Die Dialektik der Automatisierung

Uns allen ist wohl aus dem Schulunterricht die Darstellung von These, Antithese und Synthese noch im Gedächtnis. Wenn gleich diese Darstellung von Hegels Theorie sehr verkürzt wiedergegeben ist, so ist sie doch ungemein praktisch und deckt sich häufig mit unseren menschlichen Erfahrungen: Aus Atomkraftgegnern werden Öko-Industrielle, aus Revoluzzer-Studenten werden Hochschulprofessoren, aus Raider wurde Twix, und was passiert, wenn aus Staatsmonopolen Wettbewerbsmärkte entstehen, konnten wir alle segensreich auf unserer Mobiltelefonrechnung sehen. Es sind also häufig extreme Gegenentwürfe, die zum Fortschritt führen. Gegenentwürfe der Automation Dieses Prinzip kann man durchaus auch auf die Automatisierungstechnik anwenden. Die Gegenthese zur Parallelverdrahtung waren die Feldbusse, zur SPS war es der Industrie-PC, und zur Windows-based Automation ist es, das Open-Source-Modell, das zumeist auf Linux aufsetzt. Ob das Open-Source-Modell der nächste Schritt in die Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus ist, kann man heute seriös noch nicht einschätzen. Der Beweis steht noch aus. PC-basierte Automatisierung Die PC-basierte Automatisierungstechnik (häufig unter Windows-Betriebssystemen) war ihrerseits der Gegenentwurf zur SPS. Sie hat ihre Tragfähigkeit als performante Automatisierungsplattform in den vergangenen Jahren bewiesen und ist heute State of the Art. Dennoch ist die \’klassische SPS\‘ erfolgreich wie nie zuvor. Gerade dieses Beispiel zeigt, wie sehr gute widerstreitende Konzepte in der Synthese kulminieren: Die Industrie-PCs heutiger PC-basierter Steuerungen haben viel Ähnlichkeit mit SPSen, wie umgekehrt \’klassische SPSen\‘ viele Fähigkeiten aus der PC-Welt entlehnen. Gut informiert in die Zukunft Alle drei Formen der Automatisierung sind Themen im vorliegenden SPS-MAGAZIN (siehe Bildunterschriften rechte Spalte). Denn so wichtig Gegenentwürfe für den Fortschritt sind, so wichtig ist es, darüber Bescheid zu wissen. Und so ist – zumindestens für Leser des SPS-MAGAZINs – der Fortschritt nicht aufzuhalten. Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen der vorliegenden Ausgabe Ihr Kai Binder kbinder@sps-magazin.de