Doug Lawson berichtet zukünftig an Sujeet Chand (CTO Sr. VP), der wiederum direkt an Keith Nosbusch (CEO) berichtet. Der Zeitpunkt der neuen Position innerhalb des Unternehmens Rockwell Automation ist nicht zufällig. \“Wir sind gerade mittendrin, Teil eines Umbruchs im Verständnis von Technologien, die Fertigungsunternehmen heute und morgen nutzen werden, um auch den Operator an der Verantwortung für den monetären Erfolg des eigenen Unternehmens zu beteiligen\“, konstatiert er im Gespräch. Folglich versteht sich auch Rockwell Software als ein Unternehmen, das die Gewichtung der Informationstechnologie in der jüngsten Vergangenheit neu bewertet hat. Die Fertigungsindustrie durchlebt gerade eine ihrer schwierigsten Phasen. In der Vergangenheit haben offensiv orientierte Hersteller Erfolge auf der Basis fundamentaler Durchbrüche im Herstellungsprozess erreicht. Heute sieht es so aus, als würden die Chancen aus einer anderen Richtung kommen: der Konvergenz in der Fertigung. In den vergangenen Jahren wurde oft hierüber gesprochen, doch die heutige Kombination aus technologischer Reife und ökonomischer Notwendigkeit hat die Konvergenz in der Fertigung Realitiät werden lassen. Unternehmen können nun den vier wichtigsten Markttreibern – Produktivität, Innovation, Globalisierung und Nachhaltigkeit mit Lösungsstrategien entgegentreten. Es geht jedoch nicht darum, über Produkte zu sprechen oder in Release-Zyklen zu denken. \“Automatisierer haben in Zeiträumen von 15 oder 20 Jahren gedacht. Das ist eine in hohem Maße konservativ geprägte Denkweise\“, stellt Lawson völlig wertneutral fest. \“Die Zyklen der Informationstechnologie von z.T. gerade einmal Monaten stehen dem völlig entgegen. Die Lösung dieses Dilemmas haben wir bereits vor Augen. Sie liegt in der Loslösung vom Denken in Abteilungen und ebenso in der Loslösung von Funktionen und Anwendungen und deren technologischer Basis\“, erläutert Lawson. Auf die Frage, ob das seinem Verständnis nach Manufacturing 2.0 sei (so lautet der Titel einer begleitenden Konferenz der Rockwell Software TechED 2009 für die Führungsebene in Fertigungsunternehmen), entgegnet er, dass eine Vielzahl von Technologien und auch organisatorische Aspekte zu diesem Konzept beitragen. Webservices, SOA (Service-orientierte Architekturen), .NET-Technologie sind nur einige Versatzstücke auf der technologischen Ebene. Aber auch einige enabling technologies – mittlerweile ganz selbstverständliche Tatsachen wie z.B. das Diffundieren der Ethernet-Technologie in den Shop Floor – haben die Basis für eine völlig neue Sicht auf ein gemeinsames Voranschreiten an der intensiven Nutzung von offenen Potenzialen in Fertigungsunternehmen befördert. Automatisierer haben den Prozess in der Hand Automatisierer haben aufgrund ihrer Hardwareinfrastruktur, die das Rückgrat der Fertigung ist, den Produktionsprozess und die darin verborgenen Informationen in der Hand. Sie denken lange nicht mehr über die Verbesserung von isolierten Objekten nach. Seit dem Siegeszug der IT gibt es allerlei verschiedene Ansätze, diese Informationen aus prozessualer Perspektive zu nutzen. Früher schuf man Datensilos und optimierte punktuell, indem man sich einzelne Softwarewerkzeuge wie SCM, Tracking & Tracing usw. zunutze machte, Daten aus der Fertigung hierhin kopierte. Heute verstehen Technologie-Anbieter, dass diese isolierte Herangehensweise nicht mehr zeitgemäß ist. \“Die Zukunft der Produktion liegt in der strategischen Schnittmenge von Automatisierung und IT\“, so der IT-Stratege. Erst wenn Software-Systeme offen sind für jedwelche automatisierungstechnische Hardwareschicht und Informationen nicht in weitere Silos gepumpt, sondern deren Gehalt auf eine übergelagerte Sicht projiziert wird, gelangen wir zu einer zukunftsträchtigen Produktionssteuerung. Daher ist die Integration von Automatisierungskomponenten und IT-Werkzeugen aus dem Hause Rockwell Automation zwar optimal aufeinander abgestimmt, aber es darf gleichsam kein Ausschlusskriterium bzw. größeres Hindernis (weder im Hinblick auf den finanziellen noch den technologischen Aufwand) sein, auch die Technologien verschiedener Systemanbieter zu einem optimal funktionierenden Gesamtkonzept zu kombinieren. Perspektiven für bestehende Infrastrukturen Die gleichberechtigte Gewichtung von Informationstechnologie und Automatisierungstechnik und deren Offenheit sind State of the Art bzw. State of Plant, um Perspektiven für heute schon existierende Infrastrukturen zu eröffnen. Gerade in diesen Zeiten sich schnell verändernder wirtschaftlicher Randbedingungen können Unternehmen aller Branchen mit der Dynamik ihrer Märkte besser umgehen und die finanziellen Wertschöpfungspotenziale ihrer Prozesse optimaler nutzen. Mithilfe der technologischen Möglichkeiten, die die Konvergenz der Systeme bietet, wird der Operator zu einem aktiven Teilhaber an der adaptiven Gestaltung der Geschäftsprozesse. \“Es ist in der Tat die mittlerweile starr erscheinende Struktur der Automatisierung, die den Maschinenbediener zu einer Marionette mit beschränktem Sichtfeld gemacht hat\“, stellt Doug Lawson rückblickend fest. Manchmal erkennt man historische Tatsachen eben erst im Rückspiegel. Mit dem Einzug von Intelligenz und Vernetzung in die Werkstattebene erhält jeder Mitarbeiter im Unternehmen Verantwortung und Kompetenz zurück, so lautet das Fazit des frisch gebackenen Chief Technology Strategist. Das ist eine vorwärtsgewandte Blickrichtung, die wir alle aus dem hier und heute einschlagen können. Abteilungsübergreifende Entscheidungsfähigkeit Die Möglichkeiten, die sich durch die Fertigungskonvergenz ergeben, stützen sowohl den Operator, indem sie ihn zu Entscheidungen befähigen, als auch das Management, das dieser wichtigen Ressource im Unternehmen Vertrauen schenken kann. Denn die Unternehmensleitung hat Einblick in den Shop Floor, in Echtzeit und kann somit Informationen aus anderen Abteilungen korrelieren. Auf diese Weise entsteht schließlich ein schlüssiges Gefüge abteilungsübergreifender Entscheidungsfähigkeit – die viel gelobte Flexibilität.
Konvergenz in der Fertigung: Wir sind längst mittendrin
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