Paradigmenwechsel zum Gesamtprozess

Vermutlich darum haben die Besucher der Hannover Messe das Informationsangebot des Automation-IT-Standes in Halle 16 so zahlreich wahrgenommen. Ein Trend zeichnete sich ab: Die durchgängige Vernetzung aller am Wertschöpfungsprozess beteiligten Abteilungen und Systeme verspricht Potenziale zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit, die sich sowohl im Programm der Messe als auch im Interesse der Besucher spiegelten. Der Datenfluss im Feld ist mit den in der Office-Welt vorliegenden Datenbeständen durchgängig vernetzt. Das Industrial Ethernet als zentrales Medium ermöglicht Kommunikationskonzepte ohne Systembruch. Die richtige Information zur richtigen Zeit zu bekommen ist der Schlüssel für eine effiziente Produktion. Internet und Mobiltelefon sind in die Sicherheits- und Kommunikationsstruktur der modernen Automatisierungstechnik integriert. Maschinenzustände lassen sich über Web-Seiten abfragen und Einstellungen ändern. Zustands- und Alarmmeldungen werden im Rahmen von Condition Monitoring-Systemen per SMS an die zuständigen Personen verschickt. Zentrales Thema der Ausstellungsbereiche Automatisierungstechnik und Factory Automation war die Verwendung des Industrial Ethernet als standardisiertes Übertragungsprotokoll bei vielen Komponentenlieferanten. Die Verständigung auf Standards schafft die Grundlage, dass komplexere Systeme mit Komponenten von unterschiedlichen Herstellern unproblematisch realisiert werden können. Automation IT ist die Bezeichnung einer einheitlichen Kommunikationsplattform für alle Applikationen eines Industrieunternehmens. Die Summe der Applikationen stellt die Prozesse eines Unternehmens dar. Daher ist Kommunikation kein Selbstzweck, sondern muss die nahtlose Vernetzung aller Applikationen gewährleisten. Traditionell wird die Kommunikation nicht als einheitliche Plattform, sondern als proprietäre und damit applikationsspezifische Insellösung verstanden. Unter diesen Rahmenbedingungen ist der Datenaustausch zwischen einem ERP-System und einer SPS nur über Gateways möglich. Die dadurch entstehende Ineffizienz und die nachfolgenden hohen Kosten haben den generellen Wechsel vom proprietären Kommunikationsstandard hin zur Kommunikationsplattform notwendig gemacht. \“Aus technologischer Sicht\“, stellt Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA fest, \“ist die industrielle Automation ein unumstrittener Innovationstreiber im Maschinenbau. Viele neue und intelligente Produkte und Lösungen sind erst über die Integration modernern Automations- und Informationstechnologien möglich. Nach internen Abschätzungen liegt der Wertschöpfungsanteil der Automation bereits zwischen 20 und 30% – mit wachsender Tendenz.\“ Um zu zeigen, dass ein Paradigmenwechsel heute schon möglich ist, haben bereits auf der Hannover Messe 2006 verschiedene Partner das Konzept Automation IT auf einem Gemeinschaftsstand präsentiert. 2007 war der Ausstellungsbereich zwischen den Hallen 16 und 17 ein klarer Publikumsmagnet mit sieben realen Live-Demonstrationen. Die Besucher konnten sich beispielsweise einen persönlichen Kaffeebecher vor Ort am PC bestellen und live dessen Produktion, Qualitätsprüfung und Verpackung verfolgen. Gegen Vorlage einer individuellen RFID-Kennung erhielt der Besucher aus dem Depot seinen Becher mitsamt Prüfzertifikat. Über die RFID-Kennung konnte der Auftragsfortschritt an den Terminals in der Fertigungslinie verfolgt werden. Großbildschirme lieferten einen aktuellen Überblick zu den Aufträgen und zum Maschinenstatus. \“Wir haben 600 Becher pro Tag produziert, es hätten sicher mehr als 800 werden können\“, resümiert Michael Brunstering von Phoenix Contact am Messe-Freitag. Die Auftragsannahme musste regelmäßig Stunden vor dem Messe-Abend gestoppt werden, um die tägliche Bestellmenge abarbeiten zu können. Mit einem derartigen Interesse hatten die Veranstalter nicht gerechnet. Für den Aufbau einer prozessoptimierten Produktion, Entwicklung und Vermarktung sind Unternehmen auf die Lösungen von Spezialisten angewiesen. Jeder Prozess hat Spezifika, die die Differenzierung und die Kernkompetenz eines Unternehmens abbilden. Automatisierungslösungen wie die von Schneider Electric, GE Fanuc oder Rockwell Automation können so beispielsweise mit einer ERP-Lösung von SAP oder MES-Lösungen von MPDV zusammengeführt werden. Das gilt auch für optimale Lösungen aus dem Bereich der Sensorik/Aktorik, die Firmen wie SEW, Baumüller, ESR, Turck, Sick oder Pepperl+Fuchs anbieten. Im Bereich der digitalen Fabrik, also der Produktentwicklung und Simulation, ergänzen Hersteller wie UGS das Angebot. Das Angebot der Automation IT-Partner deckte die gesamte Prozesskette ab und präsentierte das, was wir unter umfassender Process Excellence verstehen.

Ausblick 2008

Die Hannover Messe bleibt auch 2008 Treiber des Themas Energieeffizienz. Als