\“Mut fassen, die Prozesse zu ändern!\“

SPS-MAGAZIN: Die Krise hat viele Branchen hart getroffen, den Maschinenbau ganz besonders. Sie liefern in diese Branche hinein. Zunächst also die Frage: Wie sieht es bei Eplan selbst aus? Hans Hässig: Natürlich verzeichnen auch wir Einbrüche, vor allem im Lizenzgeschäft. Hingegen steigt die Nachfrage im Lösungsgeschäft. Extrem positiv entwickelt sich unser Eplan Engineering Center in Verbindung mit der Plattform. Die Durchgängigkeit der Prozesse im Engineering zahlt sich gerade jetzt wirklich aus. Hier gewinnen wir tolle Projekte. Auch der Dienstleistungsbereich wächst im Gesamten erfreulich. Konträr zur Situation im Maschinenbau gibt es natürlich auch Branchen, deren Auftragslage nach wie vor gut ist – ein Stichwort ist hier der Bereich Erneuerbare Energien oder Food & Beverage. Da wir breit aufgestellt sind und in allen Branchen zuhause, spüren wir die Auswirkungen der Krise eher moderat. SPS-MAGAZIN: Sie haben das Engineering Center (EEC) erwähnt, das ist ja insbesondere bei den Unternehmen von Vorteil, die einen mechatronischen Engineeringansatz bereits verfolgen. Wie viele Maschinen- und Anlagenbauer haben denn die Chance tatsächlich genutzt, ihre Prozesse in Richtung Mechatronik anzupassen? Hans Hässig: Es gibt deutliche Bestrebungen in Unternehmen, Entwicklungsprozesse zu straffen und durchgängiger zu gestalten. Die Mechatronik spielt dabei natürlich eine wichtige Rolle. Wir führen heute Gespräche, die vor zwei Jahren vielfach nicht möglich gewesen wären. Zum einen bedingt durch die extrem hohe Auslastung unserer Kunden in den vergangenen Jahren – zum anderen, weil es bislang durchaus auch an Offenheit fehlte. Geht es um die Frage der Produktivitätssteigerung, so rennen wir mit dem Prozessgedanken und mit dem EEC als Methode und Werkzeug offene Türen ein. Natürlich gibt es auch Firmen, die gar nichts mehr investieren. Wenn man das zur reinen Gewinnoptimierung betreibt, ist das aus meiner Sicht allerdings ein riesiger Fehler. Dieter Pesch: Wegen fehlender Anschlussaufträge im Maschinenbau entstehen derzeit zeitliche Freiräume, die intensiv genutzt werden, um z.B. neue Produkte bzw. Maschinenkonzepte zu entwickeln. Die Abarbeitung von Aufträgen aus 2008 läuft langsam aus – man bemüht sich, alles noch in diesem Jahr auszuliefern, um nicht zusätzliche Umbauten vornehmen zu müssen. Es wird also einerseits in neue Produkte investiert, und ein guter Teil wird eben auch in die Prozessentwicklung gesteckt. Die Kernfrage aus Sicht der Unternehmen lautet: \“Wie können wir es schaffen, dass wir günstiger im Vergleich zum Wettbewerb, zum Weltmarkt produzieren?\“ Viele der Antworten liegen genau im Engineering-Prozess. SPS-MAGAZIN: Das bedeutet vermutlich auch, dass der Bereich Beratung für Sie immer wichtiger wird, oder? Hans Hässig: Richtig, und dabei spielt Branchen Know-how eine entscheidende Rolle. An dieser Stelle haben wir in unsere Mannschaft investiert und tun es weiter. Unser Ziel ist es, unsere Themen in der Sprache der jeweiligen Branche zu \’sprechen\‘ und das auf den verschiedenen Management-Leveln. Prozessänderung bedeutet immer Beratungsgeschäft und erfordert das Commitment des Managements. Und hier kommen wir zu einer der großen Schwachstellen in der Umsetzung, die wir immer wieder feststellen: Wenn das Management nur auf die Fachabteilungen verweist, selbst aber nicht involviert ist, dann wird es nicht funktionieren. Hier müssen klare Ziele nicht nur definiert, sondern auch aktiv geführt werden. SPS-MAGAZIN: Welche Rolle spielt denn dann die Technologie noch in der gegenwärtigen Situation des Maschinen- und Anlagenbaus? Wird sie zunehmend gleichgültig? Dieter Pesch: Die Technologie – in unserem Falle das Engineering Center – ist ja letztendlich Treiber oder Potenzialträger für die Verbesserung im Prozess. Der Prozess hat zwei Komponenten: Einmal die Technologie richtig und optimal zu nutzen, und zweitens die Durchgängigkeit, die Interoperabilität zwischen den einzelnen Prozessschritten vernünftig auszubauen. Da spielt die Technologie, und vor allem der Nutzen der Technologie, schon eine entscheidende Rolle. SPS-MAGAZIN: Neben den Schulungs- und Beratungsdienstleistungen im eigenen Produktportfolio bieten Sie benachbarte Themen beispielsweise im Bereich der Maschinenrichtlinie an. Bauen Sie dieses Geschäftsfeld aus? Dieter Pesch: Schon lange bieten wir in unserem Trainingszentrum Schulungen an, die auch in das Umfeld passen und die der Anwender braucht: Maschinenrichtlinie, Konstruktionssystematik, Antriebstechnik, Frequenzumrichterauslegung, Normentrainings usw. Wir machen zwar nicht alles in Eigenregie, sondern auch mit Partnern zusammen, aber unsere Kunden schätzen es, nur einen Ansprechpartner zu haben, der alles abdeckt. Hier ist auch entscheidend, dass man sich auf die Qualität des Trainings verlassen kann. SPS-MAGAZIN: Die Zeit hat viele Pläne durcheinander gewirbelt. Was haben Sie sich für Expansionsziele gesteckt für die nächsten Jahre? Hans Hässig: Ganz unterschiedliche. Für uns ist der asiatische Markt ein absolutes Schwergewicht. Derzeit bauen wir unsere Aktivitäten in dieser Region weiter aus. Wir haben mittlerweile Top-Mannschaften in Korea, Malaysia und China und bedienen die Länder Südostasiens regional. Das entwickelt sich außerordentlich positiv. Nachdem wir in 2008 unseren Schweizer Händler Infographics gekauft und dieses Jahr das Team in Tschechien übernommen haben, sind bereits weitere Länder im Fokus, in denen wir bisher durch Händler vertreten sind. Zunehmend wollen wir mit eigenen Niederlassungen regionale Präsenz zeigen. Natürlich machen wir uns auch immer Gedanken darüber, ob es andere Unternehmen gibt, die eine ideale Ergänzung für unser Unternehmen sind – das wird aktiv betrieben. Nicht zuletzt sind wir – wie ich vorhin bereits erwähnte – gerade dabei, die Abteilung Professional Services deutlich auszubauen. Sie sehen: Wir sind in vielen Bereichen aktiv, um uns im Sinne unserer Kunden weiter zu entwickeln. SPS-MAGAZIN: Werden wir in diesem Jahr weniger technische Neuheiten zu sehen bekommen auf der SPS/IPC/Drives in Nürnberg? Dieter Pesch: Nein, ganz und gar nicht! Wir haben unsere Entwicklung nicht zurück gefahren, wir haben sie sogar ausgebaut. Das ist ja das Fundament unseres Unternehmens. Nehmen wir ein Beispiel: Das neue Eplan Data-Portal, das zur SPS/IPC/­Drives vorgestellt wird (vgl. auch Ausgabe 11, S. 74ff.). Wir sind ja immer dabei, das Portal um neue Hersteller und Funktionen zu erweitern, ein Großteil der namhaften Komponentenhersteller ist integriert. Zusätzlich zu den neuen Herstellern und Daten, teils auch mehrsprachig, sind sehr viele Funktionen zum Organisieren, Verwalten, Suchen und Finden hinzugekommen, sodass die Anwender schneller zum Ergebnis kommen. Und natürlich können Kunden wieder unseren kostenlosen Produktivitäts-Check EPF – genauer gesagt EPFplus – nutzen. Auf dem Messestand wird Anhand von 15 Fragen der individuelle Engineering Performance Factor ermittelt, in diesem Jahr unter Einbeziehung der neuen Maschinenrichtlinie, daher das \’plus\‘. Abschlussfrage: Was raten Sie Maschinen- und Anlagenbauern, wie sie sich klug verhalten können? Hans Hässig: Jeder sollte mal einen Schritt aus seinem Unternehmen heraus machen, das Unternehmen von außen betrachten und genau hinschauen, wie die Prozesse strukturiert sind. Dann sollte er den Mut fassen, zu ändern, was nicht optimal läuft. Und wenn er kann, dann soll er jetzt die Investitionen tätigen. (kbn)