Im Interview: GigE-Vision hat den Einsatz von Framegrabbern verändert

SPS-MAGAZIN: Laut VDMA-Zahlen sind die Umsätze, die mit Framegrabbern erzielt wurden, in den vergangenen Jahren stark gesunken. Welche Bedeutung haben Framegrabber überhaupt noch für die Industrielle Automatisierung? Georg Schelle: Bei Stemmer Imaging sind die Nettoumsätze mit Framegrabbern in den vergangenen zwei Jahren nur geringfügig gesunken. Bis dahin konnten wir in diesem Segment sogar ein starkes Wachstum verzeichnen und im Verhältnis zum übrigen Markt Marktanteile gewinnen. Die sinkenden Zahlen resultieren primär aus einem Rückgang bei analogen Framegrabbern. Wir führen diesen Trend neben der technischen Weiterentwicklung auf der Seite der digitalen Schnittstellen, wo vor allem die Markteinführung von GigE-Vision für eine Verlagerung weg vom Framegrabber verantwortlich ist, auf unsere Beratung und unser Produktangebot über alle Technologien hinweg zurück. SPS-MAGAZIN: Kann man in Zukunft ganz auf Framegrabber verzichten? Georg Schelle: Nein, weil die Anforderungen an Geschwindigkeit und Auflösungen stetig weiter steigen. Framegrabber werden aber nach unserer Einschätzung bei Low-End-Applikationen an Bedeutung verlieren. SPS-MAGAZIN: Durch welche Technologien wurden Bilderfassungskarten ersetzt? Georg Schelle: Vor allem durch den Übertragungsstandard GigE-Vision. Diese Technologie bringt als erste digitale Schnittstelle alle notwendigen Merkmale für eine professionelle Bildverarbeitung mit. Anwendungen mit GigE-Vision-Anbindungen verdrängen derzeit primär die Analog-Technik. SPS-MAGAZIN: Welche Vorteile bieten die Framegrabber? Georg Schelle: Framegrabber können immer dann ihre Vorteile ausspielen, wenn die Anwendung hohe Datenübertragungsraten oder eine Vorverarbeitung auf der Bilderfassungskarte erfordert. Auch wenn eine perfekte Kontrolle über die Applikation oder Echtzeitoperationen gefordert sind, verfügen Framegrabber über eine größere Leistungsfähigkeit als andere Technologien. SPS-MAGAZIN: Welche Nachteile haben die Framegrabber im Vergleich zu anderen Lösungen? Georg Schelle: Natürlich ist es gerade bei anspruchsvollen Aufgaben zunächst einmal enorm wichtig, dass der Anwender die geeignete Hardware einsetzt. Bei der großen Bandbreite der am Markt verfügbaren Framegrabber ist die richtige Auswahl nicht immer einfach. Dann muss der Anwender beim Einsatz des Framegrabbers meist gute Programmierkenntnisse mitbringen, und der Aufwand für eine Integ­ration ist oft relativ groß. Sowohl bei der Auswahl der optimalen Hardware als auch bei der Integration in das System steht Stemmer Imaging Anwendern von Framegrabbern mit Rat und Tat zur Seite. SPS-MAGAZIN: Gibt es spezielle Branchen, die häufig Framegrabber einsetzen? Georg Schelle: Da gibt es einige Branchen wie z.B. die Medizintechnik, Anwendungen in der Solar- und Glas-Produktion oder auch den Bereich Entertainment, wo tendenziell weiterhin bevorzugt Framegrabber zum Einsatz kommen. Meist ist aber nicht die Branche entscheidend, ob eher Framegrabber oder andere Bilderfassungs-Technologien eingesetzt werden, sondern die technischen Randbedingungen bestimmen die Auswahl der Komponenten. (afs)