In den vergangenen 25 Jahren hat sich die Arbeitsweise in der Elektrokonstruktion drastisch verändert: Der Zeichentisch ist verschwunden, der Zeichenstift ist der Computermaus gewichen. Mechanisch konstruiert wird heute überwiegend in 3D und die Elektroplanungstools sind nicht als Ersatz für den Zeichenstift zu sehen. Sie werden vielmehr zur Drehscheibe von Daten und Informationen, ohne die eine effiziente Erstellung einer Maschine oder Anlage nicht mehr möglich ist. Eplan ist als Unternehmen der ersten Stunde in diesem Segment tätig und hat mit vielen Innovationen die Richtung dieser Technologie maßgeblich beeinflusst. Angefangen haben Sie ja in einer quasi computerlosen Welt. Wie wurden Sie mit dem Elektroplanungswerkzeug erfolgreich? Pesch: Es gab damals schon ein paar AutoCAD-Benutzer, aber das Zeichenbrett war der absolute Standard: Bleistift, Tusche, Schablone. Ich glaube, der wirkliche Grund, warum Eplan erfolgreich wurde war, dass unsere CAE-Technologie auch auf einer relativ kostengünstigen Hardware ablief. Zu der Zeit gab es Systeme, die auf Kühlschrank-großer Hardware liefen und richtig viel Geld kosteten. Das konnten sich nur wenige große Unternehmen leisten, z.B. die Automobilbauer. Unsere Idee war es, die gleiche Funktionalität auf einen vergleichsweise kleinen PC zu bringen. Das war der Schlüssel für den Erfolg im Mittelstand und letztlich die Verbreitung. Die wichtigen \’Milestones\‘ der letzten 25 Jahre, welche waren das? Pesch: Es gab viele wichtige Meilensteine, viele davon hängen aus Sicht der Kunden direkt mit der Entwicklung der Computer zusammen, z.B. Speicher, Grafik oder Drucker. Ein großer Milestone aus Sicht der Software war beispielsweise Eplan 21, weil es den Beginn der Objektorientierung in Elektro-CAD-Systemen einläutete. Man hatte ein Objektmodell, und alles, was man nachher an verschiedenen Auswertungen oder an verschiedenen Dokumentationen hatte, waren einfach nur \’Sichten auf die Datenbank\‘. Das war schon ein sehr moderner Ansatz. Und dann kommt die Übernahme durch Rittal in der Firmengeschichte. Pesch: Im Jahr 1999 wurde das Unternehmen gesamtheitlich an Rittal International verkauft. Friedhelm Loh, der Vorstandvorsitzende und Gesellschafter der Friedhelm Loh Group, zu der auch Rittal International gehört, war bereits seit den 80er Jahren Teilhaber bei Eplan. Norbert Müller, damals Vorsitzender der Geschäftsführung von Rittal International, übernahm bei Eplan den Vorsitz der Geschäftsführung. Seit 2001 ist Hans Hässig als Geschäftsführer verantwortlich. Das nächste große Datum war Eplan Electric P8 auf der neuen Eplan-Plattform? Pesch: Wir hatten durch die Parallelität der Eplan-Produktlinien Eplan 5 und Eplan 21 zwei Entwicklungsteams und eigentlich auch zwei Supportteams. Uns war bewusst, dass wir beides irgendwann zusammenführen müssen, um die Kräfte zu bündeln. Eplan Electric P8 ist also zunächst mit dem Ziel entstanden, beide Produkte funktional abzubilden, am Ende ist viel mehr daraus geworden: Das neue ist das Plattform-Konzept, das uns heute erlaubt, neben der Elektrik auch andere Disziplinen auf eine gemeinsame Plattform aufzusetzen, z.B. die Fluid-Technik. Die Eplan-Plattform bietet also die Basistechnologien, die alle unsere Applikationen benötigen wie Datenhaltung, Benutzeroberflächen usw. An diese Plattform koppeln dann all die fachspezifischen Applikationen an. Derzeit wird viel über Mechatronik gesprochen, das betrifft auch die Engineeringwerkzeuge, oder? Pesch: Vor fünf Jahren haben wir uns im Rahmen des Föderal-Projektes zum ersten Mal mit dem Thema \’funktionales Engineering\‘ auseinandergesetzt. Wir haben damals die Firma Mind8 kennen gelernt und sehr schnell eine Kooperation aufgebaut. Jetzt ist Mind8 seit zwei Jahren Mitglied in der Friedhelm Loh Gruppe. Die Technologie von Mind8 steckt in unserem Engineering Center. Das Eplan Engineering Center ist eine Art \’\’Steuerzentrale\’\‘ die die Brücke zwischen Mechanik, Elektrotechnik, Steuerungstechnik und Dokumentation schlägt. Das Engineering Center bietet also die optimale Unterstützung für Unternehmen, die von den Vorteilen des mechatronischen oder besser des funktionalen Engineerings profitieren wollen. Wenn man versucht, die Entwicklung der vergangenen Jahre auf die Arbeit des Planers anzuwenden, dann hat sich ja dieses ganze Tätigkeitsfeld vollkommen verändert. Pesch: Die Firmen waren damals anders aufgestellt, auch in den Konstruktionsabteilungen. Als ich 1985 bei Eplan angefangen habe, waren der größte Teil der Teilnehmer bei Schulungen technische Zeichner. Die standen am Zeichenbrett und machten Reinzeichnungen von den Handskizzen der Projektierer oder Elektro-Ingenieure. Das Bild hat sich gewandelt: Der Konstrukteur sitzt direkt am System, und was er dort konzipiert, ist gleichzeitig die Konstruktion und die Dokumentation. Mittlerweile ist es so, dass die Konstruktionsabteilungen enger zuammenrücken müssen, Stichwort Mechatronik, weil sie sehen, dass man für bestimmte Anforderungen nur Optimallösungen findet, wenn man sich schon in der Konzeptionsphase gemeinsam Gedanken macht. Der nächste große Schritt ist dann die interdisziplinäre Zusammenarbeit. Die kommt ohne Plattformstrategie gar nicht aus. Wie weit ist diese Entwicklung bereits fortgeschritten? Pesch: Die Gesamtentwicklung ist noch im Anfangsstadium. Im Eplan-System haben wir die Voraussetzungen für eine bereichsübergreifende Zusammenarbeit gelegt, das heißt jedoch noch lange nicht, dass alle Firmen, die es einsetzen auch organisatorisch so aufgestellt sind. In den Projekten ist genau das derzeit die größte Herausforderung und für uns entsteht daraus eine neu Rolle: Wenn ich heute mit Kollegen spreche, die Projekte betreuen, sagen sie häufig: Wir versuchen erst einmal, die Organisationsstrukturen in den Unternehmen auf- bzw. umzubauen. Die Arbeit am System steht hier nicht im Vordergrund. Das klingt, als seien Sie bei Kunden, die den mechatronischen Weg gehen wollen, eher Consulting-Dienstleister? Pesch: Ja, wir machen für den Bereich Engineering echte Unternehmensberatung: Welche Leute müssen wir am Tisch haben? Wie reden die miteinander? Wie gehen die miteinander um? Und wer liefert welches Teil? Das ist die eigentliche Herausforderung. Werkzeuge sind sicher ein unterstützendes Moment an der Stelle, aber ohne die organisatorischen Anpassungen ist deren Erfolg gemessen am Prozess limitiert. Wenn sich also die Organisation nicht in gleicher Weise umstellt, dann nutzen die Tools in der Form nur bedingt. Ist denn der mechatronische Ansatz wirklich der einzige Weg, der im internationalen Wettbewerb so viel Potenzial für Kostensenkung im Betrieb bietet, um dem standzuhalten? Pesch: Ob es der einzige Weg ist, sei mal dahingestellt. Aber der mechatronische Weg hat einen Riesen-Vorteil: Man kann einfach für bestimmte Anforderungen Lösungen konzipieren, die nicht nur aus einer Disziplin heraus gedacht sind und führend in Funktion, Effizienz und Kosten sind. Gucken wir mal 25 Jahre weiter, wie wird dann engineert? Pesch: Das ist eine gute Frage. Weiß ich nicht (lacht). 25 Jahre ist schon sehr weit voraus. Der Trend, der erkennbar ist, dass immer weniger die Mechanik, immer mehr die Elektrik und Software die entscheidende Rolle bezüglich der Funktionalität und Flexibilität von Maschinen und Anlagen spielt. Dieser Trend wird sicher so weiter gehen. Feldgeräte werden immer intelligenter, das ganze Thema der Selbstdiagnose wird einen immer größeren Raum einnehmen. Die Mechanik wird auf jeden Fall noch eine Rolle spielen, aber die Optimierungspotenziale liegen zum größten Teil in mechatronischen Lösungen. Ich glaube, dass Mechanik, Elektrotechnik und Software immer stärker miteinander verschmelzen und die Software eine zunehmend größere Rolle spielen wird. Ob das SPS basiert sein wird oder auf Basis alternativer Systeme, wird man sehen. (kbn) Kasten 1: Eplan Electric P8: Die neue Version Eplan präsentiert zur Hannover Messe das Service Pack 1 von Eplan Electric P8 1.9. Erweiterungen in Auswertungen, Schaltplan- und Stammdatenerstellung wie intelligenter PDF-Export bringen mehr Qualität und Durchgängigkeit in die Projektierung. Neue Suchfunktionen und die parallele Baum- und Listenansicht im Artikelstammdaten-Navigator sorgen für schnelleres Finden und Überblick. Makros lassen sich mit bis zu 128 Ausprägungen anlegen durch Kombination von Varianten und Darstellungsarten. So kann eigenes Know-how für die individuelle Standardisierung hinterlegt werden. Alle erforderlichen Ausprägungen einer Teilschaltung werden in der Makrodatei verwaltet – das liefert die Grundlage einer standardisierten, effizienten Projektierung. Geräte-, SPS- und Ortskästen werden individuell dargestellt. Sie lassen sich jetzt als Polygone oder Polygonzüge zeichnen. So wird die Darstellung komplexer Anlagen- und Ortsstrukturen in Maschinenübersichten vereinfacht. Das Ergebnis: ein Übersichtsplan, der allen Projektbeteiligten den notwendigen Überblick verschafft. Zusätzliche Flexibilität gibt es beim Verschieben von Symbolen und Bauteilen. Auf Wunsch behält das Bauteil auch außerhalb des Ortskastens sein ursprüngliches Ortskennzeichen. Anwender können per Tastenkombination selbst entscheiden, ob sich die Elemente objekt- oder grafikorientiert verhalten. Das Modul Revision Management bietet neue Vergleichsfunktionen, mit denen ein Projektvergleich bis auf einzelne Eigenschaften konfiguriert werden kann. Auch lässt sich der Projektvergleich individuell einschränken – auf das Gewerk oder einen Anlagenteil. Auf Knopfdruck findet das System alle relevanten Änderungen. Online-Querverweise zwischen Stromlaufplan und Auswertungen machen die Navigation und den Zugriff auf Bauteildaten einfacher. Auch in der PDF-Ausgabe von Projekten lässt sich über Querverweise zwischen dem neuen Betriebsmittelbaum und den unterschiedlichen Plan-Arten springen. Dabei sind im PDF alle Bauteildaten über die neuen Datenblätter im Zugriff. Individuell durch den Anwender konfigurierbar werden diese Datenblätter automatisch beim PDF-Export erzeugt. So erhalten die Kollegen der nachgelagerten Engineering-Phasen die Informationen, die sie für eine reibungslose Fertigung und schnelle Inbetriebnahme brauchen. Anwender können in ihrer Muttersprache projektieren und das Projekt automatisch in eine andere Sprache übersetzen lassen. Das erledigt das System. Dreh- und Angelpunkt ist die Übersetzungsdatenbank, die vom Anwender gepflegt werden muss. Damit diese Pflege leichter wird, lassen sich jetzt Eigennamen oder international gültige Bezeichnungen gezielt von der Übersetzung ausschließen. Auch die neuen individuellen Trennzeichen beim wörtlichen Übersetzen helfen, den Wortstamm klein zu halten. Das spart Zeit und Kosten beim Übersetzen der Schaltpläne und bei der Pflege der Datenbank. HMI-Stand: Halle 17 Stand D40
Eplan Software & Service: 25 Jahre Innovationen im Engineering
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