Die Lage scheint verworren: Während an der Börse schwere Turbulenzen toben, feiert der Einzelhandel die besten Ergebnisse seit Jahren und erwartet ein gutes Weihnachtsgeschäft. Während manche Unternehmen sich auf unruhige See vorbereiten, bleiben andere auf Kurs, wie geplant, vielleicht mit doppelter Besatzung im Ausguck. Auch die Sprache ist hier kein guter Ratgeber, denn ausgerechnet, wenn die Wirtschaft in heftige Unwetter gerät, sprechen Wirtschaftsfachleute von Flaute. Innovationskrise Die substanziellen Zahlen sind im Grunde gut, von Übersättigung ist in weiten Teilen der Welt nichts zu sehen, abgesehen von der seit längerem schwächelnden Automobilindustrie, die in einer schweren Absatzkrise steckt. Diese wiederum hat mit seit Langem fälligen Innovationen mehr zu tun als mit der Finanzkrise. Denn viele wären sicher bereit, in ein Auto zu investieren, das einen wirklich alternativen Antrieb böte. Optimismus An einem Montag im Oktober 1987 war ich als Auszubildender in einer Sparkasse beim größten Börsencrash der Geschichte quasi live dabei. Bereits ein halbes Jahr nach diesem Ereignis hatten einige Börsen bereits wieder den Stand vor dem \’Schwarzen Montag\‘ erreicht. Vielleicht entspringt dieser Tatsache mein Optimismus in diesen Zeiten. Allzu menschlich Diesen Optimismus teilen derzeit nicht alle. Menschen sind offensichtlich fasziniert und empfänglich für Weltuntergansszenarien und viele fragen sich schon, wo sie wohl ihre Kartoffeln anbauen werden, wenn wir wieder in die Selbstversorgerwirtschaft zurückkehren werden. Allein – das wird nicht passieren. Was wir beobachten, ist schon fast absurd: Daimler kündigt an, \’nur\‘ einen Gewinn von 6Mrd. Euro statt der angekündigten 7Mrd. Euro zu erwirtschaften und reißt damit den gesamten Aktienmarkt schwer mit ins Minus. Die Medien titeln: \’Autobauer in der Krise\‘, und die Analysten schlagen in die gleiche Kerbe. Wer sagt eigentlich einmal, dass 6Mrd. Euro Gewinn doch eigentlich ganz ordentlich ist? Fazit Viele Unternehmen bereiten sich derzeit auf schwere Zeiten vor. Das tun sie auch im Rahmen ihrer Verantwortung für die Mitarbeiter. Wir müssen aber – gerade in Zeiten eines eigentlich substanziell guten Umfeldes – besonders aufpassen, dass wir die Krise durch allzu große Zurückhaltung nicht erst selbst herbeiführen. Ich würde mich freuen, Ihre Meinung zu diesem Thema zu erfahren. Schreiben Sie mir einfach eine E-mail. Viel Spaß beim Lesen Ihr Kai Binder kbinder@sps-magazin.de
Kurs halten oder abwettern?
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