\“Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft\“

Herr Albers, aus vielen Quellen hört man von der Erfolgsgeschichte der Erneuerbaren Energien in Deutschland; dabei scheint der Anteil mit Blick auf das, was heutzutage möglich ist und den Bärenanteil, den die traditionellen Energieproduzenten liefern, immer noch zu gering. Wie stehen Sie dazu? Hermann Albers: Richtig ist, dass die Erneuerbaren Energien schon heute nicht mehr aus der deutschen Energieversorgung wegzudenken sind. Über 16 Prozent am Stromverbrauch stammen aus Erneuerbaren Energien. Über 300.000 Menschen arbeiten in der Branche. Richtig ist aber auch, dass wir das Potenzial bei weitem noch nicht ausgeschöpft haben. Wir können bis 2020 einen Anteil von 25 Prozent Strom allein aus Wind und 47 Prozent Strom aus Erneuerbaren insgesamt schaffen. Die politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen müssen nur stimmen. Könnte seitens der Bundesregierung nicht noch mehr Unterstützung kommen? Hermann Albers: In der Tat erwarten wir von der Bundesregierung, dass sie sich mehr für den Ausbau der Erneuerbaren Energien einsetzt. Die Verlängerung der Kernkraftwerke ist ein falsches Signal. Erneuerbare Energien und Kernenergie passen nicht zusammen. Die Kernenergie bremst den Ausbau der Erneuerbaren. Wichtig ist, dass die Bundesregierung in ihrem Energiekonzept das Potenzial regenerativer Energien setzt und nicht die Laufzeitverlängerung als Entscheidungsgrundlage nimmt. Für die Windenergie heißt das: Die Bundesregierung muss ihre bisherigen Ziele zum Ausbau der Windenergie an Land deutlich nach oben korrigieren. Ansonsten wird sie ihre Klimaschutzziele verfehlen. Inwieweit beeinflusst der Ausbau der Offshore-Windanlagen den Stromfluss im europäischen Netz? Hermann Albers: Netzausbau, Netzausbau und noch mal Netzausbau ist das Gebot der Stunde. Offshore-Windenergie funktioniert nur, wenn wir die Netze so ausbauen, dass die Energie von Nord- und Ostsee in die Ballungszentren im Süden transportiert wird. Wind an Land und auf hoher See, modernisierte und ausgebaute Netze sowie neue Speichertechnologien weisen den Weg ins regenerative Zeitalter. Welche Forschungsarbeiten betrachten Sie momentan als die spannendsten? Hermann Albers: Es gibt eine Reihe an Forschungsarbeiten, die sich mit den gerade genannten Themen auseinandersetzen, also Netze, Einspeisemanagement und Speicher. Aber auch Forschungen, durch die die Erneuerbaren Energien effizienter werden, sind spannend. Wir sind eine verhältnismäßig junge Branche mit einer Menge Entwicklungspotenzial. Wie sieht es mit der finanziellen Unterstützung von unabhängigen Entwicklern innerhalb dieses Sektors aus; sprich: Wo hapert es, an Darlehen öffentlicher europäischer Institutionen? Hermann Albers: Die Windenergiebranche hat sich in den letzten Jahren zu einer echten Industriebranche mit hohen Wachstumsraten entwickelt. Auch hier gelten die gleichen Maßstäbe bei der Finanzierung wie in anderen Branchen. Dadurch gibt es ähnliche Probleme. Stichwort Kleinwindkraftanlagen: Was muss geschehen, bis auch mehr Privatleute auf die Windenergie aufmerksam werden? Solarzellen haben ja immerhin schon viele Bundesbürger auf ihren Dächern anbringen lassen … Hermann Albers: Kleinwindanlagen müssen sich für die Betreiber rechnen, denn die kleine Windkraft ist Klimaschutz für Jedermann! www.wind-energie.de