Beim Verdrahten von Motorabgängen im Schaltschrank denkt man meist lediglich ans Anschließen der Motorschutzschalter und Schütze. Dazu kommen aber viele weitere Handgriffe. Zunächst muss z.B. im Plan nachgeschaut werden, welche Klemmen miteinander verbunden werden. Sind die Leitungen dann entsprechend konfektioniert, abisoliert, angeschlossen und im Kabelkanal verstaut, muss jede einzelne Verbindung geprüft werden. Das kostet nicht nur Zeit, sondern birgt bei jedem Arbeitsschritt zahlreiche Fehlerquellen. Schneider Electric bietet Anwendern zwei Motorabgangs-Konzepte an, die Arbeitsaufwand und Fehlerquellen reduzieren. Bei den im Folgenden beschriebenen Anwendungsbeispielen aus dem Maschinenbau wurden Motorschutzschalter-Schütz-Kombinationen oder modular aufgebaute Kombigeräte eingesetzt.
Schneller Aufbau durch Verdrahtungsadapter
Bei den TeSys-Motorabgangs-Kombinationen GV2ME.K vereinfacht sich die Auswahl, und der Verdrahtungsaufwand reduziert sich. Denn bei dem System, das den Leistungsbereich bis 15kW/32A abdeckt, sind dreipolige Schütze und Motorschutzschalter mit integriertem Kurzschluss- und Überlastschutz bedarfsgerecht kombinierbar. Sie werden vor Ort mit einem passenden Adapterstück montiert und dann als komplette Kombination platzsparend auf eine Hutschiene aufgerastet. Die Leistungsklemmen lassen sich über dreipolige Phasenschienen fehlerfrei verbinden; die Schraubklemmen für die Motorleitungen bleiben frontal zugänglich. Für die Ansteuerung aus einer SPS oder zur Herabsetzung der Wärmeentwicklung im Schaltschrank stehen Schütze mit geringer Leistungsaufnahme (1,8W) zur Verfügung. Die Varianten bieten dem Anwender eine sichere Betätigung durch den weiten Bereich der Steuerspannung von 0,7 bis 1,3Uc und einen zuverlässigen Schutz der Elektronik durch integrierte Schutzbeschaltung oder Anpassungsfähigkeit durch einen zusätzlich aufrastbaren Hilfsschalterblock. Die Motorabgänge GV2ME.K entsprechen der IEC947, NF C63-110, VDE0660 und BS5424. Die elektrische Lebensdauer und der weite zulässige Betriebstemperaturbereich sind nur einige der wesentlichen Merkmale. Die Motorabgänge werden in Anwendungen wie z.B. in den Schaltschränken für großen Wäschereimaschinen verwendet.
Motorschutzschalter-Schütz-Kombinationen im Einsatz
Die Jensen GmbH, Harsum, stellt Hochleistungswäschereimaschinen und -systeme her, die z.B. in Krankenhäusern, Miet-Textilbetrieben, Hotelketten oder auf Kreuzfahrtschiffen eingesetzt werden (Bild 1). Das Produktspektrum ermöglicht in allen Bereichen maßgeschneiderte Lösungen, angefangen vom Waschraum über das Flachwäsche-Finishing bis hin zur Formteilesortierung. Dabei passt sich der Automatisierungsgrad den jeweiligen Anwenderwünschen an. Das reicht von teilautomatisierten Lösungen bis hin zur Vollautomatisierung des gesamten Wäschereiablaufs. Hierzu sind gleich eine ganze Reihe von Antrieben notwendig. Für den Motoranschluss werden in den Maschinen-Schaltschränken seit einigen Jahren fast ausschließlich Motorschutzschalter-Schütz-Kombinationen aus dem TeSys-Programm eingesetzt (Bild 2). Dafür sprach aber nicht nur die einfache Verdrahtung. \“Als wir uns für TeSys entschieden, spielte auch die mit 100mA geringe Stromaufnahme eine wichtige Rolle\“, erläutert Ralf Matzat, Automation Jensen GmbH, einen weiteren Systemvorteil. \“Zum Anschluss an die SPS sind dadurch keine Koppelrelais mehr notwendig.\“
Flexibles Komplettgerät in Modulbauweise
Inzwischen ist die Entwicklung bei Motorschutzschaltern und Schützen nicht stehen geblieben. Schneider Electric hat eine weitere Serie entwickelt, bei denen Motorschutzschalter und Schütz eine konstruktive Einheit bilden. Durch den modularen Aufbau sind die Motorstarter der Serie TeSys U anpassungsfähig. Zwei Grundgeräte decken den Leistungsbereich bis 32A bzw. 15kW ab (Bild 3). Die Grundgeräte sind 45mm breit. Die Steuereinheit, die eine Strom- und Spannungsanpassung bis kurz vor der Inbetriebnahme ermöglicht, wird auf dem bereits auf der Hutschiene montierten und verdrahtetem Grundgerät aufgesteckt. Dabei reduziert sich die Typenvielfalt gegenüber konventionellen Lösungen bis zum Faktor 10: Während für den gleichen Leistungsbereich normalerweise 15 verschiedene konventionelle Motorschutzschalter notwendig wären, kommt man bei TeSys U mit sechs verschiedenen steckbaren Steuereinheiten aus, durch die stark überlappenden Einstellbereiche meist sogar mit vier Varianten. Die Motorstarter lassen sich nachträglich um Funktionsmodule erweitern und so an die jeweilige Applikation anpassen, ohne dass der Platzbedarf steigt. Module gibt es z.B. für Melde- und Anzeigefunktionen sowie für unterschiedliche Hilfsschalter. Zum Lieferprogramm gehören Kommunikationsmodule wie Parallelverdrahtung, STB, Modbus- oder AS-Interface, Profibus und CANopen sowie DeviceNet. Die Motorstarter-Reihe entspricht dem Standard IEC/EN60947-6-2 und ist verschweißfrei bis 50kA. Damit können Sicherungen in diesem Bereich entfallen. Bei einem Kurzschluss schaltet das Gerät sicher ab und kann nach Beseitigung des Fehlers sofort wieder zugeschaltet werden. Für den Anschluss der Steuerleitungen sind optional Steckverbinder (RJ45) möglich. Der Platzbedarf sinkt durch die geringe Baubreite und die nicht notwendigen Kabelkanäle und Montageschienen auf die Hälfte; Installations- und Verdrahtungsaufwand reduzieren sich um bis zu 50% im Leistungsteil und um bis zu 20% im Steuerungsteil. Beispielsweise die EVT Eiberger Verfahrenstechnik GmbH in Sternenfels und die Emmendinger Maschinenbau GmbH in Emmendingen nutzen diese Eigenschaften der Motorstarter.
















