Objektorientiertes Scada-System für verschiedene Branchen

Die Informatik hat in den letzten Jahrzehnten erheblichen Einfluss auf alle Bereiche der Gesellschaft genommen. Das gilt auch für die Automatisierungstechnik, die selbst wiederum erheblichen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes und die Erleichterung von Arbeitsprozessen in Produktion und Verwaltung hatte. Die Scada-Software Simatic WinCC Open Architecture – bzw. PVSS, wie sie bis 2010 noch hieß – hatte in den letzten beiden Jahrzehnten Anteil an dieser Entwicklung. Seit 2007 gehört ETM zur Siemens AG und seit Ende 2010 ist Simatic WinCC Open Architecture fester Bestandteil der Softwarefamilie Simatic HMI (Human Machine Interface). Skalierbares SCADA von der Stange Das System lässt sich an einzelne Projekte anpassen und verfügt über Werkzeuge, die Vereinheitlichung für verschiedene Lösungen schafft. Voraussetzung dafür ist eine durchgängige und entsprechend weitreichend realisierte Objektorientierung. Die ist in der Software in Form von Skalierfähigkeit des Systems gegeben. Kleine Einzelplatzsysteme im Maschinenbau bis zu komplexen und redundanten Mehrplatzsystemen sind aufgrund der Client-Server-Architektur möglich. Mit den vereinheitlichten Funktionen lassen sich vor allem Engineeringzeiten unabhängig von der Projektgröße um bis zu 70% reduzieren, so der Hersteller. Das SCADA-Systems ist zudem plattformunabhängig: Die Software läuft unter Windows, Linux und Solaris. Sie kommt in unterschiedlichen Branchen wie Verkehr & Transport, Öl & Gas, Energie, Wasser & Abwasser, Gebäudeautomatisierung sowie in der Forschung zum Einsatz. Das internationale Forschungszentrum CERN in Genf setzt die Lösung bei seinem berühmten Teilchenbeschleuniger LHC ein. Auch das derzeit in Entstehung befindliche moderne Strahlentherapiezentrum MedAustron in Österreich nutzt das SCADA-System als \’Kern-Betriebssystem\‘ für seinen Teilchenbeschleuniger. Weiterhin zählen nach Herstellerangaben über 1.000 Umweltanlagen, an die 150 Tunnel, 25 Kraftwerke und eine der längsten Pipelines der Welt zu den Projekten. Spezifische Funktionen für unterschiedliche Branchen Jede Branche hat Ihre speziellen Anforderungen. Im Verkehrs- und Transportwesen steht beispielsweise Sicherheit an erster Stelle. Hier bietet das SCADA-System verteilte Systeme mit bis zu 2.048 Servern, eine Hot-Standby-Redundanz und die Integration von Video-Management-Systemen. In der Öl- und Gasindustrie wiederum spielt die Anlagensicherheit und Verfügbarkeit eine entscheidende Rolle. Das Disaster Recovery System, ein Backup-System für das Master Control Center, bietet Betreibern hierfür Sicherheit. Vorteilhaft in diesem Einsatzbereich ist auch die SIL-3-Zertifizierung nach IEC61508. Sie vereinfacht die Implementierung von sicherheitskritischen Projekten. In den Branchen Energie, Wasser und Abwasser stehen geografische Aspekte im Vordergrund. Das SCADA-System ist hierfür fernwirkfähig und ermöglicht mit dem GIS-Viewer die kartografische Darstellung von Anlagenobjekten. In weiterer Folge bieten Web- und Pocket-Client den Zugriff von beliebigen Orten aus. Simatic WinCC Open Architecture verfügt über BACnet-Kompatibilität wie Online-/Offline-Engineering, BACnet-Treiber sowie Scheduler & Trending. Auch die Objektbibliothek ist auf das Protokoll für die Gebäudeautomation abgestimmt. Die Software enthält ein umfangreiches Treiberangebot, mit der Advanced Maintenance Suite (AMS) ein Tool für die Planung und Verwaltung von Wartungs- und Serviceaufgaben sowie das ETool für integriertes Engineering. Neuerungen der Version 3.10 Diagnose Mit dem neuen Diagnostics-Tool steht in der Version 3.10 ein Report-Paket mit den wesentlichen Projektdateien, Projekt- und Versionsinformationen zur Verfügung. Damit lässt sich ein standardisierter Anlagenbefund erstellen, der per E-Mail über den integrierten SMTP Client zur weiteren Bearbeitung von Update-, Wartungs- oder Supportfällen verwendet werden kann. Alarming Mit der Verarbeitung externer Alarmquellen können Alarmeigenschaften, wie z.B. Klassifizierung, Text und Begleitwerte dynamisch zum Alarmzeitpunkt implementiert und in einem einzigen Datenpunktelement abgebildet werden. Diese Funktionalität kann auch über Panels, Scripts oder selbst implementierte Treiber/Manager genutzt werden. Die Treiber BACnet, OPC UA AC und Simatic S7 unterstützen diese Funktion. Ebenfalls neu sind Alarmbegleitwerte. Damit lassen sich zusätzliche Eigenschaften auf einen Alarm speichern wie beispielsweise Umgebungsbedingungen zum Zeitpunkt des Alarms. Dies erleichtert besonders die Situations- oder Fehleranalyse. Know-how-Schutz Die Verschlüsselung von Panels, CTRL-Scripts und Libraries verhindert, dass unbefugte Personen Zugriff auf benutzerdefinierte CTRL-Funktionen haben bzw. Änderungen in Panels durchführen können. Bedienerfreundlichkeit In der aktuellen Version wurde zudem an der Bedienerfreundlichkeit gearbeitet. So wurde das \’Look & Feel\‘ vereinheitlich um dem Anwender eine intuitivere Bedienung und bessere Übersicht zu bieten. Integration individueller Icons in der Datenpunkt-Baumansicht können für ein System, einen Datenpunkttyp oder ein Datenpunktelement angewendet werden und sind global für das gesamte User Interface gültig. Drag & Drop von Datenpunkttypen und Datenpunkten zum Panel bietet dem Anwender die Möglichkeit, aus der Datenpunkt-Baumansicht aus einer vorher definierten Menge von Symbolen für einen Datenpunkttyp zu entscheiden, durch welches Symbol der Datenpunkt im Panel repräsentiert werden soll. Ein Doppelklick auf Objekte bzw. Panels stößt eine Aktion an. Durch einen Doppelklick auf ein Objekt oder ein Panel während des Engineerings wird eine objektspezifische Aktion ausgeführt. So öffnet beispielsweise ein Doppelklick auf einen Befehlsknopf automatisch das Clicked-Skript. Ausbau der Konnektivität In der Version 3.10 unterstützt der Simatic-S7-Treiber Spontanwerte (On Data Change), den Empfang von zyklischen Werten (Cylic Data Reception) und die Alarming-Funktion. Beim IEC104-Treiber ist nun ein dynamisches Hinzufügen von Verbindungen ohne Treiberneustart, sowie das Aktivieren und Deaktivieren von Verbindungen zur Laufzeit möglich. Zusätzlich werden redundante Verbindungen nach IEC104 Edition 2 unterstützt. Beim SNMP-Treiber können nun die Inhalte der Agents interaktiv abgefragt werden (z.B. OIDs und Datentyp). BACnet-Geräte lassen sich neuerdings aktiv und inaktiv schalten, ebenso wird die Alarming-Funktion unterstützt.