Der Klügere gewinnt

Wer macht das Rennen? Der Schnellste? Muss nicht sein – ein Produkt kann auch zu früh auf den Markt kommen, beispielsweise wenn es noch nicht ausgereift ist oder noch keiner danach verlangt. Also hat vielleicht doch der Langsamste langfristig betrachtet die besseren Gewinnchancen? Auch das muss nicht zutreffen. Gibt es doch genügend Beispiele von ewig Zweiten, die niemals bis an die vorderste Front vordringen. Wir leben heute in einer Welt der Superlative. Je nach Branche ertüfteln die Unternehmen die innovativsten Technologien, die winzigsten Bauteile, die ergonomischsten Bediengeräte, die schnellsten Bussysteme, die sichers-ten Schutzeinrichtungen usw. – aber wer gewinnt? Wie lange gibt es überhaupt eine Steigerungsmöglichkeit bzw. wann wird diese sinnlos? Führt dieses ständige Matchen mit dem Mitbewerb überhaupt in die richtige Richtung oder besteht dabei nicht viel eher die Gefahr, dass man eines Tages ohne es zu merken an den eigentlichen Bedürfnissen der Kunden vorbeiprescht, weil man in der Hitze des Gefechts die ursprünglichen Ziele aus den Augen verloren hat? Es sind also viele verschiedene Fragen, die über den Erfolg bzw. Misserfolg eines Unternehmens entscheiden. Und diese sind keinesfalls leicht zu beantworten. Was für den einen wirtschaftliche Früchte trägt, kann einen anderen in eine Sackgasse führen und umgekehrt. Und wer einen Blitzstart hinlegt, muss nicht unbedingt als erster im Ziel landen. Auf der Straße zum Erfolg gilt es nämlich nicht nur gewisse Marktregeln zu beherrschen, sondern auch immer wieder etlichen Schlaglöchern auszuweichen. Professor Dr. Chris-toph Ph. Schließmann, Wirtschaftswissenschaftler, Erfolgsautor und Experte für Strategie & Lea-dership, brachte beim innotec Forum für innovative Software-Strategien im Anlagen- und Maschinenbau einige gefährliche Fallstricke zur Sprache: 1) Manchmal verbessert und optimiert man bei seinem Produkt so viel, dass es dem Kunden zu kompliziert wird oder dass das Ergebnis nur noch für spezielle Kunden passt – das Problem dabei: Man begibt sich in Nischen, d.h. der Markt wird kleiner. Ist für manches durchaus okay, aber nicht für alles. 2) Wir hören täglich \’du musst nah am Kunden sein\‘, laut Professor Schließmann bestehe dabei die Gefahr, dass man irgendwann plötzlich zu nah am Kunden ist, diesem blindlings folgt und dann am Ende irgendwo landet, wo man ursprünglich gar nicht hin wollte. Also Vorsicht: Vielleicht kennt der Kunde tatsächlich die beste Strecke zum Sieg, wenn nicht, folgt man mit dieser Vorgehensweise unter Umständen lange Zeit einer falschen Spur. 3) Es geht nicht so sehr um die Funktionen eines Produkts als um die ursprünglichen Bedürfnisse, die man damit befriedigen will. Das sollte man in diesem Bestreben um kleiner, besser, schneller usw. niemals aus den Augen verlieren. An dieser Stelle empfiehlt der Wirtschaftswissenschaftler: Nicht (nur) linear denken bei Innovationen, sondern lieber des Öfteren nach Wechseln und neuen Lösungsansätzen Ausschau halten! Nur das Tempo zu erhöhen reicht auf Dauer nämlich nicht. Auch Alice im Wunderland kämpfte mit dem Problem, dass man unter Umständen läuft und läuft ohne sich vom Fleck zu rühren. Und auf der anderen Seite kann es manchmal sogar ein Abfallprodukt sein, mit dem man plötzlich den ganz großen Hit landet – so viel zum Thema Post-it, aber das ist eine andere Geschichte. Also immer schön flexibel und offen für neue Ideen bleiben! Sandra Winter