Fernwartungslösung sichert Olivenölproduktion

D­ekanter sind Zentrifugen, die feste und flüssige Stoffe voneinander trennen. Diese Maschinen werden für ganz unterschiedliche Dinge benötigt: Von der Eindickung und Entwässerung von Klärschlamm bis hin zur Lebensmittelproduktion reicht die Bandbreite der Anwendungen. Zur Herstellung von Olivenöl liefert Hiller Anlagen beispielsweise nach Spanien und Italien. Auch die Mineralölindustrie benötigt Dekanter zum Eindicken von Schlämmen. Hillers Vertriebsbüros finden sich heute auf allen Kontinenten. Das technische Know-how, die Produktion und die Entwicklung sind aber nach wie vor unter einem Dach am bayerischen Stammsitz zuhause. Kostenfaktor Kundendienst \”Service ist für uns oberstes Gebot\”, sagt Georg Lichtenecker, der als Bereichsleiter für das Auftragsmanagement des Familienbetriebes zuständig ist. \”Unsere Kunden erwarten eine umfassende Betreuung, nachdem sie unsere Maschinen gekauft haben.\” Schließlich sind hier die Ausgangsmaterialien nie ganz genau gleich. Beispielsweise kann die Beschaffenheit des Schlamms sich verändern oder der Wassergehalt von zermahlenen Naturprodukten, aus denen Extrakte gewonnen werden, variieren. Die Anlagen müssen dann nachjustiert werden, damit sie optimal laufen. Normalerweise nehmen die Kunden solche Feineinstellungen alleine vor. In den ersten Monaten wünschen aber viele noch die Begleitung und Hilfestellung durch den Hersteller und wenden sich dazu an Hiller. In der Vergangenheit kam es vor, dass ein Techniker in aller Eile aus Bayern nach Bordeaux geschickt wurde, um dort festzustellen, dass nur der Not-Aus-Knopf gedrückt worden war und eigentlich alles problemlos lief. Überflüssige Einsätze vermeiden Um solche ebenso kostenintensiven wie überflüssigen Einsätze zu vermeiden, gleichzeitig aber den Service zu verbessern, machte sich der Dekanter-Hersteller auf die Suche nach einem geeigneten System, das die Möglichkeit bietet, alle Anlagenparameter aus der Ferne einsehen zu können. \”Wer seinen Kundendienst effektiv einsetzen will, muss wissen, was vor Ort los ist\”, bringt Lichtenecker seine Beweggründe auf den Punkt. Das Fernwartungs-System sollte dabei nicht nur bei konkreten Anlässen die aktuellen Maschinendaten nach Vilsbiburg übertragen. Viel wichtiger war die Historie der Werte. \”Nur so lassen sich Schlüsse ziehen, worin die Ursache einer Fehlfunktion liegen könnte\”, erklärt Fritz Holbl, der bei Hiller für die Automatisierungstechnik verantwortlich ist. Anlagenüberwachung und Auswertungstools Um eine sichere und auf die Anwendungen zugeschnittene Fernwartungslösung zu entwickeln, nahm Hiller Kontakt zur Firma dataprofit auf. Der Anbieter sicherer Anlagenüberwachung aus Friedberg in Bayern bietet Visualisierunglösungen, die alle Daten übersichtlich abbildet und über einen Webbrowser abrufbar macht. Diese Lösung umfasst aber nicht nur die Darstellung aktueller Werte; auch alle gesammelten Daten aus der Vergangenheit stehen graphisch aufbereitet zur Verfügung und ermöglichen so die Analyse und Fehlersuche. Dabei können unterschiedliche Werte verglichen werden, indem man sie als Kurven anzeigt und übereinander legt. So lassen sich Veränderungen und ihre direkten Auswirkungen erkennen. Welche Parameter Hiller bei einer Anlage überwacht und aufzeichnet, wird aufgrund der Erfahrungen von Hiller entschieden. \”Wir kennen die unterschiedlichen Prozesse bei den Anwendern und wissen, auf welche Daten es ankommt und an welchen Stellen es später noch Anpassungsbedarf geben könnte\”, sagt Lichtenecker. Beispielsweise ist bei Klärschlämmen der Anteil der Trockensubstanz wichtig, der über ein Streulichtverfahren gemessen wird. \”Wir schauen uns bei einer Störmeldung den Zustand einer Anlage zu dem Zeitpunkt an, an dem der Fehler auftritt\”, erklärt Lichtenecker. \”Ändert sich beispielsweise die Zusammensetzung des zu verarbeitenden Schlamms kurzfristig erheblich gegenüber der Grundeinstellung, kann dies Auswirkungen auf den Verarbeitungsprozess innerhalb des Dekanters nach sich ziehen. Die Maschine geht möglicherweise auf Störung und schaltet sich dann ab.\” Ohne Detailinformationen würde hier ein Techniker zum Kunden geschickt, der auf den ersten Blick nur die Abschaltung der Maschine erkennen könnte. Hier die Ursache herauszufinden, wäre wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Mithilfe der Fernwirklösung erkennen die Techniker in Vilsbiburg nun sofort, dass die Beschaffenheit des Schlamms sich veränderte, bevor sich die Maschine abschaltet hat. Der Fehler lässt sich erkennen, ohne Zeit oder Kosten zu investieren und man kann sich sofort um die Lösung kümmern (z.B. dem Kunden Tipps für Änderungen der Einstellungen geben oder diese aus der Ferne selbst vornehmen). Teleservice-Modul auch für abgelegene Standorte Es bleibt noch die Frage, wie die Dekanter, die beispielsweise als mobile Containeranlagen in russischen Ölfeldern eingesetzt werden, ihre Daten nach Vilsbiburg übertragen. \”Telefon- oder gar Datenleitungen gibt es hier nicht. Wir brauchen ein drahtloses System, das auch bei variablen Einsatzorten verwendet werden kann\”, erzählt Hans-Jürgen Krieg von dataprofit. Vor allem muss die Verbindung sicher, stabil und schnell sein, um bei Bedarf auch Softwareupdates aus der Ferne installieren zu können. Fündig wurde man bei der Firma Wachendorff aus Geisenheim. Ihr Teleservice-Modul eWON wird über eine MPI-Schnittstelle mit der SPS der Anlage verbunden und stellt via Funk oder GSM-Karte die Verbindung zum zentralen dataprofit-Server her. Der Zugriff auf die Steuerung ist via Webserver und eWON über jeden beliebigen Webbrowser möglich – sicher VPN-getunnelt und passwortgeschützt. Das Teleservice-Modul gibt es in unterschiedlichen Ausführungen und mit verschiedenen Schnittstellen. Es kann durch Zusatzprogrammierung an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Dadurch ist eWON in das Sicherheitskonzept des Systems von dataprofit integriert. Dieses unterstützt den Schutz der Anwendernetze über Firewalls. VPN-Verbindungen werden immer nur von innen nach außen aufgebaut, das heißt: Das Modul baut die Verbindung zum Server auf. Alle Zugriffe oder Veränderungen an Einstellungen werden in Log-Dateien auf dem Server protokolliert. Bedienfehler erkennen – Wartung optimieren