Neues Verfahren lässt Kabel sprechen: Intelligente Kabel mit RFID-Technologie

Auch im Logistikzentrum der Lapp Gruppe in Stuttgart und im neuen Lager in Forbach (Frankreich) wird seit einiger Zeit sehr erfolgreich die RFID-Technologie verwendet. Das erleichtert die Liefer- und Produktionsprozesse, die Rückverfolgbarkeit und Qualitätssicherung sowie die logistische Organisation. Mittels RFID können heute ganze Produktions- und Lieferprozesse einfach dargestellt und analysiert werden. Grund: Das gegen Schmutz absolut unempfindliche System transferiert die Daten kontaktlos – auch ohne visuellen Kontakt – in Echtzeit an ein Lesegerät, welches diese Daten speichert oder auch zur weiteren Verarbeitung an ein z.B. ERP-System sendet. Hierbei können auch mehrere Transponder gleichzeitig identifiziert werden. Neues Zeitalter eingeläutet Die Nutzung von RFID geht heute noch viel weiter. Statt die sogenannte Radio Frequency Identification ausschließlich zum Identifizieren von Produkten und Personen zu verwenden, hat die Stuttgarter Lapp Gruppe, ein Hersteller und Zulieferer von hochflexiblen Kabeln, Leitungen, Kabelzubehör, Industriesteckverbindern, Kabelkonfektionen und Kommunikationstechnik, nun ein Verfahren entwickelt, womit auch Zustände wie Feuchtigkeit, Druck oder Temperatur eines Kabels gemessen werden können. Das heißt: Bei Lapp können Kabel sprechen. Damit läutet das Stuttgarter Familienunternehmen ein neues Zeitalter in der RFID-Technologie ein. Die ersten Prototypen dieser Erfindung wurden auf der vergangenen Hannover Messe erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Dem Forscher-Team der Lapp Gruppe war es nicht nur gelungen, winzige, intelligente RFID-Tags in das Kabel oder den Steckverbinder einzupflanzen, sondern sie fanden auch eine Möglichkeit, diese RFID-Tags mit Sensorik zu versehen und individuell zu programmieren. Damit wurde es möglich, für jeden Anwendungsfall die benötigte Information (Identifikation oder Zustandsgrößen wie z.B. Feuchtigkeit, Druck oder Temperatur) mittels eines Lesegerätes abzurufen und ins IT-System zur Weiterverarbeitung zu übertragen. Besonderheit: Die RFID-Tags werden bereits innerhalb des Produktionsprozesses in das Kabel oder z.B. in den Steckverbinder integriert. Die hohe Flexibilität und die mechanische Belastbarkeit bleiben dabei erhalten. Die Wissenschaftler haben zudem eine Methode entwickelt, womit auch die metallischen Epic-Steckverbinder problemlos mit dem RFID-Tag versehen und Daten – ohne Störeinflüsse der metallischen Umgebung – ausgelesen werden können. Dies ist eine der größten Herausforderungen. Siegbert Lapp, Vorstand der Stuttgarter Lapp Gruppe: \“Die Einsatzmöglichkeiten von RFID in der Kabel- und Steckverbindertechnologie sind sehr vielfältig. Wir sind heute in der Lage, unsere Produkte genau nach Kundenwunsch zum Sprechen zu bringen. Damit sind wir weltweit der einzige Anbieter mit diesem Know-how.\“ Systembeschreibung Und so funktioniert die neue Technologie: Während des Kabel-Produktionsprozesses werden winzige Transponder in das Innere des Kabels implantiert. Der Transponder besteht aus einem Mikrochip und einer Antenne. Da die RFID-Technologie auf ein passives System aufgebaut ist, besitzt dieses auch keine Batterie. Diese sogenannten passiven RFID-Transponder beziehen ihre Energie zur Versorgung des Mikrochips aus elektromagnetischen Funkwellen von einem in der Nähe befindlichen Standard-Lesegerät. Zum Auslesen der Transponder gibt es spezielle Frequenzen, womit die Informationen auf das Lesegerät übertragen werden können. Bei Lapp wird dabei je nach Anwendungsfall vor allem im HF-Bereich (13,56MHz) und UHF-Bereich (868MHz) gearbeitet, um für die verschiedenen Einsatzfälle eine bestmögliche Lösung anbieten zu können. \“Um im Kabel oder dem Steckverbinder nun auch physikalische Größen wie Feuchtigkeit, Temperatur oder Druck aufnehmen zu können, haben wir zusätzlich, basierend auf der RFID-Technologie, einen Lapp-Sensor entwickelt. Somit sind auch diese Zustandsdaten auslesbar\“, erklärt Chef-Entwickler Manfred Hauck. Bei der Feuchteanalyse muss zudem, entsprechend dem zu detektierenden Fluid, der Sensor vorbereitet und kalibriert werden. Die Ergebniswerte aus dem Sensor werden auf das Lesegerät übertragen, und anhand der Kennzahlen kann man genau feststellen, ob das Kabel sich im trockenen oder feuchten Zustand befindet. Vielfältige Anwendungsmöglichkeiten