Ökonomen eine erschreckende Einschätzung gehört, den ich fragte, wie die Welt 2020 aussehen wird. Er hat geantwortet: China wird die Fabrik sein, Indien das Entwicklungszentrum, die USA die Shopping Mall, und Europa wird das Technologie-Museum dieser Welt werden.\“ Das waren die mahnenden Abschlussworte, die Dr. Angelika Niebler, MdEP und Vorsitzende des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie im Europäischen Parlament in Brüssel den Zuhörern des Maschinenbaukongresses mit auf den Weg gab. \“In Bezug auf die technische Wettbewerbsfähigkeit\“, so hieß es am Vortag des Maschinenbau-Gipfels aus einem Kommuniquée des VDMA, \“sehen über die Hälfte der befragten Mitgliedsunternehmen ihren Konkurrenten im eigenen Land.\“ Fast ebenso viele Maschinen- und Anlagenbauer gehen sogar davon aus, dass sich ihre technische Wettbewerbsfähigkeit in den kommenden Jahren eher verbessere. Der Maschinen- und Anlagenbau biete heute schon hocheffiziente Systemlösungen, versicherte VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein, die in Summe den Energieverbrauch um mehr als ein Drittel senken können. \“Die Politik spricht vom \’Entstehen\‘ einer gewaltigen \’Umweltindustrie\‘ \“, fährt er fort. \“Wir aber sind schon da und werden mit unserer Kreativität, mit unserer Innovationskraft und mit unserer Lösungskompetenz maßgeblich dazu beitragen, die Herausforderungen einer integrierten Klima- und Energiepolitik zu meistern.\“ Energieeffiziente Produkte kompensieren Stagnation Der Maschinenbau-Gipfel stand unter dem Motto \“Deutschland am Wendepunkt\“. Das Thema hätte vor dem Hintergrund der aktuellen Geschehnisse nicht treffender gewählt sein können. Die Entwicklung der Weltwirtschaft wird die sensationellen Wachstumsraten der vergangenen Jahre auf jeden Fall bremsen – wie heftig, das bleibt abzuwarten. Der VDMA bestätigte jedenfalls die Produktionsprognose für 2008 mit plus fünf Prozent. Im Vergleich zum Niveau des Jahres 2003, so erläuterte Dr. Wittenstein im Rahmen der Pressekonferenz zum Maschinenbau Gipfel, konnte die Branche die Produktion also um sage und schreibe 40% steigern. Insofern beschrieb er auch seine Prognose für das kommende Jahr als eine \’Normalisierung auf hohem Niveau\‘. Der VDMA erwartet eine Stagnation mit unterschiedlichen Ausprägungen auf einzelne Fachzweige. Der Verband und seine Mitglieder setzen auf Trends wie den wachsenden Bedarf an energieeffizienten Produkten und Verfahren, die zyklisch bedingte Nachfrage- ausfälle kompensieren können. Das Siegel Energieeffizienz ist in der Welt der Konsumgüter längst ein Verkaufsschlager und scheint auch in der Industrie eine der Antworten auf die Frage nach einer adäquaten Lösung für die Herausforderungen des Standortes Deutschland sowohl an Politik als auch an die Unternehmen zu werden. Doch es ist kein unstrittiges Thema, und so wurden einige heiße Eisen in Berlin angefasst. Dass die Branche keine kontroverse Diskussion scheut, davon zeugte die hochkarätige Liste der Referenten: Neben der Eröffnungsrednerin Dr. Angela Merkel leiteten die Referate von Bertold Huber (IG Metall) und Hans-Werner Sinn (ifo-Institut) durch den ersten Veranstaltungstag. Die vergessene Säule der Energiepolitik Das Thema Energieeffizienz ist nicht neu und doch gibt es scheinbar eine (bis dato) vergessene Säule der Energiepolitik. Und zwar handelt es sich um die Klärung der Frage, wie die Varietät energieeffizienter Produkte in den Markt, sprich an den Kunden zu bekommen wäre. Was bedeutet diese eingangs des zweiten Tages des 3. Deutschen Maschinenbau-Gipfels von Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung Deutsche Energie Agentur GmbH (dena) in Berlin, gestellte Frage? Nicht mehr, als dass die Energieverbrauchsszenarien, die Politik und Wirtschaft bewegen, noch lange nicht beim Endkunden, nämlich den Käufern und Anwendern, angekommen sind. Diese investieren schlichtweg noch nicht in energieeffiziente Produkte. Möglichkeiten für Einsparpotenziale bleiben ungenutzt Das Potenzial zur Reduzierung des Energieverbrauchs entspräche etwa der doppelten Energiemenge des derzeitigen Erdgasexports Russlands in die EU, zitierte der dena-Geschäftsführer das Ergebnis einer Untersuchung des russischen Energieministeriums Minenergo. Kohler forderte daher, dass jetzt Handlungsoptionen ergriffen werden – und auch deren Palette ist bereits breit gefächert. Zum einen fordert er die Erschließung der wirtschaftlichen Stromeffizienzpotenziale durch moderne, innovative Technologien, die bereits heute verfügbar sind, z.B. Hocheffizienz-Motoren. Auch Smart Metering muss als Chance zur Etablierung von Stromspar-Dienstleistungen in Verbindung mit handlungskonkreten Informationssystemen für Verbraucher eingesetzt werden. Auch der Aufbau einer nachhaltigen, sicheren und kostengünstigen Energieversorgung unter Optimierung der Nachfrageseite und des Zusammen- spiels von dezentralen und zentralen Energieversorgungssystemen unter Nutzung moderner Informationstechnologien, so genannter Smart Systems, wird deutliche Einsparpotenziale hervorbringen. Die Einsparpotenziale des Energieverbrauchs sind gerade in der produzierenden Industrie hoch (das Wirtschaftliche Stromeffizienzpotenzial in der Industrie beträgt 25Twh/a, so ergab die Studie \“Energieeffizienzstrategie – Grundlagen, Potenziale und Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz auf der Nachfrageseite\“ der dena aus dem Jahr 2006) und leider ungenutzt. Entscheidungshilfen für Produkte und Systeme Entscheidungshilfen für Produkte und Systeme, wie wir sie im kommenden Jahr verstärkt auf die Tagesordnung der Fachzeitschriften IT&Production und SPS-MAGAZIN setzen werden, ist eines der Instrumente, die dem Markt zur Verfügung stehen. Damit Energieeffizienz in der Industrie umgesetzt wird, braucht es Perspektiven. Die Kostensenkung durch Optimierung des Betriebs energiebetriebener Systeme ist eine. Auch die Nutzungsdauer und Lebenszyklen von Maschinen und Anlagen müssen berücksichtigt werden. Investitionen in innovative Techniken und Technologien sind, das ist vielleicht die schlechte Nachricht dieser Veranstaltung, unerlässlich. Gleichzeitig muss das betriebliche Know-how in diesem Themenfeld gestärkt werden. Auch die Sicherheit und Zuverlässigkeit energiebetriebener Systeme muss erhöht werden. So werden Fertigungsunternehmen wieder anpassungsfähig an sich schnell verändernde Rahmenbedingungen und erhöhen ihre Wettbewerbsfähigkeit. (sph) Kasten Energy Efficiency Award 2009
Bestimmen Sie den Wandel oder bestimmt der Wandel Sie? Im Zeichen der Energieeffizienz
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