Interview: Weniger Fehler, mehr Effizienz Das EEC und der Verdrahtungsroboter

SPS: Eines der Publikumsmagnete auf dem diesjährigen Hannover Messe Stand von Eplan war ein Verdrahtungsroboter. Ist das der Beginn einer neuen Ära für Schaltschrankbauer? Brandl: Ja, in der Tat. Wenn man bedenkt, welche Bedeutung allein in dem Thema Verdrahtung steckt, dann kann man jetzt nicht nur bis zu 45 Prozent Zeit sparen. Vielmehr steigt auch die Qualität der Maschine oder Anlage signifikant, weil viel weniger Fehler passieren, wenn ein Roboter auf der Basis der Eplan Engineering Center-Daten die ganze komplexe Verdrahtung realisiert. Darüber hinaus besteht jetzt die Option, viel einfacher kundenspezifisch zu arbeiten, weil es einem Roboter egal ist, ob er hundert Mal die selbe Verdrahtung durchführt oder hundert verschiedene. Damit können Schaltschrankbauer einen völlig neuen Markt adressieren. An dem Praxisbeispiel sieht man aber auch, wie viele Möglichkeiten ein Engineeringsystem wie das EEC bereithält. SPS: Der Roboter arbeitet mit den Daten aus dem Eplan Engineering Center? Brandl: Ja, der Verdrahtungsroboter ist eigentlich eine weitere Stufe im integrierten Engineering mit dem EEC Und es ist wichtig, ihn so zu verstehen. Er ist eine tolle Innovation, die viele Chancen ermöglicht, aber wir haben bei Eplan viele andere Themen, die aus meiner Sicht genauso effizienzsteigernd sind. Man darf nicht vergessen, dass der Verdrahtungsroboter nur ein Element in einem gesamten Prozess darstellt. Es gibt viele andere, genauso wertschöpfende Schnittstellen oder Prozessverbesserungen, die auch in Eplan-Lösungen stecken, aber vielleicht nicht so schön darstellbar sind wie ein Verdrahtungsroboter. SPS: Wie geht es Eplan grundsätzlich? Brandl: Wir sind sehr zufrieden. Es ist natürlich insgesamt in der Branche der Aufschwung zu spüren. Die Auftragsbücher sind auch bei uns voll und die Auftragseingänge gehen weiter steil nach oben. Der Grund dafür liegt auch darin, dass viele Investitionen jetzt freigegeben werden, die bereits lange geplant waren. Ich kann so viel verraten: Wir haben ein zweistelliges Wachstum und liegen im Augenblick mit mehr als einem Drittel über dem Vorjahr. Auch international ist Eplan sehr erfolgreich, wir haben hier auf der Messe zahlreiche ausländische Delegationen zu Gast gehabt, beispielsweise aus Korea, Japan, den USA usw. Wir bekommen aus der gesamten Welt sehr gute Signale. SPS: In welchen Regionen ist Eplan besonders erfolgreich? Brandl: Hohe Wachstumsraten im internationalen Geschäft kommen derzeit aus China, den USA und auch einigen Regionen Europas, in denen wir historisch nicht so gut wie in anderen Ländern vertreten waren. In Frankreich beispielsweise erzielen wir derzeit ein sehr gutes Wachstum. Auf dem chinesischen Markt konnten wir vom letzten auf dieses Jahr unser Business verdoppeln, selbstverständlich auf kleinerer Basis als hierzulande, aber wir sind dort sehr ehrgeizig unterwegs. SPS: Stellt der chinesische Markt spezielle Anforderungen an Ihre Produkte, beispielsweise hinsichtlich der Funktionalitäten? Brandl: Wir haben immer stärker das Gefühl, dass sich die Kundenanforderungen an unsere Produkte in vielen Regionen der Welt angleichen. Ich war erst vor wenigen Wochen in China und sehr überrascht darüber, wie ehrgeizig die Chinesen dabei sind, den besten verfügbaren Prozess zu implementieren. Man will wettbewerbsfähig sein gegenüber den USA und auch Europa. Unternehmen dort wollen also den globalen Standards in nichts nachstehen. Das gilt auch für Schnittstellen – der Kunde in China möchte ebenso seine Verbindung zwischen Konstruktion und ERP. Die Themen sind dort also ebenso vielfältig wie in Europa oder Amerika. Und diese Unternehmen sind bereit zu investieren, so dass ich sehr sicher bin, dass das Eplan-Produktportfolio auch global sehr gut passt. SPS: Und wie stellt sich die Situation in den USA dar? Brandl: Auch in Amerika standardisieren die großen Unternehmen ihr Engineering. Man versucht innerhalb der Firma, klare Regeln und Standards zu etablieren, weil sich erst dann der Nutzen eines einheitlichen Systems voll ausschöpfen lässt. Wenn also nicht jedes Konstruktionsdepartment eine eigene Lösung baut, sondern wenn man weltweit Eplan verwendet, dann kann man die Schaltpläne wunderbar von einem Ort zum anderen austauschen. Konstrukteure verteilt über die Welt können beispielsweise am gleichen Projekt arbeiten. SPS: Haben die Unternehmen denn die Krise genutzt, um ihre Prozesse zu optimieren? Brandl: Es gibt immer solche und solche. Was man aber heute deutlich sehen kann ist die Tatsache, dass die Firmen jetzt im Vorteil sind, die in der Krise mutig genug waren zu investieren und die Zeit der Unterauslastung genutzt haben, um diese Dinge zu erledigen. SPS: Auf der Hannover Messe haben Sie mit Eplan Pro Panel den Nachfolger von Eplan Cabinet vorgestellt. Was verbirgt sich dahinter? Brandl: Eplan Pro Panel ist ein völlig neues System, mit dem wir eine neue Durchgängigkeit im 3D-Schaltschrankbau schaffen. Dabei bleibt das Programm so einfach wie ein 2D-Programm. Mit Pro Panel entstehen für unsere Anwender viele neue Möglichkeiten. Neben der 3D-Positionierung sind dies vor allem Vorteile, die sich aus einer größeren Durchgängigkeit und vollständigen Integration in die Eplan-Plattform ergeben. Der Einsatz von Pro Panel hilft dem Anwender, durch Positionierungshilfen, Mindestabstände, Sperrflächen oder die Kollisionsprüfung böse Überraschungen zu vermeiden. Mit Pro Panel wird es möglich, noch mehr \’vorzudenken\‘. Ohne dass reale Bauteile vorliegen, lässt sich der Schrank virtuell bestücken. Das gibt Planungssicherheit. Der Prototyp entspricht also in einer frühen Planungsphase 1:1 dem späteren Produkt. Je mehr wir hier vordenken, desto perfekter wird nachher die Fertigung. Und da schließt sich wieder der Kreis zum Verdrahtungsroboter.